The Byrds

Original Album Classics

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 10.10.2009
Jahr: 2008
Stil: Folk Rock

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


The Byrds
Original Album Classics, SONY BMG / COLUMBIA, 2008
Jim "Roger" McGuinn12-String-Guitar, Vocals
Gene ClarkTambourine, Vocals
David CrosbyRhythm Guitar, Vocals
Chris HillmanBass Guitar, Vocals
Michael ClarkeDrums
Produziert von: Diverse Länge: 94 Min 59 Sek Medium: CD
MR. TAMBOURINE MAN(1965)
01. Mr. Tambourine Man10. Don't Doubt Yourself
02. I'll Feel A Whole Lot Better11. Chimes Of Freedom
03. Spanish Harlem Incident12. We'll Meet Again
04. You Won't Have To Cry13. She Has A Way *
05. Here Without You14. I'll Feel A Whole Lot Better (Alternate Version) *
06. The Bells Of Rhymney15. It's No Use (Alternate Version) *
07. All I Really Want To Do16. You Won't Have To Cry (Alternate Version) *
08. I Knew I'd Want You17. All I Really Want To Do (Single Version) *
09. It's No Use18. You And Me *
TURN! TURN! TURN!(1965)
01. Turn! Turn! Turn! (To Everything There Is A Season)10. Wait And See
02. It Won't Be Wrong11. Oh, Susannah
03. Set You Free This Time12. The Day Walk (Never Before) *
04. Lay Down Your Weary Tune13. She Don't Care About Time *
05. He Was A Friend Of Mine14. The Times The Are A-Changin' *
06. The World Turns All Around Her15. It's All Over Now, Baby Blue *
07. Thoughts And Words16. She Don't Care About Time *
08. If You're Gone17. The World Turns All Around Her (Alt. Mix) *
09. The Times The Are A-Changin'18. Stranger In A Strange Land (Instrumental) *
(* Bonus Track - not on original album)

Im Rahmen der Reihe "Original Album Classics" wurde im Vorjahr auch ein Pappschuber mit fünf Alben der legendären BYRDS veröffentlicht. Die Alben "Mr. Tambourine Man", "Turn! Turn! Turn!", "Fifth Dimension", "Younger Than Yesterday" und "The Notorious Byrd Brothers" umfassend, stellt diese Box einen echten Leckerbissen für Sammler und solche die es werden wollen dar, enthält sie doch die ersten fünf LPs der Gruppe in chronologischer Reihenfolge plus einer ganzen Reihe von Bonus Tracks, welche den Wert dieser Collection erheblich steigern.
Wie bei anderen in dieser Reihe präsentierten Künstlern sind die einzelnen CDs nicht in Plastikboxen enthalten, vielmehr stecken sie in Papphüllen, welche quasi Miniaturen der originalen Cover darstellen.
Die erwähnten Alben wurden bereits 1996/97 auf CD wiederveröffentlicht. Dabei wurden alle Titel remastered und jedes Album erhielt mehrere Bonus Tracks, häufig bis dato unveröffentlichte Alternativ-Versionen ihrer Songs. Zudem wurden die Booklets durch zusätzliche Texte und Fotos aufgepeppt.

In der Geschichte der Rockmusik haben THE BYRDS ein wichtiges Kapitel mitgestaltet, welches ihren heutigen Bekanntheitsgrad bei weitem überschreitet. Ihr Einfluss auf spätere Generationen wird am Beispiel Tom Pettys deutlich. Petty selbst erlebt sie das erste Mal als Teenager an einem Sonntagmorgen, als er Mr. Tambourine Man im Radio hört. Stimmlich wurde der Amerikaner besonders zu Beginn seiner Karriere häufig mit Roger McGuinn verglichen und viele Arrangements seiner Songs erinnerten an die BYRDS. Darüber hinaus coverte er mit I'll Feel A Whole Lot Better ("Full Moon Fever", 1989) einen frühen Klassiker der US-Folk Pioniere. Mit seiner Band MUDCRUTCH (Vorgänger der HEARTBREAKERS) veröffentlichte Petty im vergangenen Jahr mit Lover Of The Bayou einen weiteren Track der BYRDS. Im Jahre 1991 schrieb er gemeinsam mit McGuinn den Song King Of The Hill, bei dem sich Petty auf dessen Longplayer "Back From Rio" auch die Lead Vocals teilte.
Bei einem 1992 vom US-Fernsehen übertragenen Konzert zu Ehren von Bob Dylans dreißigjährigem Jubiläum als Schallplattenkünstler standen Roger McGuinn und Tom Petty & The Heartbreakers gemeinsam auf der Bühne, um noch einmal Mr. Tambourine Man zu spielen. McGuinns scheppernde Glockentöne seiner zwölfsaitigen Rickenbacker und die gleiche weltentrückte Stimme wie knapp drei Dekaden zuvor ließen sofort erkennen, warum dieser Song zu einem Klassiker wurde.

Die Geschichte der BYRDS beginnt in den frühen sechziger Jahren. Zum Anfang des wohl bedeutendsten Jahrzehnts der Pop- und Rockmusik trifft der aus Chicago stammende Gitarrist und Sänger Roger McGuinn in Los Angeles auf einige junge, talentierte Folk- und Bluegrass-Musiker. Der 1942 geborene McGuinn heißt zu diesem Zeitpunkt noch Jim (in der Kurzform, eigentlich James Joseph McGuinn III), bevor er 1967 seinen Vornamen auf Anraten eines indischen Gurus in Roger ändert. Wie viele Zeitgenossen, zeigt sich Jim alias Roger stark von den THE BEATLES beeinflusst.
Anfang 1964 trifft er in einem Club auf Gene Clark (Vocals, Gitarre, Tambourine). Der zwei Jahre jüngere, aus Missouri stammende und als Harold Eugene Clark geborene Songwriter hat bereits im Alter von vierzehn Jahren seinen ersten Titel verkauft und ist inzwischen vollständig zur Folkmusik gewechselt. McGuinn und Clark entdecken ihre gemeinsame Vorliebe für die Fab Four und beschließen, eine Band zu gründen.
Im gleichen Club tritt gelegentlich der 1941 in LA geborene David Crosby (Vocals, Gitarre) auf. Als Sohn wohlhabender Eltern verwöhnt, kann er es sich leisten, zuweilen auch den Rebellen zu spielen, ohne finanziell Schiffbruch erleiden zu müssen. Nachdem Crosby von mehreren Schulen geflogen ist und den ersten Ärger mit dem Gesetz hinter sich hat, findet er Verwirklichung in der Folkmusik. David versteht sich auf Anhieb mit Roger und Gene. In einem kleinen Studio in Hollywood, in welchem man durch Beziehungen unterkommt, entstehen erste Demos. Zu diesem Zeitpunkt nennt man sich JET SET.

Während der gemeinsamen Proben kommen die jungen Musiker zu dem gemeinsamen Entschluss, dass ihr weicher Gitarrensound zur Abrundung eine Rhythmusgruppe vertragen könnte. Man heuert den jungen Drummer Michael Clarke (geboren 1946 als Michael James Dick) an. Dieser hat mit 17 Jahren sein Zuhause hinter sich gelassen und gelangt per Anhalter nach Kalifornien. Clarke spielt bereits seit frühester Kindheit Schlagzeug, doch es hält sich das Gerücht, seine Aufnahme bei den späteren BYRDS hängt mit dessen Ähnlichkeit mit Brian Jones von den ROLLING STONES zusammen. Die erhoffte visuelle Aufwertung gerät schnell in den Hintergrund, denn bereits erste Probeaufnahmen überzeugen durch seinen perkussiven Stil. Die Bongos zählen zu Clarkes Domäne.
Nachdem David versuchsweise erfolglos den Bass übernommen hat, gelangt durch die Überredungskünste ihres ersten Produzenten Jim Dickson der Mandolinen-Spieler Chris Hillman (geboren 1944) auf die vakante Position des Tieftöners.

Ohne überhaupt eine Platte veröffentlicht zu haben, eilt der neuen Band bereits ein vielversprechender Ruf voraus. Im September 1964 verbringen Paul McCartney und seine damalige Verlobte Jane Asher in Philadelphia einen Abend mit den aufstrebenden Musikern. Im Oktober '64 erscheint beim Elektra Label ihre erste Single Please Let Me Love You, welche vollkommen untergeht. Um der Gruppe einen britischen Touch zu verleihen, ändert die Plattenfirma den Bandnamen in BEEFEATERS.
Es folgen schier endlose Studiosessions, die nicht selten in heftige Streitereien münden. Allmählich entwickelt die Band einen charakteristischen Sound, der von McGuinns zwölfsaitiger Rickenbacker Gitarre und einem dreistimmigen Harmoniegesang geprägt wird. Ein häufiger Diskussionspunkt ist das Songmaterial, auf welches sich die drei Wortführer McGuinn, Clark und Crosby nicht einigen können. Nachdem Bob Dylan höchstpersönlich im Studio auftaucht und sein Interesse an der Gruppe bekundet, einigt man sich mit Mr. Tambourine Man auf einen seiner Titel, den Jim Dickson zuvor erfolglos vorgeschlagen hatte.
Erste Auftritte in Los Angeles und der näheren Umgebung folgen. Das Columbia Label wird auf das Quintett aufmerksam und bietet einen Vertrag an, der letztlich nur McGuinn, Clark und Crosby mit einbezieht. Bassist Hillman und Drummer Clarke gehören zwar nach einem weiteren halben Jahr ebenfalls offiziell zur Band, doch die Saat für erste Unstimmigkeiten im Lager der Gruppe ist gelegt. Columbia fordert eine erneute Namensänderung, und heraus kommt dabei der Name "Birds" (Vögel, auch Slangausdruck für junge Mädchen). Zur Vermeidung von Zweideutigkeiten und in Anlehnung auf Bob Dylan tauscht man das "i" mit einem "y" - THE BYRDS sind geboren!

Im Januar 1965 nehmen die drei Führungsmitglieder der BYRDS mit Unterstützung weiterer Session-Musiker (Jerry Cole - Gitarre; Larry Knechtel - Bass; Hal Blaine - Schlagzeug; Leon Russel - Keyboard) die Single Mr. Tambourine Man auf. Produzent Terry Melcher, ein Sohn der US-Schauspielerin Doris Day, misstraut den Fähigkeiten von Hillman und Clarke. Die B-Seite I Knew I'd Want Want You zeigt Gene Clarkes erstklassige Qualitäten als Songschreiber. Auch hier tragen Studiomusiker an Bass und Schlagzeug zu den Aufnahmen bei.
Die traditionelle Folk-Gemeinde befindet sich zu diesem Zeitpunkt in heller Aufruhr. Der Wechsel Bob Dylans von der akustischen zur elektrischen Gitarre sorgt für regelrechte Aufstände. Im Jahr der Bandgründung (1964) haben sich viele Jugendliche von der zunehmend seichter werdenden Musikszene abgesetzt und entdecken Jazz, Folk, Blues oder den Bluegrass für sich. Im Zusammenhang mit einsetzenden sozialen und politischen Prozessen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft gründen sich Künstlerkreise, die Zulauf aus allen möglichen Richtungen finden. Zwar wird die "Beatlemania" in diesen Kreisen zunächst als kommerziell und anspruchslos abgelehnt, doch letztlich fühlen sich viele jüngere Musiker von dieser Richtung angezogen was dazu führt, Elemente der Beatmusik mit Folk, Blues oder Country zu vermischen. Im Fall der BYRDS geschieht dieses zunächst mit amerikanischem Folk in der Ausprägung von Ikonen wie Pete Seeger oder Bob Dylan.
Das konserative Management der CBS schreckt vor einer Veröffentlichung der Platte zurück und legt die Aufnahmen auf Eis. Erst eine Intervention Dylans sorgt für einen Meinungsumschwung. Im April 1965 erscheint Mr. Tambourine Man und schlägt ein wie die sprichwörtliche Bombe. Dass es sich hierbei nur um eine verkürzte Version von Dylans Original handelt gerät zur Nebensache. Dylan selbst bringt im April '64 Subterranean Homesick Blues heraus, seine erste Rock'n'Roll-Platte nach vier Folkalben. Die Single wird ein Achtungserfolg, doch als er drei Monate später mit Like A Rolling Stone einen Riesenhit landet, haben die BYRDS ihm bereits durch Mr. Tambourine Man den Weg geebnet.
Trugen vorher die Folkniks ihre musikalische Artikulation wie eine Fahne vor sich her - hochmütig, rein, unberührbar - so bringt dieses Lied zum ersten Mal eine Fusion mit dem Rock'n'Roll.

Auf einmal ist da etwas Neues: Rogers 12saitige Rickenbacker, verwoben mit den eindrucksvollen Rhythmusklängen von David Crosbys Gitarre, unterstützt von Chris Hillman am Bass, Mike Clarke an den Drums und Gene Clarke mit seinem Tambourin, und hohe, mehrstimmige Vokalssätze im Hintergrund von McGuinns eigenartigem Falsett schaffen mit einem Schlag einen völlig neuen und faszinierenden Sound. Mr. Tambourine Man erreicht innerhalb weniger Wochen Platz Eins der US Billboard Charts, die Gruppe avanciert über quasi Nacht zur heißesten Band der amerikanischen Pop-Szene.
Es folgt ein Engagement im Vorprogramm einer Tournee mit den ROLLING STONES, welches die Popularität der BYRDS, die auch live überzeugen können, noch weiter steigert. Die coole Kombination aus Sonnenbrillen, Pilzköpfen und schwarzen Boots unterstützt ihre Musik zudem entscheidend - die Band wird zu einem Medienereignis. Die BYRDS gelten ab sofort als amerikanische Antwort auf die englischen BEATLES.

Das Jahr 1965 beschert der Langspielplatte eine zunehmende Bedeutung. Hatten die alten 78er Schelllackplatten ohnehin nur eine begrenzte Kapazität, soll sich zunächst auch mit dem Aufkommen des 45er Vinyls wenig ändern. Die Szenerie wird dominiert durch Singlehits, während die Alben häufig nur durch Füllmaterial aufgestockte Singles darstellen. Spätestens Ende des Jahres, als die BEATLES mit dem Album "Rubber Soul" die Musikwelt überraschen, verschiebt sich die Gewichtung Single/Album immer mehr in Richtung Longplayer.
Die Aufnahmen zum ersten Album der BYRDS, "Mr. Tambourine Man", finden im März/April '65 erneut unter der Regie Terry Melchers statt. Dieses Mal sind jedoch sämtliche Bandmitglieder im Aufnahmeprozess involviert. Zwei Monate, nachdem die Single den ersten Platz der US-Charts erreicht hat, erscheint am 21. Juni 1965 das gleichnamige Debutalbum der Gruppe. Herausgekommen ist ein in sich geschlossenes Werk, bestehend aus zwölf Songs von gleichbleibend hohem Niveau. Die Platte erntet hervorragende Kritiken und wird auf beiden Seiten des Atlantiks zu einem Verkaufsschlager (USA #6, Großbritannien #7).

In der Woche zuvor ist die zweite Single All I Really Want To Do (B-Seite: I'll Feel A Whole Lot Better) erschienen, welche sich im United Kingdom zu einem weiteren Hit entwickelt (#4), während sie im heimischen Amerika bereits bei Platz 40 hängen bleibt.

Die Song-Credits spiegeln nicht nur den erheblichen Einfluss der Folkmusik Bob Dylans wider, welcher vier auf dem Album enthaltene Tracks geschrieben hat. Gene Clark entpuppt sich mit fünf Beiträgen als der einflussreichste Songschreiber. Die legendäre Folk-Ikone Pete Seeger ist ebenfalls mit einem Song (The Bells Of Rhymney) vertreten.
Gene Clark zeigt sich zu dieser Zeit seinen Bandkollegen in puncto Songwriting weit überlegen. Er schreibt permanent neue Lieder, seine Beiträge auf Single und Album sichern ihm wesentlich höhere Tantiemen als seinen Mitmusikern zu. Dieser Umstand führt schnell zu Neid, doch Roger McGuinn muss zu dieser Zeit die Überlegenheit Clarks anerkennen.
Das später oft gecoverte I'll Feel A Whole Lot Better stellt eine der besten Kompositionen Clarks dar. Der im Uptempo-Rhythmus gehaltene Song ist ein typischer Track der frühen BYRDS. Viele prägnante Markenzeichen der Band finden sich dort vereint: Das Jingle-Jangle-Gitarrensolo McGuinns, Crosbys energische Rhythmusgitarre und der "aaah"-Chorgesang. Weiterhin glänzt I'll Feel... durch intelligent Akkordfolgen und überwältigende Melodieführungen. Ein weiteres Highlight Clarks ist Here Without You, welches in seiner ganzen Melancholie zu Tränen rührt. Die Vocals aller Beteiligten lassen den Zuhörer geradezu in eine Welt voller Trauer versinken. You Won't Have To Cry und It's No Use schreibt Clark gemeinsam mit McGuinn. Beide Songs zeigen sich sehr stark von den BEATLES beeinflusst. Während You Won't... wie gewohnt mit ausgezeichneten Vocals glänzt und leicht in Pop-Gefilde abdriftet, fällt It's No Use überraschend rockig aus und bildet dadurch den heftigsten Track der Scheibe.
Dass es der Dylan-Track All I Really Want To Do nur bis zur US Top Fourty bringt bleibt unverständlich. Zwar bringen Sonny & Cher nahezu zeitgleich den selben Song heraus, doch in der Version der BYRDS ist er im Vergleich zum Original sogar überraschend tanzbar, wie sein Urheber später bemerkt. All I Really... ist wohl diejenige Single der Band, welche sich als am stärksten von den BEATLES beeinflusst zeigt. Auf dem Album gibt es den Track in einer alternativen, etwas weicheren Variante. Obgleich die Fab Four zu diesem Zeitpunkt einen riesigen Eindruck auf die BYRDS machen, sind sie sich zusätzlich aber auch der immensen Bedeutung Bob Dylans bewusst. Spanish Harlem Incident, eine seiner vergleichsweise unbekannteren Kompositionen, findet sein Gefallen aufgrund einer erneut gelungenen Anreicherung seines Folks mit dem angesagten Beat.
Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt gibt es regelmäßig Spannungen innerhalb der Gruppe. Vor den Aufnahmen des letzten Liedes ihres Mentors Dylan (Chimes Of Freedom) sorgt David Crosby für Ärger. Er weigert sich schlichtweg, an dem Track mitzuwirken und schickt sich an, das Studio zu verlassen. Der neben Producer Terry Melcher ebenfalls anwesende Jim Dickson verkündet daraufhin, der Weg nach draußen würde nur über seine Leiche führen. Ob das Gerücht, Crosby wäre anschließend in Tränen ausgebrochen und hätte bei Chimes Of Freedom engelsgleich gesungen, nun wahr ist oder nicht - die Aufnahme gehört mit zum Besten auf "Mr. Tambourine Man".
The Bells Of Rhymney entpuppt sich als die vielleicht ergreifendste Nummer auf der LP. Ursprünglich das Gedicht eines walisischen Poeten über ein Grubenunglück, wird es später von Pete Seeger musikalisch umgesetzt und von den BYRDS bereits während ihrer ersten Auftritte gespielt. The Bells Of Rhymney entwickelt sich zu einem der Favoriten innerhalb der Hippieszene. McGuinns hypnotischer, immer wiederkehrender Gitarrenriff, Crosbys geschmackvolle, niemals in Pathos abdriftende Oberstimme sowie der finale mehrstimmige chorale Ausklang lassen das Arrangement schlichtweg überwältigend erscheinen.
In einer Anfang dieses Jahrtausends vom Rolling Stone Magazin erstellten Liste der besten 500 Alben aller Zeiten landet "Mr. Tambourine Man" in der oberen Hälfte. Das häufig als Klassiker bezeichnete Album enthält quasi ausschließlich "killers and no fillers". Die BYRDS verhelfen neben den BEATLES der Langspielplatte zu einer steigenden Bedeutung, in dem sie diese mit inspirierten und hochkarätigen Liedern bestücken.
Bei den Bonus Tracks sticht insbesondere die Gene Clark Komposition She Has A Way heraus, welche sich ebenfalls stark an die BEATLES anlehnt. Ursprünglich ebenfalls für "Mr. Tambourine Man" vorgesehen, schlummerte die vergleichsweise fröhlich klingende Nummer viele Jahre im Archiv.

Nach dem Erscheinen der zweiten Single All I Really Want To Do begibt sich die Gruppe unter der Leitung ihres Managers Jim Dickson (der reguläre Producer Terry Melcher geht gerade anderweitigen Verpflichtungen nach) ins Studio zur Aufnahme einer weiteren Single. Angepeilt hat man erneut eine Komposition von Bob Dylan, It's All Over Now, Baby Blue. Die fertige Demoaufnahme wird zwar sofort von den kalifornischen Radiosendern gespielt, doch Melcher befindet die Soundqualität als unzureichend und vertritt die Ansicht, der Chorgesang stände in einem zu krassen Gegensatz zum scharfen, bitteren Text des Liedes. Es folgt die Einstellung des Projekts. Als Bonus Track der Neuauflage von "Turn! Turn! Turn" taucht der Song wieder auf und beim Hören der CD fragt man sich, was seinerzeit wohl durch Melchers Kopf gegangen sein muss.
Im August 1965 führt der Weg der BYRDS nach Großbritannien. Man hat zu diesem Zeitpunkt eine strapaziöse USA-Tournee in den Knochen stecken. Ohne große Erholungspausen folgen Auftritte in Fernsehshows, Pressekonferenzen und natürlich Konzerte. Die beiden Pilzköpfe John Lennon und George Harrison besuchen das Konzert in London. Als "Antwort Amerikas auf die Beatles" angekündigt, vermag die Gruppe den Erfolg ihres Albums in den britischen Charts außerhalb dieser nicht auszuweiten. Die durch Krankheiten und aufgrund einer unzureichenden Ausrüstung gereizten Musiker treffen bei ihren Gigs oftmals auf ein ablehnendes Publikum, was wiederum negative Presseberichte nach sich zieht.

Desillusioniert kehren die sensiblen Musiker in ihre Heimat zurück und beginnen kurz darauf mit den Aufnahmen zur geplanten dritten Single Turn! Turn! Turn! (To Everything There Is A Season). Hierbei handelt es sich um eine weitere Nummer aus der Feder Pete Seegers. Dieser hatte den Text aus dem Alten Testament entliehen und vertont. Nach langen, beschwerlichen Aufnahmesessions mit weit über fünfzig notwendigen Takes erscheint die Platte schließlich Anfang Oktober '65 und erreicht flugs darauf den ersten Platz der US Billboard Charts. Die Briten haben anscheinend noch den schlechten Eindruck vom August im Gedächtnis und lassen Turn! Turn! Turn! auf der Position 26 versauern. Der Song gilt inzwischen längst als Klassiker der 1960er und taucht immer wieder auf Soundtracks und Samplern über jene Zeitphase auf.
Die Plattenfirma übt erheblichen Druck aus und fordert rasch ein zweites Album, um das lukrative Weihnachtsgeschäft mitnehmen zu können. Während der Aufnahmen gibt es innerhalb der Band zunehmend Streitereien, welche das eine oder andere Mal auch in Handgreiflichkeiten ausarten. Ausgangspunkt ist häufig der als egozentrisch geltende David Crosby, welcher sich gegenüber den musikalischen Köpfen Roger McGuinn und Gene Clarke zurückgesetzt fühlt. Die internen Machtkämpfe führen schließlich zum Rauswurf des Produzenten Terry Melcher, welcher es bis dahin nicht geschafft hat, zu den einzelnen Musikern mit Ausnahme McGuinns durchdringen zu können.
Zudem wächst der Neid auf die Tantiemenflut des Gene Clark. Ihr bester Songwriter zeichnet für die B-Seite (She Don't Care About Time) von Turn! Turn! Turn! verantwortlich, welche es trotz ihrer Qualität nicht auf die zweite LP schafft, obwohl die Nummer vielen der dort versammelten Tracks weit überlegen ist. She Don't Care About Time taucht ebenfalls hier wieder als Bonus Track bei der Neuauflage des Album "Turn! Turn! Turn" auf.

Als die Langspielplatte "Turn! Turn! Turn!" am 21. Dezember 1965 erscheint, ist auf den ersten Eindruck hin alles beim Alten geblieben. Über eine knappe halbe Stunde hinweg gibt es in unveränderter Besetzung Folk Rock; der Sound ist ähnlich wie beim Vorgänger geprägt von den Gesangsharmonien McGuinns, Clarks und Crosbys sowie der zwölfsaitigen Rickenbacker. Zwar erntet die Platte wohlwollende Kritiken, doch bekommt sie längst nicht das überschwängliche Lob wie das erste Album. Die aufkommende Hektik und der wachsende Druck hatten ihren Anteil an einer Platte, welcher letztlich der Esprit des Vorgängers fehlt. In den USA reicht es immerhin für einen siebzehnten Platz in den LP-Charts, während man überraschenderweise im United Kingdom nur knapp die Top Ten verpasst und eine Nummer elf landen kann.
Der Titelsong scheint das Album beinahe zu erdrücken. Darunter hat auch die zweite Singleauskopplung It Won't Be Wrong zu leiden, welche es in den Staaten gerade einmal bis auf die Position 63 schafft, während im UK die Top 40 knapp verpasst werden.
Natürlich ist der große Mentor ebenfalls wieder vertreten. Leider geraten die Interpretationen von Lay Down Your Weary Tune und The Times They Are A-Changin' arg durchschnittlich. Der Begriff "Filler" geistert beim Abspielen der beiden Tracks unausgesprochen durch den Raum. Die als Bonus beigefügte alternative Version von The Times... entspricht bei weitem mehr dem Gefühl eines Protestsongs. Bei den Aufnahmen zu The Times... besuchen Paul McCartney und George Harrison die Aufnahmesession. Anschließend gibt es im kalifornischen Beverly Hills eine gemeinsame Party mit den BYRDS.
Obwohl man Gene Clark in den Hintergrund zu verdrängen versucht, siegt letztlich die Qualität seiner Lieder. Set You Free This Time zeigt ihn als einen auf den Spuren Dylans wandelnden Songwriter, während der im Uptempo gehaltene Popsong The World Turns All Around Her durchaus Single-Qualitäten besitzt. Die Ballade If You're Gone besticht durch einen von McGuinn und Crosby gesummten Hintergrund, welcher sich kaum verändernd durch beinahe den ganzen Track zieht. Mit The Day Walk (Never Before) taucht unter dem zusätzlichen Material eine weitere kleine Perle Clarks auf, welche man Jahre später unter Aufnahmen aus jener Zeit wieder fand.
Obwohl die übrigen Aufnahmen durchaus ihre Reize besitzen, fehlt unter dem Strich der Charme von "Mr. Tambourine Man". Trotzdem entwickeln sich die BYRDS immer mehr zu Lieblingen der Szenerie um Köpfe wie Alan Ginsberg, Norman Mailer oder Timothy Leary, welche bei den Live-Auftritten der Gruppe fasziniert im Publikum sitzen. Die Band bildet so etwas wie die Synthese aus der Energie der Liverpooler Pilzköpfe und dem literarischen Flair Dylans. Vielleicht sind sie sogar die erste progressive Rockband überhaupt. Mit ihren ersten beiden Alben setzen die BYRDS Maßstäbe für das neu entstehende Genre "Folkrock".

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Jürgen Ruland, 27.09.09

 

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