Jason Ringenberg

Frankfurt, Sinkkasten, 20.02.2008

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 20.02.2008

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Frankfurt a. Main, Sinkkasten, 20.02.2008

Am 20.2.2008, einem Mittwoch, war es mal wieder so weit: Jason Ringenberg stattete, im Rahmen seiner Deutschlandtour, Frankfurt einen Besuch ab. Warum dieser Mann Rockgeschichte ist, bitte ich doch in der ausführlichen und fundierten "History" vom Kollegen Ruland nachzulesen: JASON AND THE SCORCHERS
Wie ich schon öfter erwähnte, gehören die Konzerte, bei dem ich ihn zusammen mit seinen SCORCHERS gesehen habe, zu meinen Allerliebsten. Auch das Solo-Konzert 2002, an gleicher Stelle, ist mir noch gut in Erinnerung. Die Vorzeichen an diesem Februarabend sind äußerst ähnlich: Keine Vorband, keine Begleitband, kein Mann am Merchandisingstand und sein Abendessen holt er sich selbst, zu Fuß irgendwo an der Frankfurter Zeil.
Die Besucherschar wird kaum größer gewesen sein, als beim letzten Mal, aber wie auch? Es sind andere Zeiten und die Solo- bzw. Farmer Jason - Alben von Herrn Ringenberg verkaufen sich hierzulande wohl er spärlich.
Dem Jason ist darüber keine Wehmut anzumerken als er - nachdem uns einige alte Bluesaufnahmen aus der PA das richtige Rootsfeeling verschafft haben - auf die Bühne stapft und sich die Akustische umhängt. Er ist jetzt auch schon einige Jahre "im Geschäft" aber eine jungenhafte Ausstrahlung hat er sich bewahrt im Halbdunkel sieht er kaum anders aus als vor etlichen Jahren. Die Gitarre hängt in Hüfthöhe - gewehrgleich - an Hemd und Hose glitzert es und ringsum macht sich gute Laune breit. Das Repertoire gleicht einem Greatest Hits - Programm mit zusätzlichen Schmankerln. Und wieder zeigt sich, dass gute Songs auch "nur" mit einer akustischen Gitarre gespielt funktionieren. Die herrliche Country-Ballade Camille (für seine Tochter) sowieso, aber auch alte SCORCHERS-Rocker wie White Lies und Last Time Around. Natürlich vergisst Jason nicht, auf seine Farmer Jason CDs zu verweisen und das Guitar Pickin' Chicken daraus bringt er sehr überzeugend.

Jason Ringenberg Jason Ringenberg

Recht bald mach ich mir Sorgen um seine Stimme, die doch stellenweise bedenklich kratzt. Aber irgendwie kriegt er doch immer die Kurve und meistert den kompletten Auftritt. Eine Setlist gibt's auch heute nicht und neben ein paar eigenen Favoriten, spielt Jason überwiegend das, was ihm die Leute zurufen. Lange Instrumentalteile oder vergessen Textteile umschifft er bravourös. Broken Whiskey Glas muss natürlich eben so sein, wie Bible And A Gun - hier in der Version, wie er sie mit Steve Earle auf dem "All Over Creation" Album gespielt hat.
Under Your Command, vom Soloalbum "A Pocketful Of Soul", kommt mir schon fast wie eine Hitsingle vor und das von mir, kurz vor dem Auftritt, erbetene Ball And Chain war ja fast mal so was. Kommt übrigens richtig geil!
Somewhere Within (von "A Blazing Grace") hab ich schon ewig nicht mehr gehört und fast vergessen, welch großartig-melancholische Ballade das ist. Die Young-mäßige Mundharmonika passt das bestens dazu.
Von seinem "Empire Builders" Album stammt der Merle Haggard Song Rainbow Stew. Auch zu finden auf seinem aktuelles Best-Of Album. Knurrig, kratzig, witzig - einfach ein richtiger Gute-Laune-Song.
Für eine kurze Pause verlässt Jason die Bühne und wir haben - in Ermangelung eines 'Rainbow Stew' - Zeit ein neues Bier zu holen, bzw. gibt den Rauchern die Gelegenheit, sich auf den Balkon für eine Zigarette zu drängeln.

Jason Ringenberg Jason Ringenberg

Nach der Pause wird nicht lange gefackelt und mit Dylans Absolutely Sweet Marie gleich ordentlich losgefetzt. Kann natürlich mit der "elektrischen" Fassung der SCORCHERS nicht mithalten, aber Jason bringt das trotzdem richtig gut. Bei all seinem Herumgehoppse wird das Gitarrenkabel schon mal in Mitleidenschaft gezogen und versagt kurzzeitig seinen Dienst.
Jason bleibt trotzdem immer locker, macht ein paar Witzchen zwischendurch, erzählt ein paar Geschichten und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass Barack Obama der nächste Präsident der USA wird. Für die alte Administration hat er auch einen Song im Gepäck: New-Fashion Imperialist. Praktisch zu jedem Song steppt, hopst, kreiselt Jason über die Bühne und lediglich bei ruhigeren Nummern, wie dem wundervollen Harvest Moon, wird's etwas besinnlicher.
Die Absätze seiner Stiefel werden dafür wieder bei Abgehnummern a la Lost Highway aufs härteste in Anspruch genommen. Beim Packen für diese Tour hatte er seine Stiefel - wie er mitteilt - vergessen und musste somit sein erstes Konzert seit 30 Jahren in seinen normalen Straßenschuhen spielen. Für ihn ein offensichtlich eine furchtbare Pein. Denn bei Self Sabotage ist der ganze Mann gefordert und zwar mit Stiefel! (Die wurden ihm zum Glück nachgesandt)
An den großen Häuptling der Nez Perce erinnert er - ausnahmsweise recht ernst - mit Chief Joseph's Last Dream. Mit Blanket Sorrow nochmals zum Cow-Punk früherer Tage und bei seinem Farmer Jason - Song The Tractor Goes Chug Chug Chug bringt er das Publikum dazu, laut den Namen des Traktors zu rufen: (John) "Deer!!!"
Der Mann ist für mich einer der wenigen echten Performer und Entertainer und ich könnte ihm noch Stunden zuhören, ihm Lieder zurufen und einfach genießen. Aber auch dieser Abend geht zu Ende und wie könnte ein "Cow-Punker" besser aufhören als mit einem alten Song von Hank Williams, I Saw The Light und einem Song von den RAMONES: I Wanna Be Sedated.
Ich würde Jason Ringenberg wirklich gerne wieder mal mit Band sehen, aber wenn nicht, dann komm ich - zumal bei dieser Leistung - auch wieder zu seinem nächsten Solo-Abend.

Epi Schmidt, 20.02.2008

 

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