Rattleshake, Alligator Records, 2006
Lil' Ed Williams Guitar & Vocals
Michael Garrett Guitar & Background Vocals
James "Pookie" Young Bass & Background Vocals
Kelly Littleton Drums
Johnny Iguana Piano & Organ
Produziert von: Bruce Iglauer und Lil' Ed & The Blues Imperials Länge: 50 Min 35 Sek Medium: CD
1. Leaving Here8. Maybe Another Time
2. Tired Of Crying9. Spend Some Time With Me
3. Golden Rule10. Nobody's Fault But Mine
4. You Just Weren't There11. You Know You're Wrong
5. Icicles In My Meatloaf12. That's The Truth
6. Broken Promises13. It's A Beautiful World
7. Tramp On Your Street

Der "kleine" Ed hat inzwischen auch schon die 50 überschritten, von Müdigkeit ist ihm aber nix anzumerken. Seit dem Debüt, "Roughhousin'" (1986), haben LIL' ED & THE BLUES IMPERIALS mit "Rattleshake" nun das sechste Album für Alligator Records eingespielt und veröffentlicht. Dass es sich Alligator-Chef Bruce Iglauer nicht nehmen lies, das Teil selbst zu produzieren, sagt schon einiges aus. Wahrscheinlich wollte er ein ähnliches Hörerlebnis reproduzieren, wie damals, als er die Band in den Clubs von Chicago erstmals sah.
Wie sich das anhörte, weiß ich nicht, aber ich kann euch sagen, dass sich die Band immer noch absolut live anhört. Selbst im Studio - und die Vermutung, dass sie das Album überwiegend live im Studio eingespielt haben liegt sehr nahe. Das haben sie, weil sie es gar nicht anders kannten schon vor 20 Jahren so gemacht.

Energiegeladen geht es schon mit Leaving Here los. Ein kräftiger, Bo Diddley-mäßiger Backbeat und eine schneidend-raue Leadgitarre. Ebenfalls sehr rhythmusbetont geht es mit Tired Of Crying weiter, bei dem sich Gastpianist Johnny Iguana wohltuend einfügt. Das Solo übernimmt Lil' Ed aber lieber selbst. Etwas 60er Jahre R&B schimmert auch durch und man muss diese Band gar nicht sehen, um zu merken, welch großen Spaß sie beim spielen ihrer Musik haben.
Diese Musik ist naturgemäß im Chicago-Blues verwurzelt, hin und wieder, z.B. in Golden Rule, kommt auch mal etwas SRV-Texas-Blues hinzu, alles mit Drive gespielt und offensichtlich in jahrelangem Live-Spielen gereift. Immer darauf aus, den Zuhörer zu fesseln.
Da kann auch eine "ruhigere", soulige Nummer wie You Just Weren't There dabei sein, denn so offensiv wie Ed und seine BLUES IMPERIALS agieren, kommt auch da keine rechte Ruhe auf. Johnny Iguana unterlegt den Song sehr effektiv mit seiner Hammond-Orgel.
Beeinflusst wurde Lil' Ed maßgeblich von J.B. Hutto, der schon vor der Geburt des kleinen Ed Williams in den Clubs von Chicago spielte. Jener war wiederum von Elmore James beeinflusst und so verwundern solche fetzigen Slide-Nummern wie Icicles In My Meatloaf nicht, aber mitreißen tun sie! Wäre auch ein passender Song für das Liveprogramm von George Thorogood.
Den beiden genannten Bluesgrößen zollt Ed natürlich auch Tribut, in Form der Coverversionen You Know You're Wrong (Elmore James) und That's The Truth (J.B. Hutto). James' Boogie bewegt sich eher im Midtempo-Bereich, während Huttos Up-Beat Song schon ordentlich Gas gibt. Beides feine Anmacher.
Auch von Billy Joe Shaver hat Ed einen Titel im Programm. Naturgemäß klingt es bei der Ballade Tramp On Your Street denn auch mehr nach Country, was aber irgendwie doch richtig gut im Kontext diese Albums klingt.
Zu den Musikern, die noch im Zusammenhang mit Lil' Ed genannt werden sollten, gehört Hound Dog Taylor. Ganz so kompromisslos geht Ed zwar nicht zu Werke, aber von dessen adrenalingetriebener Live-Power hat er schon was. Selbst wenn es vermeintlich gezügelt-swingend wie in Spend Some Time Together anfängt - spätestens beim Solo wird eine Schaufel voll Dreck draufgeworfen.

Wenn die, mit einer kleinen Unterbrechung, seit 1975 aktive Band am Schluss verkündet It's A Beautiful World, geschieht das ebenfalls mit ordentlich Schwung. Erinnert mich hier stark an LOS LOBOS, wenn die sich dem zockigen R&B widmen.
"Rattleshake" trägt seinen Namen zu Recht, denn das Album kennt kaum eine ruhige Sekunde und vibriert so anregend, dass man öfter glaubt einem Live-Auftritt der Band beizuwohnen. Vielleicht ist ja so?

Epi Schmidt, 05.11.2006

 

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