Living Colour

Berlin, ColumbiaFritz, 08.10.2003

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 08.10.2003

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Berlin, ColumbiaFritz, 08.10.2003

Mit Spannung erwartet wurde die Rückkehr der Begründer des Black Rock und Wegbereiter des Crossover und damit von Bands, die inzwischen selbst zur Legende geworden sind wie z.B. RAGE AGAINST THE MACHINE, 24-7 SPYZ oder auch LIMP BIZKIT. Ok, niemand käme auf die Idee, die Truppe um Oberschwachmat Fred Durst ernsthaft mit den Mannen um Corey Glover zu vergleichen, aber LIVING COLOUR haben als erste für eine breite Masse zugänglich, das Beste der Black Musik mit dem angeblich nur von "Weißen" spielbaren hartem Rock vereint und damit den Nährboden für vieles geschaffen, was heutzutage in stark kommerzialisierter Form die Charts beherrscht.

Zunächst will sich das ColumbiaFritz jedoch noch nicht so richtig füllen, zum einen ist mit SEEED eine starke und zudem lokale Konkurrenz in der benachbarten Columbiahalle am Start und zum anderen herrscht angesichts der momentanen Reunion-Welle vielleicht auch eine gewisse Skepsis. Mit der Zeit wurde es jedoch noch voller, so dass letztlich einer gelungenen Party nichts im Wege stand.
Zum Glück, wie ich finde, hatte man auch keine Vorgruppe dabei (oft nur ein laues Zugeständnis an Label oder gar Veranstaltungsort, das niemand wirklich hören will), so daß es gegen 21.00 Uhr gleich ziemlich fulminant mit Funny vibe losging.
Nach einer kurzen Aufheizphase für Band und Publikum mit den altbewährten Stücken Ausländer und Ignorance is bliss, bei denen schnell klar wurde, das die Jungs nichts von ihrer Klasse eingebüßt hatten, kam man dann recht schnell und auch ausführlich zu den Songs des neuen Albums "Colleideoscope". Schon Song without sin und A ? of when konnten live schon sehr kongenial umgesetzt werden.
Corey Glover, der sowohl Power als auch Soul in seiner Stimme vereint, lief des öfteren auf der Bühne hin und her, wie ein Tiger im Käfig und war ständig auf Starkstrom, Doug Wimbish war für die Rockposen zuständig, während der (immer noch) geniale Gitarrist Vernon Reid zunächst den Stoiker auf der Bühne abgab.

Bei Operation mindcontrol war die Liveversion gegenüber dem Studio um Längen besser, da mir der dortige Ultra-Garagensound weder gefallen noch eingeleuchtet hat. Live kommt es richtig schön druckvoll und dem Thema Überwachungsstaat entsprechend angemessen aggressiv rüber.
Dann war wieder Zeit für einen echten Klassiker: Time's up, diese grandiose Mischung aus überdrehtem Thrash und tonnenschwerem, bluesigem Funk brachte den Saal endgültig zum Kochen.
Mit Memories can't wait vom Platin-Album "Vivid" hielt man die Flamme geschickt am Brennen, um dann mit Flying vom aktuellen Album eine Ballade einstreuen zu können. Auch dieser traurige Song über die Vergänglichkeit des (glücklichen) Moments gewann in der Livefassung an Intensität und Ausstrahlung. Reid konnte darüberhinaus mit einem spektakulären Solo glänzen.
Ganz hervorragend zur Geltung kommt live auch das aktuelle Sacred ground, das mit seiner schieren Energie und Eingängigkeit das Zeug hat zum absoluten zukünftigen LIVING-COLOUR-Klassiker zu werden.

Nach einem hockexplosiven Information overload war die triumphale Rückkehr von LIVING COLOUR endgültig beschlossene Sache.
Eine einzige kleine Enttäuschung (zumindest für mich) war, das von Love rears up its ugly head lediglich die kurze Version gepielt wurde, dabei schreit dieser bis auf die Knochen reduzierte bluesige Funk-Knaller geradezu nach einem ausgedehnten Vernon Reid-Solo. Dafür gab es dann u.a. noch Middle man und Pig sowie einen ganz besonders ausgelassen aus sich herausgehenden Vernon Reid bei Elvis is dead.

Die vom begeisterten Auditorium geforderte Zugabe beinhaltete dann noch das Hendrix-Cover Crosstown traffic, natürlich den Song, den man damals als Initialzündung für LIVING COLOUR bezeichnen durfte, nämlich Cult of personality und schließlich ein bißchen Reggae mit The solace of you, wozu man sich noch Abdourahmane Diop, einen in Berlin ansässigen afrikanischen Musiker, der mit Will Calhoun u.a. schon bei Jean-Poul Bourelly zusammengearbeitet hat, als Gastvokalisten mit auf die Bühne nahm.
So klang ein grandioses Konzert mit immerhin knapp zweieinhalb Stunden Spieldauer in ausgelassener Jam-Stimmung aus.

Ohne Zweifel: LIVING COLOUR sind zurück und haben als Musiker noch einiges zu sagen. Wollen wir hoffen, daß es nicht nur eine kurze Reunion war, in Berlin jedenfalls schien das bandinterne Gefüge intakt und die Lust der einzelnen Musiker, als LIVING COLOUR gemeinsam auf der Bühne zu stehen, war für alle deutlich spürbar.

Ralf Stierlen, 12.10.2003

 

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