Vision Divine Best Of, earMusic, 2017 |
Fabio Lione | Gesang | |||
Olaf Thorsen | Gitarre | |||
Federico Puleri | Gitarre | |||
Andrea "Tower" Torricini | Bass | |||
Alessio Lucatti | Keyboards | |||
Alessandro Bissa | Schlagzeug | |||
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01. New Eden | 08. God Is Dead | |||
02. Vision Divine | 09. The 25th Hour | |||
03. Send Me An Angel | 10. Voices | |||
04. Taste Of A Goodbye | 11. Mermaids From Their Moons | |||
05. The Fallen Feather | 12. Destination Set To Nowhere | |||
06. La Vita Fugge | 13. Gutter Ballet (Bonus Track) | |||
07. The Perfect Machine | ||||
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Die Italiener VISION DIVINE wurden im Jahr 1998 eigentlich als Solo-Projekt von Gitarrist Olaf Thorsen (der lange auch bei LABYRINTH aktiv war) gegründet, der als Carloandrea Magnani geboren wurde. Aber spätestens mit dem Einstieg von Sänger Fabio Lione, den Thorsen ja von LABYRINTHs Debüt kannte und der ja auch bei RHAPSODY OF FIRE (früher einfach nur RHAPSODY) den Frontmann-Posten innehat, wurde aus dem Projekt eine richtige Band, die bisher sieben Studio-Alben veröffentlich hat – das jüngste davon, “Destination Set To Nowhere“ stammt allerdings auch schon aus dem Jahre 2012.
Das Sextett gehört in die Kategorie der Bands, die trotz guter Alben-Veröffentlichungen leider nie die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie eigentlich verdient hätten. Denn die Band, die musikalisch an der Schnittstelle zwischen Symphonic und technisch versierten Power Metal agiert, sollte sowohl Fans von STRATOVARIUS als auch KAMELOT ansprechen. VISION DIVINE sind zudem eine ganz klare Empfehlung für all diejenigen, denen zum Beispiel der Sound von RHAPSODY OF FIRE etc. zu klebrig und kitschig vorkommt. Denn im Gegensatz dazu verzichten Thorsen & Co. auf allzu süßliche Melodien und Sounds. In ihren Kompositionen trifft ein Gespür für eingängige Melodien auf eine ausgesprochen hohe Spielkunst, die aber nie um ihrer selbst willen eingesetzt wird. Nun unternimmt das Platten-Label mit einer “Best Of“-Zusammenstellung den Versuch, die Italiener in die Wahrnehmung einer breiteren Öffentlichkeit zu rücken.
Und diese Zusammenstellung sollten sich Fans der oben angesprochenen Bands (und vielleicht auch der eine oder andere Anhänger einer Band wie etwa SYMPHONY X) mal genauer anhören, denn das Material auf diesem Album genügt nun wirklich den höchsten Ansprüchen, sowohl kompositorisch als auch spieltechnisch. Das Einzige, was man den Musikern vorwerfen könnte ist vielleicht, dass sie kein „Alleinstellungsmerkmal“ in ihrem Sound vorzuweisen haben. Es gibt nichts Distinktives im Klangbild, woran der Hörer sofort merkt: das sind jetzt VISION DIVINE. Nun gut, aber nicht jeder kann ein Visionär sein, aber es schafft eben auch nicht jeder, gute Songs zu schreiben – auch das ist eine Kunst.
Eine Kunst, die Thorsen wahrlich beherrscht. Die zwölf Eigenkompositionen – sowie das recht gelungene Cover des SAVATAGE-Klassikers Gutter Ballet (gut gespielt, mäßig überzeugend gesungen) - repräsentieren wirklich die Creme des bisherigen Schaffens und geben einen wirklich guten Überblick über das, was Thorsen und seine Band-Kollegen bisher so geboten haben. Dabei sind VISION DIVINE streng paritätisch vorgegangen und haben von jedem der bisherigen Alben (bis auf das eher mittelprächtige "9 Degrees West Of The Moon", das unberücksichtigt bleibt) jeweils zwei Titel auf diese Zusammenstellung gepackt – und dies aus meiner Sicht in der einzig logischen Art und Weise, nämlich chronologisch. So kann man auch die musikalische Entwicklung, die die Band durchlaufen hat logisch nachvollziehen. Dabei haben sie alles im Angebot, was sich Metal-Fans wünschen: von den Hochgeschwindigkeits-Nummern wie dem Opener New Eden oder Send Me An Angel, eher groovigen Songs der Marke Vision Divine bis hin zu melodiösen Highlights à la Taste Of Goodbye und Voices ist wirklich alles dabei.
Solche “Best Of“-Kollektionen sind für Anhänger der Band selten wirklich interessant, denn sie bieten kaum etwas Neues – in diesem Fall eben nur die Cover-Version von Gutter Ballet, aber für all diejenigen, die sich zum ersten Mal mit einer Band beschäftigen sind sie eine gute Gelegenheit, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Das gilt natürlich auch im Falle von VISION DIVINE. Diese Zusammenstellung zeigt einen guten Überblick über die bisherigen Veröffentlichungen und macht sicher dem einen oder anderen Lust darauf, sich die weiteren Scheiben der Band zuzulegen. Für die Fans ist ein einziger Song einfach zu wenig, zumal wenn er gar nicht von der Band selbst stammt.