Wolfmother

Electric Citizen

Wiesbaden, Schlachthof, 23.04.2016

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 01.05.2016
Stil: Retro Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Wolfmother, Electric Citizen,
Wiesbaden, Schlachthof, 23.04.2016

„Ausverkauft!“ – das Wort steht schon Tage vor der Veranstaltung auf oder unter den Bannern, die den Auftritt der australischen Retro-Rocker WOLFMOTHER im Wiesbadener Schlachthof ankündigen. Das bedeutet 2.000 Menschen wollten den Auftritt des Trios erleben, das mit seinem aktuellen Werk, “Victorious“, sogar die Erfolge der Anfangstage toppen kann. Bei vielen anderen Lokalitäten würde das beklemmende Enge und stickige Luft bedeuten – nicht aber im „neuen“ Schlachthof, der sowohl genügend Platz zum gemütlichen stehen bietet als auch gut belüftet ist. Aber wahrscheinlich hätte andere Veranstalter auch noch versucht, deutlich mehr Menschen in die Halle zu lassen, denn Raum genug wäre bestimmt für weitere 200 bis 300 Personen gewesen. Daher schon mal an dieser Stelle ein fettes Danke schön an den Schlachthof, nicht auch noch den letzten Euro aus so einem Konzert herausholen zu wollen, sondern auch ein Augenmerk auf den „Wohlfühlfaktor“ in der Halle gelegt zu haben. Das sieht man nicht allzu oft.

Photo-Credit: Marc Langels

Der Abend beginnt pünktlich wie angekündigt um 20 Uhr mit der Vorgruppe ELECTRIC CITIZEN. Das Quartett aus Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio ist auf dem Europa-Trip von WOLFMOTHER als Support dabei, obwohl es das zweite Album der Band, “Higher Time“, hierzulande noch gar nicht zu erwerben gibt – außer natürlich heute am Merchandising-Stand. Die Band bietet einen sehr Doom-lastigen Retro-Rock-Sound, der schwer von den frühen BLACK SABBATH beeinflusst ist. Die Band hat in Frontfrau Laura Dolan einen exaltierten Blickfang. Zudem wird die Band auf dieser Tournee von der Keyboarderin Katie unterstützt, die aber von der Bühnenbeleuchtung ein wenig sträflich „ins Abseits gestellt“ wird. Aber das wird im Laufe der Show besser.

Die Songs der Band stoßen beim Publikum auf zahlreiche offene Ohren. Und so erhalten ELECTRIC CITIZEN schon recht schnell einen recht freundlichen – wenn auch nicht überschwänglichen – Applaus von der zu diesem Zeitpunkt auch schon sehr gut gefüllten Halle. Die Show wird hingegen von Laura Dolan gemacht, die als einzige wirklich viel in Bewegung ist, ihre Texte mit einer eindrücklichen Mimik und Gestik darbietet und zwischendurch auch mal in einen kleinen ekstatischen „Hexentanz“ verfällt. Das passt gut zur Atmosphäre der düster-rockenden Musik. Eine weitere Attraktion ist die ebenfalls sehr engagierte Mimik von Schlagzeuger Nate Wagner, der in seinem Spiel zudem manches Mal von The Animal aus der Muppet Show inspiriert scheint.

Photo-Credit: Marc Langels

Hier gibt es weitere Impressionen von ELECTRIC CITIZEN.

Ein kleines bisschen mehr als 30 Minuten stehen ELECTRIC CITIZEN zur Verfügung, die die Band auch gut einsetzt, um Werbung für sich zu machen. Dabei könnten insbesondere Gitarrist Ross Dolan und mit Abstrichen auch Bassist Randy Proctor ruhig in Zukunft etwas mehr zum Geschehen auf der Bühne beitragen, denn zumindest bei diesem Auftritt kommt insbesondere von Dolan sehr wenig Action. Auch die Pausen zwischen den Liedern sollten entweder für kurze Interaktion mit den Fans genutzt werden oder aber besser noch sehr kurz gehalten werden, denn so wirken sie immer noch ein wenig wie eine Unterbrechung des Flows der Show. Aber insgesamt betrachtet sicherlich ein gelungener Auftritt der Band, die die Fans ordentlich warm macht für den Hauptact. Der nun mit Spannung erwartet wird.

Pünktlich um 21 Uhr erlischt dann wieder das Hallenlicht und WOLFMOTHER entern die Bühne. Und zum Auftakt hauen sie das Publikum direkt einmal mit dem immer noch aktuellen Hit Victorious aus den Socken. Natürlich geht die Stimmung dabei sofort durch die Decke. Die 2000 Zuschauer feiern Andrew Stockdale und seine Mitmusiker Ian Peres und Alex Carapetis schon für die erste Nummer wie andere Bands für ein komplettes Konzert. Wahrlich beeindruckend ist auch, wie es dem Trio gelingt einen zugleich dichten als auch differenzierten Sound auf die Bühne zu bringen.

Photo-Credit: Marc Langels

In den folgenden knapp 85 Minuten zeigen WOLFMOTHER, dass es momentan wohl kaum eine Band gibt, die den Retro-Rock so konsequent, exzellent und wahrheitsgetreu darbietet wie sie. Das beginnt beim Styling der Drei. Sie sehen aus, als wären sie im Backstage-Bereich einer Zeitmaschine entstiegen, die sie direkt aus den 60er/70er Jahren in den Schlachthof transportiert hätte. Schlagzeuger Alex Carapetis erinnert dabei auch ob seines Spielstils frappierend an Keith Moon von THE WHO. Bassist und Keyboarder Ian Peres scheint hingegen eher einer Hippie-Kommune entsprungen zu sein und schlurft mit seinem massiven Rickenbacker-Bass über die Bühne.

Aber zentraler Punkt der Aufmerksamkeit ist selbstverständliche Andrew Stockdale, der zwar nicht zu den größten Showmännern gehört, das aber durch seine Präsenz und seine Leistung an Gitarre und Mikrofon mehr als nur ausgleicht. Er führt seine Band aber auch das Publikum durch eine Setlist, die gespickt ist mit alten und aktuellen Hits und sorgt dafür, dass an diesem Abend kein Zuschauer den Schlachthof unzufrieden verlassen wird. Und so wechselt die Band zwischen Klassikern der Marke Woman (wird schon als dritter Song des Abends dargeboten), White Unicorn, Dimension, bei dem der Schlachthof nahezu in seinen Grundfesten erziettert, und dem - natürlich - abschließenden Joker And The Thief und jüngeren Stücken wie The Love That You Give, City Life aber auch Pretty Peggy (das sehr gut beim Publikum ankommt) bunt hin und her.

Photo-Credit: Marc Langels

Wenn man die Band da so auf der Bühne beobachtet, da muss man schon feststellen, dass WOLFMOTHER wahrscheinlich nie stark waren wie jetzt. Stockdale hat mit seinen beiden Mitmusikern einen wahrhaften Glücksgriff getan. Neben dem absolut passenden optischen Eindruck erweisen sie sich auch als exzellente Instrumentalisten. Peres hat neben seinem Bass auch die Keyboards und Effekte voll im Griff und sorgt für die meiste Bewegung auf der Bühne. Er bildet zusammen mit Carapetis eine druck- und schwungvolle Rhythmussektion, die den Songs die richtige Dynamik und das entsprechende Feeling - man könnte auch sagen: den Spirit - bescheren. Zusammen mit dem Frontmann sind sie die Definition eines Power Trios.

Angesichts der gebotenen Leistung auf der Bühne erscheint es schon etwas merkwürdig, dass es doch auch immer wieder (insbesondere im mittleren und hinteren Drittel der Halle) zahlreiche Leute gibt, für die das Konzert offenbar eher eine untergeordnete Rolle spielt und die vielmehr ihre Unterhaltungen führen und dabei ignorieren, dass das Umstehende als nervig und störend empfinden könnten. Oder sie machen immer wieder "Selfies" für all diejenigen, die keine Karte bekommen haben. Da lobe ich mir doch die Zuschauer in den vorderen Reihen, die höchstens mit Crowdsurfing beschäftigt sind und der Band die Aufmerksamkeit widmen, die sie verdient.

Photo-Credit: Marc Langels

Hier gibt es weitere Impressionen von WOLFMOTHER.

Nach 72 Minuten erfolgt dann schon der erste Abgang, aber die Fans müssen nur drei Minuten nach einer Zugabe verlangen. Dann stehen WOLFMOTHER schon wieder auf der Bühne und geben den Zuschauern mit Vagabond und wie schon erwähnt Joker And The Thief den Rest für diesen Abend. Damit endet nach leider nur rund 83 Minuten ein toller Konzert-Abend in Wiesbaden überall mit zufriedenen Gesichtern, sowohl auf der Bühne als auch davor. Ein baldiges Wiedersehen ist wohl von beiden Seiten mehr als erwünscht.

An dieser Stelle noch ein besonderer Dank an Alex von Oktober Promotion für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, 23.04.2016

 

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