John Hiatt

Rudolstadt, Folkfestival, 05.07.2012

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Konzertbericht

Reviewdatum: 12.07.2012
Stil: Americana, Roots Rock

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Redakteur(e):

Markus Rill


John Hiatt,
Rudolstadt, Folkfestival Rudolstadt, 05.07.2012

Das Tanz- und Folkfestival in Rudolstadt Thüringen war schon zu DDR-Zeiten eine Institution und gilt mittlerweile als größtes Roots-, Folk- und Weltmusikfestival in Europa. Obwohl "Roots" im Namen stecken, geht es bei diesem Festival eher um Djembe, Bouzouki und Ausdruckstanz als um amerikanische Wurzeln. Der zwischen Jazz, Bluegrass und Weltmusik oszillierende Banjo-Spieler Belá Fleck und die rein akustische Bluegrass-Formation Alison Krauss & Union Station passen deshalb besser ins Lineup des Festivals zwischen Emel Mathlouti aus Tunesien, Conjunto Angola 70 aus, natürlich, Angola und Bollnnäsbydens spelsmanslag aus Schweden als eine – mit Verlaub - eher handelsübliche Rockband.

Doch John Hiatt ficht das alles nicht an. Zur Eröffnung des Festivals steht er mit seiner dreiköpfigen Band auf der riesigen Bühne im schönen Heine-Park und eröffnet mit Master Of Disaster, einer – wie der Songtitel andeutet – knackigen Rocknummer. Gitarrist Doug Lancio glänzt darin mit Neil-Young-Sounds, in der nächsten Nummer Tennessee Plates mit einem tollen Slidepart und in Real Fine Love mit einem wunderbaren atmosphärischen Intro. Beeindruckend wie vielseitig Lancio, zuvor langjähriger Produzent und Gitarrist von Patty Griffin, agiert. Das ist auch nötig, schließlich muss er die auf Hiatts Alben zu hörenden Slide-Licks von Heroen wie Ry Cooder und Sonny Landreth sowie Mandolinen-Parts von David Immerglück adaptieren.

Beeindruckend auch, aus was für einem reichhaltigen Katalog Hiatt schöpfen kann. Die ersten sechs Songs des Abends stammen von sechs verschiedenen Alben. Überhaupt bietet der Mann aus Indiana ein veritables Greatest-Hits-Set mit nur zwei Songs vom starken aktuellen Album „Dirty Jeans & Mudslide Hymns“. Immerhin fünf Nummern stammen von seinem 1988er-Meisterwerk "Slow Turning".
Im Verlauf des Abends wird die vierköpfige Combo, die am Harmoniegesang vom jungen Gitarren-Roadie unterstützt wird (Hiatt: "We call it tunin’ & croonin’"), immer rockiger und lauter. Eine Verschnaufpause gibt’s eigentlich nur bei Feels Like Rain.

Ein klein wenig verliert sich auf der Reise von Country-Rock über Folk- und R&B-Einflüsse zum recht reinrassigen Rock die Subtilität und Präzision der ersten Nummern. Mag sein, dass der junge Bassist Nathan Gehri ("a last-minute addition", verrät Lancio) noch ein paar Gigs an der Seite von Klasse-Drummer Kenneth Blevins benötigt. Doch das ist Mäkeln auf höchstem Niveau. Zudem macht Hiatt dies nicht nur mit seinem knautschigen, kehligen Gesang, sondern auch seiner humorvollen Präsentation mehr als wett. Mit Memphis In The Meantime, dem vielleicht groovigsten Song eines Nashville-Songwriters überhaupt (und den goldenen Zeilen "sure I like country music and I like mandolins/ but right now I need a Telecaster through a Vibrolux turned up to ten"), endet das reguläre Set von Hiatt & Co. Leider bleibt nur Zeit für eine Zugabe, Riding With The King.

Mit seinem 90-minütigen Set trifft Hiatt den Nerv des Publikums, das bei diesem Festival naturgemäß nicht nur aus seinen Fans besteht. Und zu Hiatts Fans zählen – dieser Hinweis darf in keinem Artikel über den Songwriter fehlen – eine ganze Reihe von Kollegen, die seine Songs gecovert haben: Bob Dylan, Bonnie Raitt, Rosanne Cash, Joan Baez, Joe Cocker, Buddy Guy, Emmylou Harris, Neville Brothers, Iggy Pop, Willie Nelson und viele, viele mehr. Die können nicht irren.

Markus Rill, 05.07.2012

 

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