Wilson Phillips

California

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 31.08.2004
Jahr: 2004

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Wilson Phillips
California, Sony Music, 2004
Carnie Wilson Vocals
Wendy Wilson Vocals
Chynna Phillips Vocals
Dean Parks Guitars
David Rolfe Acoustic & Electric Guitars, Fuzz Bass, Programming
Larry Klein Bass
Russ Kunkel Drums
Roger Manning Mellotron, Piano
Jon Gilutin Hammond B3
Dan Dugmore Pedal Steel
Rob Bonfiglio Electric & Acoustic Guitar
Lee Sklar Bass
Produziert von: Peter Asher Länge: 39 Min 11 Sek Medium: CD
1. You're No Good7. Monday Monday
2. Old Man8. Get Together
3. California9. Doctor My Eyes
4. Already Gone10. Dance Dance Dance
5. Go Your Own Way11. In My Room
6. Turn! Turn! Turn! (to everything there is a season)

Es passiert mir doch schon wieder! Immer wieder kriegen sie mich mit ihrem Aussehen, mit ihren Blicken, mit den verlockenden (zugegeben interpretierbaren) Tönen die zwischen ihren Lippen hervorströmen...
Und selbst wenn sie mir ein You're no good an den Kopf schmeißen, versteh' ich das als Aufforderung. Es ist halt so: Ich mag Frauen.

Und wenn es sich dann noch um die Töchter von Beach Boy Brian Wilson, bzw. Papa John Phillips handelt, bin ich geneigt vorbehaltlos alles zu akzeptieren.
Eigentlich gehen sie mir nämlich auf die Nerven, diese permanenten Veröffentlichungen mit aufgebrezeltem alten Material. Nur weil den Künstlern selbst nix neues einfällt, oder, fast noch wahrscheinlicher, die Plattenfirmen ihre eingegrabenen Pfade am liebsten mit Bewährtem schmieren.
Anyway, als Nachkommen von Künstlern die den California-Sound entscheidend mitbestimmt haben, diesen quasi mit der vielzitierten Muttermilch aufgesogen haben, darf man auch mal ein Album "California" nennen und die entsprechenden Songs einspielen.

Besagtes You're No Good, welches bei Linda Ronstadt eher bedrohlich-düster beginnt, bekommt hier gleich einen modernen Drum-Beat verpasst, an den man sich aber bald gewöhnt und der von den Stimmen eh in den Hintergrund gedrängt wird. Mit dem Original kann sich diese Version nicht messen, da nützen auch die Samples mit Auszügen der Originalvorlage nicht viel (außerdem fehlt das Gitarrensolo!), aber die Stimmen sind natürlich klasse und interessant gemacht ist auf alle Fälle.
Der Einstieg des String Quartets zu Old Man erinnert mich etwas an Cello von Udo Lindenberg, was sich mit dem einsetzenden Gesang von Carnie Wilson gleich relativiert. Eine Pedal-Steel heult auf und bereitet den Weg für Neil Young's Klassiker, dem hier die akustischen Country-Wings etwas gestutzt werden und dafür langt eine E-Gitarre im Refrain schon mal etwas gröber hin und alles kommt etwas flotter. Fadet etwas lahm aus, aber ansonsten tut dem Song der Gesang der drei Sirenen schon gut.
Joni Mitchell's California ist entspannt wie gewohnt und klingt einigermaßen "puristisch", soweit das bei so einer Produktion halt möglich ist.

Jetzt hätte sich wahrscheinlich das Hotel California angeboten. Glücklicherweise haben sich die Mädels für Already Gone entschieden, so dass gleich wieder Schwung in die Bude kommt. Da darf dann auch mal eine verzerrte E-Gitarre, sowohl im prägnanten Intro als auch im Solo, aufmucken und auch wenn mir bei so viel weiblicher Stimmensüße hin und wieder ein bisschen (männlicher) Bass fehlt, geht das doch gut ab.
Das erwartete ich auch von LEETWOOD MACs Go Your Own Way, welches ja schon manchen "Gerüchten" die Sporen gegeben hat. Prompt drehen WILSON PHILLIPS den Spies um und machen eine verschleppte, verträumte Ballade daraus, auf die die BANGLES sicher neidisch sein werden. Reißt mich jetzt nicht so vom Hocker, dazu gefällt mir das Original zu gut. Für die aktuelle MTV-Generation könnte es aber interessant sein.
Der BYRDS Turn! Turn! Turn! Megahit erfährt ebenfalls eine Modernisierung, mit Hip-Hop-Groove und nur im Refrain deutlicher hervortretenden Akustikgitarren. Das klingt schlimmer als es ist, denn das Original ist von Oldie-Radiosendern ja schon zu Tode gedudelt worden.

Dann geht's ans Erbe: Monday Monday wird natürlich von Chynna Phillips gesungen. Den charakteristischen Gesang zu Beginn ersetzen ein paar E-Gitarren mit wuchtigen Akkorden und Chynna bemüht sich etwas Aggressivität in ihren Gesang zu bringen. Auch hier bleibt das ausgetüftelte Vocal-Arrangement der Vorlage unerreicht, der deutlich höhere "Power-Anteil" sorgt allerdings für neuen Spaß mit diesem Hit.
Let's Get Together hieß das noch bei dem KINGSTON TRIO (LP "Back In Town", 1964), bzw. bei JEFFERSON AIRPLANE auf deren 66er Debüt. Jetzt heißt es gekürzt Get Together und der Beginn erinnert etwas an Long Cool Woman, nur halt langsamer und in eine Midtempo-Ballade mündent.
Eine weitere gute Wahl beschert uns Jackson Browne's Doctor My Eyes das als "rockigster" Song dieses Albums durchgeht. Ja, das hat sowohl Drive als auch erdigen Sound und dann kommt noch das fetzige Gitarrensolo... naja, träumen darf man ja.

Die BEACH BOYS dürfen auch nicht fehlen und bei Dance Dance Dance dürfte richtig Party im Studio angesagt gewesen sein. Zumindest klingt der Gesang reichlich enthusiastisch und die zusätzliche Unterstützung des Studio Chores (in dem sich auch "Mama" Michelle Phillips befindet!) belebt den Song spürbar. Gitarrensolo und Tonartverschiebung - alles ist vorhanden und somit bereit für die Strandparty.
Für In My Room setzt sich Daddy Brian Wilson selbst hinters Piano und wenn er seinen Gesang, solo oder zu den Stimmen der Girls, beisteuert, laufen einem die Schauer über den Rücken. Hörbar älter aber immer noch bei genialer Stimme der Mann.
Wenn man dem Player seinen Lauf lässt, wird man mit einer nicht vermerkten akustischen Version von Already Gone ebenso überrascht wie belohnt. Da fällt mir jetzt die Entscheidung direkt schwer welche Version mir besser gefällt.

Nach über zehn Jahren ein neues Album von WILSON PHILLIPS und nach anfänglicher Skepsis gefällt mir die Scheibe doch gut, zumal sie dem lahmenden Sommer etwas kalifornisches Flair eingehaucht hat.
Außerdem: Schaut euch das Cover an. Wer kann da schon widerstehen?
[Niemand, seufz. Aber wir wollen doch künftig dieses peinliche Outing-Getue lassen, Herr Kollege. Wir sind Rockers, stehen auf laute Gitarren, Sprit, Speed und Großwildjagd. Mit Mädels haben wir nichts am Hut. Hugh, der Redaktions-Münchhausen hat gesprochen]

Epi Schmidt, 31.08.2004

 

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