Taj Mahal

Aschaffenburg, Colos-Saal, 20.06.2007

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Konzertbericht

Reviewdatum: 20.06.2007

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Aschaffenburg, Colos-Saal, 20.06.2007

Taj Mahal Es ist schwer, Taj Mahal nicht zu mögen. Eigentlich unmöglich. Wenn man sich erst eines seiner Alben angehört hat. Da liegt schon das Problem, denn irgendwie bekommt der Mann nicht die Anerkennung und somit die Aufmerksamkeit, die er verdient. Was zum großen Teil natürlich daran liegt, dass er sich frühzeitig in seiner Karriere entschloss, sich nicht den Vorgaben und Machenschaften der Plattenindustrie auszusetzen, sondern "sein Ding" durchzuziehen.
Davon wusste ich über Jahre nichts und eigentlich bin ich auf Taj Mahal gestoßen, weil ich mal las, dass Tajs Version von Willie McTells Statesboro Blues (auf dem Debütalbum "Taj Mahal") den großen Duane Allman zum Slide-Spiel inspirierte und natürlich auch dazu, diesen Song für die ALLMAN BROTHERS BAND zu übernehmen.
Auf diesem ersten Album spielten u.a. Jessie Ed Davis und Ry Cooder. Das vorhergehende Projekt, "The Rising Sons", sollte erst Jahrzehnte später veröffentlicht werden. Aber auch ohne diese genialen Musiker konnte mich Taj auf den folgenden Platten überzeugen, ob allein mit der Akustischen oder mit fettem Gebläse als Unterstützung. Es blieb ihm wie gesagt der große Erfolg versagt, aber Musikerkollegen/innen waren immer voll des Lobes über den Menschen und seine Musik. Von Blueskollegen wie John Lee Hooker über Linda Ronstadt und Bonnie Raitt und, nicht zuletzt, die ROLLING STONES. Letztere holten ihn des öfteren ins Vorprogramm ("The Rolling Stones Rock'n'Roll Circus") oder auf die Bühne. Zu hören u.a. auf dem Live-Album "No Security" (1998) mit Corinna, wohl dem größten Hit von Taj Mahal. Empfohlen sei Interessenten die Autobiografie "Taj Mahal", die der Künstler zusammen mit Stephen Foehr verfasste und die 2003 als deutsche Ausgabe beim Hannibal Verlag erschien.

Der 1942 (als Henry St. Clair Fredericks Jr.) geborene Taj hatte schon immer ein großes Interesse dafür, woher der von ihm geliebte Blues kam und welche Verzweigungen er genommen hatte. So lies er zahlreiche Stile in seine Musik einfließen, von afrikanischer, karibisch-jamaikanischer, auch mal jazziger, bis zu hawaiischer Musik. Besonders Hawaii, wo er lange Zeit lebte, hat es ihm angetan und so war er auch Jahre mit seiner "Hula Blues Band" unterwegs. Puristen verschreckt so was schnell und auch ich hatte da große Berührungsängste und ging deshalb damals nicht zum Konzert. Inzwischen hab ich da mehr Vertrauen, bin vielleicht auch aufgeschlossener, und will mir den Mann nicht mehr entgehen lassen.
So denkt auch eine stattliche Anzahl weiterer Besucher an diesem Mittwochabend, die das Colos-Saal doch - wenngleich locker gestellt - recht gut füllen. Vorgruppe braucht's nicht und um 21 Uhr betritt das TAJ MAHAL TRIO die Bühne. Begleitet wird Taj von Bill Rich am Bass und Kester Smith am Schlagzeug. Die beiden gehören schon seit über 30 Jahren zum musikalischen Umfeld des Sängers und entsprechend gut ist das Verständnis zwischen ihnen, auch wenn Taj sie gerne mal mit einer unerwarteten Wendung überrascht.
Taj Mahal Mit dem üblichen Hawaiihemd bekleidet, setzt sich Taj zunächst ans Keyboard - große Worte verliert er das ganze Konzert über nicht ans Publikum - und beginnt gleich schwungvoll mit einem Blues-Boogie. Augenblicklich ist Stimmung im Saal und die Leuten drängen sich mehr zur Bühne um diesem Groove möglichst nahe zu sein.
Beim zweiten Song wechselt Taj zur Gitarre und schnell wird deutlich, dass er deren Sound mit ein paar Effekten aufgepeppt hat. Dazu gehört vor allem ein gehöriger Chorus-Anteil und ein, für mich überraschend hoher Verzerrungsgrad. Der beeinträchtigt aber in keiner Weise das tolle Fingerpicking von Taj, welches man in dieser Form bestimmt nur selten zu sehen und hören bekommt. Ein einzigartiger Sound entsteht so, der ebenso entspannt wie fesselnd ist und jeden in Bewegung setzt.
Altbekannte Songs wie Checkin' Up On My Baby und Going Up To The Country, Paint My Mailbox Blue bekommen den aktuellen Taj-Anstrich - sind in dieser Form manchmal kaum zu erkennen - und ergänzen sich so bestens mit den neueren Titeln.

Taj Mahal Fliesend sind die Stil-Übergänge von Blues-Boogie zu afrikanischen Stilen, Reggae und immer wieder dieser Hawaii-Touch (-Taj). Auch für den Slow-Blues ist Platz und bereitwillig folgen die Leute der Aufforderung zum "A-haa"-mitsingen. Da reicht mittlerweile schon ein kurzer Blick oder Augenrollen des Hünen auf der Bühne. In diesem langsamen Blues setzt sich der Meister auch mal ein paar Minuten nach hinten und überlässt das Scheinwerferlicht Bill Rich. Der liefert denn auch ein ausgefuchstes Bass-Solo, ohne den Rhythmus zu vernachlässigen, das man nur noch grinsend und kopfschüttelnd vor der Bühne steht. Wahnsinn!
Zu meiner besonderen Freude wird auch der Fishin' Blues gespielt, der, in jeder Form, zu einem meiner Lieblingslieder gehört. Hier wird er eher swingend präsentiert.
Leider nicht gespielt wird Corinna, aber das ist wirklich nur ein ganz winziger Wehmutstropfen.
Einmal wird's dann sogar richtig poppig, ohne banal zu werden. Da sind einfach zu viele "Roots" im Spiel. Am Schluss greift sich Taj noch das Banjo und beweist auch damit sein Können.

Eine Zugabe beinhalten die knapp 1 ½ Stunden, die restlos begeisterte Zuschauer hinterlassen, die noch etliche Minuten nach einer weiteren Zugabe verlangen. So lange, wie ich es im Colos-Saal noch nie erlebt habe.
Aber Taj Mahal reicht es für heute und im Endeffekt wird das respektiert. Von den Anwesenden wird bestimmt keiner die nächste Möglichkeit zu einem Konzertbesuch bei diesem Blues-Künstler vermissen und mir geht's da genau so. Die beiden CDs, die ich noch erwerbe, bestärken mich in diesem Vorhaben.

Epi Schmidt, 21.06.2007

 

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