North Mississippi Allstars
Polaris, Cooking Vinyl, 2004
Luther Dickinson Guitars, Toy Drum Kit, Vocals
Cody Dickinson Drums, Guitars, Piano, Organ, G4, 808, Vocals
Chris Chew Bass, Vocals
Duwayne Burnside Guitar, Vocals
Produziert von: The Dickinson Brothers Länge: 45 Min 10 Sek Medium: CD
1. Eyes7. One To Grow On
2. Meet Me In The City8. Never In All My Days
3. Conan9. Bad Bad Pain
4. All Along10. Polaris
5. Otay11. Time For The Sun To Rise
6. Kids These Days12. Be So Glad

Bei "Allstars" denkt man an und für sich an ein paar ältere Typen die das Gröbste schon hinter sich haben und halt jetzt noch mal ein bisschen Spaß miteinander haben, oder ihre "Rente" aufbessern wollen.
Bei den NORTH MISSISSIPPI ALLSTARS handelt es sich eher um eine Truppe die ihre Höhenflüge noch vor sich hat. Obschon ihnen mit "Polaris" einer gelungen ist!

Die Söhne der Produzentenlegende Jim Dickinson, Luther und Cody, haben zusammen mit Chris Chew am Bass bereits mit ihren beiden ersten Scheiben aufhorchen lassen. Nicht von ungefähr können sie zwei Grammy-Nominierungen verbuchen.
Seit 2001 ist mit Duwayne Burnside ein weiterer "Legenden-Sohn" an Bord. Vater ist Robert Louis Burnside, der wohl zu den größten lebenden Blues-Musikern gehört. Derart aufgerüstet konnten die Jungs an die Realisierung ihres "Polaris"-Projektes gehen, das die Band, laut eigener Aussage, von Anfang an geplant hat.

Beim Opener Eyes, der sich gleich als Ohrwurm präsentiert, zeigt die Band, dass sie sich neueren Grooves und Sounds nicht verschließt, aber trotzdem in einem Southern-Swamp-Blues-Rock verwurzelt ist, der sich auch gerne mal in New Orleans bedient. Bereits im ersten Song demonstriert Luther Dickinson seine beachtlichen Fähigkeiten an der Slidegitarre, die öfters an Sonny Landreth erinnern.
Etwas ruhiger, aber trotzdem kraftvoll wie ein 12-Zylinder rollt Meet Me In The City aus den Lautsprechern und macht mit seinem leichten Country-Boogie-Einschlag sowie dem mehrstimmigen Gesang Erinnerungen an die EAGLES wach.
Auf akustischer Basis, mit seinem Country-Folk-Groove, klingt Conan wie ein Zugeständnis an die späten 60er Jahre. Wäre der Gesang nicht, könnte zumindest der Anfang ein Rory Gallagher-Outtake aus dessen erstem Soloalbum sein. Zwischenzeitlich wird's auch mal richtig psychedelisch, bevor wieder der heimische Hafen erreicht ist.

Der kompakte, dichte Sound von All Along erinnert mich, auch wenn es natürlich nicht so heftig ist, etwas an POTHEAD. Auch die entwickeln einen ähnliche Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann.
Leichte Pop-Einflüsse (keineswegs negative!) tauchen in Otay auf. Vielleicht ein Verweis auf Noel Gallagher von OASIS, der nach dem Hören eines Demos spontan anbot im Studio auszuhelfen.
Richtig Spaß macht auch wieder das folkig-rockende Kids These Days, bei dem ich öfter mal an Bob Geldof denken muss. Man sieht, es sind hier auch durchaus englische Einflüsse zu finden. Und immer wieder taucht zwischendurch diese außergewöhnliche Slide-Gitarre auf. Für meinen Geschmack zwar immer noch zu selten bzw. zu kurz, aber immer erstklassig!

One To Grow On ist jener Song, dessen Demo besagten Herrn Gallagher zu seiner Teilnahme bewog und wenn nicht ein gewisses Southern-Feeling durch die Slidegitarre da wäre, könnte diese Ballade mit ihrer etwas zu aufgeblasenen Art auch in dessen Band ihren Platz haben.
Schon sind wir aber wieder im Süden Amerikas und swingen zum Blues-Boogie von Never In All My Days. Bei diesem Song denke ich auch öfter mal an die Australier von JET. Besonders gesanglich kommt das sehr ähnlich, aber auch der Rhythmus passt in diese Richtung - lediglich die Gitarren kommen gemäßigter.
Nicht mehr an Stillsitzen ist dann bei Bad Bad Pain zu denken. Ein mitreißender Disco-Rhythmus-Teppich, nicht so unähnlich zu Rod Stewarts Passion, liefert die Basis für Luthers Gesang und die Gitarrensoli, die sehr BLACK CROWES-mäßig klingen.

Ja, gut, auch Polaris hat diesen OASIS-Einschlag. Doch schließlich haben die solche BEATLES-Balladen ja nicht erfunden und zudem... Ihr wisst schon... die Slide.
Time For The Sun To Rise, folkig-locker, hätte auch auf das Solo-Album des Ex-BLACK CROWES Sängers Chris Robinson gepasst. Mit leicht schwebenden, drehorgelgleichen Sounds braucht's keine weiteren Substanzen um "abzudriften".
Mit Be So Glad kehren die NORTH MISSISSIPPI ALLSTARS dann wieder zu den moderneren Grooves des ersten Songs zurück, ja versteigen sich gar in Hip-Hop/Rap Zitaten. Dass das, mit den entsprechenden Gitarren, trotzdem funktioniert, wissen Fans von den RED HOT CHILI PEPPERS, und so werden auch (aber nicht nur) die ihre Freude hieran haben.
So, und ein "Hidden-Track" gibt's dann auch noch. Fragt mich nicht wie sich das Instrumental nennt das plötzlich auftaucht, aber, ganz ehrlich: Seit Jessica hat mich kein countryinspiriertes Instrumentalstück mehr so erfreut. Große Klasse.

Also, die Jungs muss man sich wirklich antun - an denen wird man noch viel Freude haben.

Epi Schmidt, 11.04.2004

 

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