Louisiana Red & Little Victor's Juke Joint

Memphis Mojo

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 15.08.2011
Jahr: 2011
Stil: Blues

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Louisiana Red & Little Victor's Juke Joint
Memphis Mojo, Ruf Records, 2011
Louisiana RedVocals & Guitar
Little VictorLead Guitar
Bob ComitoreHarmonica
Mookie BrillUpright Bass
Alex PettersenDrums
Bill TroianiUpright Bass
The HawkPercussion
David MaxwellPiano
Produziert von: Little Victor Länge: 44 Min 35 Sek Medium: CD
01. Goodbye Blues07. Your Lovin' Man
02. I Had Troubles All My Life08. Boogie Woogie Man
03. See That My Grave Is Kept Clean09. I'm Gettin' Tired
04. No More Whiskey10. So Long, So Long
05. Yolanda11. Why Don't You Come On Home
06. Just Take Your Time12. Grandmother's Death

In Europa - und besonders in Deutschland - ist Louisiana Red ein bestens bekannter Blues-Sänger und -Gitarrist. Schließlich hat er Jahrzehnte hier gelebt und war entsprechend oft auf den Bühnen hierzulande zu finden. Teilweise so oft, dass man schon glauben konnte, der Mann kann gar nicht so viel Ahnung haben, vom Blues aus Chicago und dem Mississippi Delta. Kann das überhaupt noch authentisch sein? Solche Gedanken kommen einem natürlich nur dann, wenn man den Mann noch nicht auf der Bühne erlebt hat. Oder sich intensiver mit seinen Alben beschäftigt. Trotzdem schien das Interesse an Louisiana Red etwas zu erlahmen, bis vor wenigen Jahren das Album "Back To The Black Bayou" erschien und er mit Little Victor eine äußerst fruchtbare Partnerschaft einging.
Diese setzt sich nun mit dem Album "Memphis Mojo" fort und auch diese Scheibe sollte umgehend die Ohren von Bluesliebhabern erfreuen. Jedenfalls, wenn man auf den eher ursprünglichen, rauen, unpolierten Blues steht. Denn so klingt es hier. Augenblicklich, schon bei den ersten Tönen von Goodbye Blues kommt man sich vor, als befände man sich in Chicago in den frühen 50er Jahren. So muss es da an jeder Ecke und jeder verräucherten Blues-Spelunke geklungen haben. Obwohl alles in gewisser Weise "hemdsärmelig" klingt und man oft den Eindruck hat, die Band steigt einfach mit ein und jeder wurstelt sich so durch, ist das doch ganz große Klasse, wie die Typen hier miteinander kommunizieren. Als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Was ja wahrscheinlich auch so stimmt.

Zusammengehalten werden die Songs natürlich von Reds toller Stimme, von deren Art man heutzutage gar nicht mehr so viele findet. Authentischer geht’s nicht. Da liegt der Staub und die Erfahrung von Jahrzehnten drauf und wenn er singt I Had Troubles All My Life, dann nimmt man ihm das absolut ab. Dazu knarrzt und scheppert die Lead-Gitarre, als läge der Verstärker bereits in den letzten Zügen. Was auch möglich ist, aber - keine Sorge - er hält bis zum Ende des Albums.
Die Slide-Gitarre beim Blues-Klassiker See That My Grave Is Kept Clean wummert und vibriert wie tiefster Swamp-Blues und die Slide-Gitarre übernimmt Red natürlich selbst. Wie die Typen diesen Sound hingekriegt haben, ist mir schleierhaft, aber es klingt jedenfalls richtig klasse und fühlt sich wirklich wie inmitten einer Blues-Session vor einem halben Jahrhundert oder noch früher. Ob Bill Troiani oder Mookie Brill am Bass stehen - beide erinnern stark an den Paten des Blues-Basses: Willie Dixon.
Und natürlich - wenn man von Chicago Blues spricht - blickt auch Muddy Waters immer mal um die Ecke. So zum Beispiel in Yolanda, in dem Bob Comitorre eine tolle Bluesharp beisteuert und David Maxwell mit seinem Pianospiel weitere Farbe ins Spiel bringt.

Wer sich gern mehr bewegt und einem kleinen Tänzchen nicht abgeneigt ist, der bekommt mit dem herrlich groovenden Just Take Your Time den Stoff dafür. Es verblüfft fast, wie man einerseits schweren und beladenen Blues machen kann und dann wieder so eine locker-flockige Nummer hinstreuen kann. Lädt sofort zum Mitmachen ein.
Natürlich ähnelt sich manches und die Strukturen sind die seit einem guten Jahrhundert bewährten. Da braucht man nicht von Innovation zu sprechen (wie oft haben wir schon "woke up this morning, my baby was gone" gehört?), aber genau darin liegt ja die Klasse: In diesem, vergleichsweise eingeschränkten, Rahmen trotzdem noch eine gewisse Magie, ein gewisses Feuer zu entfachen, welches den Hörer immer noch anzieht und begeistert und ein ums andere Mal aufhorchen lässt und den Lautstärkeregler noch etwas weiter aufdrehen. Bis man sich tatsächlich als Teil dieses "Memphis Mojo" fühlt.
Die Internetseite von Louisiana Red öffnet sich mit "The Giant of the Blues", was ich für leicht übertrieben empfand, aber einer der "Giganten des Blues" ist er ganz sicher und dieses Album unterstreicht das doppelt.
Für besagte Blues-Fans auf jeden Fall ein Tipp und ein Anwärter auf mein persönliches "Classic-Blues-Album of the year".

Epi Schmidt, 13.08.2011

 

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