UFO

Lights Out/Obsession/Strangers In The Night (Remastered)

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 17.01.2009
Jahr: 2009

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Remastered (Lights Out/Obsession/Strangers In The Night), Chrysalis, 2008 (1977, 1978, 1979)
Phil MoggVocals
Michael SchenkerGuitar
Paul RaymondKeyboards and Guitars
Pete WayBass
Andy ParkerDrums
Produziert von: Ron Nevison Medium: CD
Lights Out:58 Min 25 Sek
01. Too Hot To Handle08. Love To Love
02. Just Another SuicideBonus Tracks:
03. Try Me09. Lights Out
04. Lights Out10. Gettin' Ready
05. Gettin' Ready11. Love To Love
06. Alone Again Or12. Try Me
07. Electric Phase
Obsession:48 Miin 34 Sek
01. Only You Can Rock Me09. Looking Out For No. 1 (Reprise)
02. Pack it Ip10. One More For The Rodeo
03. Arbory Hill11. Born To Lose
04. Ain't No BabyBonus Tracks:
05. Looking Out For No. 112. Hot'n'Ready (live 17.10.78)
06. Hot'n'Ready13. Pack It Up (And Go) (live 17.10.78)
07. Cherry14. Ain't No Baby (live 14.10.78)
08. You Don't Fool Me
Strangers In The Night:76 Min 58 Sek
01. Hot'n'Ready10. Doctor Doctor
02. Cherry11. I'm A Loser
03. Let It Roll12. Lights Out
04. Love To Love13. Rock Bottom
05. Natural Thing14. Too Hot To Handle
06. Out In The Street15. Shoot Shoot
07. Only You Can Rock MeBonus Tracks:
08. Mother Mary16. Hot'n'Ready (live 15.10.78)
09. This Kid's17. Cherry (live 16.10.78)

Wie schon im Review zu den letzten drei remasterten UFO-Scheiben erwähnt, haben jene Drei - "Phenomenon", "Force It" und "No Heavy Petting" - den Ruf der Band zementiert. Endgültig versiegelt wurde er mit den drei nachfolgenden Alben.
Denn jetzt wurde UFO erst zu der britischen Hardrock-Institution. Die Songs dafür hatten sie zum Teil schon vorgelegt und eigentlich hatte ihnen TEN YEARS AFTER-Bassist Leo Lyons auch einen druckvollen Sound gezimmert. Und doch schien noch etwas zu fehlen. Vor allem live. Denn da hätte man gerne, mittels eines zweiten Gitarristen, etwas mehr Druck entwickelt. Die Lösung entwickelte sich insofern, dass bei SAVOY BROWN nicht mehr viel los war und Keyboarder/Gitarrist Paul Raymond relativ einfach abgeworben werden konnte. Nachdem, angesichts der bisherigen Erfolge, auch bei der Plattenfirma Chrysalis das Geld etwas locker saß, wurde auch ein neuer (professioneller) Produzent gesucht und gefunden. Der Amerikaner Ron Nevison hatte schon für BAD COMPANY, THE WHO und LED ZEPPELIN gearbeitet und war letztlich von Michael Schenkers melodiösem Gitarrenspiel so fasziniert, dass er fast umgehend zusagte.
Zwar immer wieder von Phil Moggs "in letzter Minute Texte" genervt, wurde so doch die Basis für drei weitere Meilensteine gelegt.
Und was für Hämmer! Mit Too Hot To Handle legt "Lights Out" gleich mit einem UFO- und Hard Rock-Klassiker los. Ein paar Power-Riffs, Moggs prägnanter Gesang und eine "don't bore us, get to the chorus" Attitüde reißen den Hörer umgehen mit und zaubern Konzertatmosphäre. Welcher Rock-Act hätte sich getraut, Worte wie "Sha-la-la-la" in einem Song unterzubringen? Bei UFO kommt keine Spur von Peinlichkeit auf.
Bei Just Another Suicide ist der Beitrag des Neuen bereits deutlich hörbar, obwohl Paul Raymond auf diesem Re-Issue erstmals die ihm zustehenden Credits gegönnt werden. Sehr schwungvoll, fast etwas poppig, aber durch Pete Ways treibenden Bass und Schenkers Solo bei der Hard Rock-Stange gehalten. Aus heutiger Sicht, leicht befremdlich die Streicher, die noch bei drei weiteren Songs auftauchen sollten, aber es funktioniert interessanterweise doch.
Die Ballade Try Me leitet Raymond mit einem jener getragenen Pianothemen ein, die man so lieb gewinnen sollte. Erst spät steigt Schenker mit seinen unnachahmlichen Soli ein und führt den Song zum Gipfel. Der Abstieg ins Tal folgt dann fast etwas abrupt.
Dort gibt's aber dafür die volle Après Ski - Dröhnung in Form von Lights Out! Dieser Parforce-Ritt geht sofort in Blut und Beine und von dieser wilden Mustangherde angetrieben, gibt auch Michael Schenker richtig geil Gas! Das Solo musste am Schluss ausgeblendet werden, den Michael war wahrscheinlich immer noch am Dudeln, als die Lichter am nächsten Tag in London wieder angingen ...

Ein weiterer Ohrwurm gelang der Band mit der Midtempo-Nummer Gettin' Ready. Hauptverantwortlich dafür, ist Phil Moggs tolle Gesangsmelodie und ein ums andere Mal, hat man das Gefühl, als flüstere er, zu gegebener Zeit, seinem Leadgitarristen ins Ohr: "Go, Michael", und dann zog jener vom Leder, respektive den Saiten, wie Wenige zum damaligen Zeitpunkt.
Der Beginn von Alone Again Or erinnert kurz an THE WHO, bevor es plötzlich in eine Art Ethno-Folk-Rock mündet. Akustische und Bläser bestimmen das Geschehen und tatsächlich handelt es sich um eine Coverversion, die im Original von den Psychedelic-Folk-Rockern LOVE stammt.
Das stampfende Electric Phase wiederum, könnte manchen JUDAS PRIEST-Song beeinflusst haben.
Wer glaubt(e), das Pulver wäre für diese Platte verschossen, der wurde und wird mit Love To Love nochmals schwermetallisch in die Spur zurück geworfen. Raymonds hypnotisches Keyboardspiel legt den Grundstock und darüber weben die anderen einen unwiderstehlichen - manchmal fast orientalischen - Teppich, über die Mogg sein "misty green and blue" breitet. Schlichtweg genial!
Deutlich roher geht's bei den vier Live-Bonus-Tracks aus dem Roundhouse in London, 1976, zu. Offensichtlich war Raymond noch nicht so eingearbeitet. Jedenfalls wird's bei den Soli manchmal etwas "dünner", aber Pete Ways pumpender Bass macht nach hinten hin ziemlich dicht.
Auch Love To Love muss auf ein paar Feinheiten verzichten, was dem Publikum kaum gefehlt haben dürfte. Am besten hört man sich diese Live-Stücke getrennt vom restlichen Album an, sonst kommen sie einem etwas spartanisch vor.

Der Erfolg von "Lights Out" hatte nicht nur Sonnenseiten, sondern brachte Probleme mit sich. Michael Schenker, immer noch ein Außenseiter in der Band, konnte dem Druck von immer mehr Konzerten und Erwartungen nicht standhalten und verlies die Band mitten in einer USA-Tour. Paul Chapman, der vor Jahren bereits als Rhythmusgitarrist mit UFO auf der Bühne stand, sprang ein und rettete die Tour.
Pete Way war es, der es schaffte, Michael zur Rückkehr zu bewegen. Inzwischen war sogar ein Eddie Van Halen mal als potenzieller Ersatz im Gespräch. Wäre ja vielleicht ganz reizvoll gewesen, aber wahrscheinlich hätte es sich ungefähr so angehört, wie heutzutage mit Vinnie Moore.
Nachdem Schenker klargestellt hatte, dass das kommende, sein letztes UFO-Album werden würde, wollte die Band das maximale aus sich heraus holen und für genug Fans ist "Obsession" das beste Werk der Band. Mit einem der zielsichersten Intros der Rockmusik überhaupt, lässt Only You Can Rock Me daran auch, schon zu Beginn, wenig Zweifel aufkommen. Schenker und Raymond bilden hier ein perfekt-dynamisches Duo, welches den Song permanent pusht.
Den mächtigen Schlagzeugsound der Platte hat Ron Nevison, behauptet Schenker später nicht zu Unrecht, an John Bonham angelehnt. Der Titel Pack It Up (And Go) könnte wiederum an Michael Schenker angelehnt sein. Der aggressive, von wilden Soli geprägte Song erinnert mich auch an einiges, was später bei MSG auf Tonträger gepresst wurde.
Doch selbst in diesen hart rockenden Zeiten, brachten ein kleines, folkloristisches, Zitat in Form des kurzen Instrumentals Arbory Hill. Vielleicht auch eine Folge der Ausflüge in den berüchtigten Laurel Canyon. Man nahm diesmal in LA auf. Die Flöte wurde übrigens von Michael Schenker gespielt!
Ain't No Baby sorgte wieder für mehr erdige Schwere. Auch hier höre ich Einflüsse, die später bei JUDAS PRIEST und sogar bei MÖTLEY CRÜE auftauchten. Der lyrische Mittelteil natürlich nicht, aber hört euch mal S.O.S. (Save Our Souls) von Letzteren an.
Einem 'down-to-the-bone' Rocker, wie Pete Way, waren die schwülstigen Streicher in Looking Out For No. 1 ein Gräuel, aber andere, wie Phil Mogg, fanden diese "Erweiterung" durchaus interessant. So oder so, ein typischer UFO-Rocker wie Hot'n'Ready, mit einem Schenker in Glanzform, wird jedem besser gefallen und der eher außergewöhnliche Backgroundgesang sorgt für weiteren Schub. Da fängt man bald an, mitzuwippen.

Cherry und You Don't Fool Me fehlen vielleicht nur die Mitsingrefrains, ansonsten sind es feine Rocker, die einiges an Energie freisetzen.
Sowohl Gitarren als auch das Piano in dem instrumentalen Looking Out For No. 1 (Reprise) klingen stark nach QUEEN, während man mit One More For The Rodeo wieder einen typischen UFO-Stampfer kreierte, in dem Schenker vor Solo-Linien geradezu überschäumte.
Programmatischer als das finale Born To Lose - mit passendem, bittersüßen, Unterton, hätte man das Album kaum beenden können, denn war hier alles bereitet für den Superstarstatus. Die drei, sehr gut klingenden und rockenden, Bonus-Live-Tracks liefern hier schon einmal einen Vorgeschmack, denn glücklicherweise konnte ja noch ein Live-Album nachgeschoben werden.
Und was für eines!
Es gibt nur wenige Alben, die ich mir, obwohl ich sie als Vinylausgabe besitze, nochmal als CD gekauft habe. Hauptsächlich, weil ich sie auch hören wollte, wenn mein Plattenspieler, aus diesem oder jenem Grund, mal nicht verfügbar war. "Amorica", von den BLACK CROWES ist eine davon und auch "Heartbreak Station", von CINDERELLA. Und "Strangers In The Night", von UFO!
Unzweifelhaft eines der großartigsten Live-Alben aller Zeiten. Und das meine ich ganz im Ernst. Es sind in den 70ern jede Menge, und auch fantastische, Live-Mitschnitte entstanden. Man denke nur an RAINBOWs "On Stage", PURPLEs div. "Made In ." Scheiben, PRIESTs "Unleashed In The East" - der man noch mehr "Nachbearbeitung" nachsagt wie THIN LIZZYs "Live And Dangerous" - und die Liste ließe sich noch um etliche Alben verlängern. QUOs "Live!" nicht zu vergessen. Aber, mal ehrlich: Wie viele von diesen Scheiben kann man sich heutzutage noch in ihrer vollen Länge anhören und wir ähnlich mitgerissen, wie vor 20 oder 30 Jahren? Viele sind es nicht, aber "Strangers In The Night" gehört, nach meiner Meinung, dazu. Jetzt stellt sich allerdings ein kleines "Problem", denn die lieb gewonnene und seit Urzeiten im Kopf abgespeicherte Reihenfolge der Songs wurde für dieses Remastered Veröffentlichung geändert, bzw. richtig gestellt. Die damaligen Doppel-LP Pressungen ließen nämlich nur vier Songs pro Seite zu und die mussten spielzeitmäßig aufeinander abgestimmt werden. Da wird einem plötzlich einiges klar! Doctor Doctor wäre doch niemals bereits als vierter Song verbraten worden! Der Freude hat das beim damaligen Hören natürlich keinen Abbruch getan, aber jetzt gibt's erstmals die richtige Reihenfolge der damaligen Konzerte und zwei zusätzliche Songs, die nicht auf die Vinylausgabe passten obendrein.
Das Intro, "Hello Chicago ..." bleibt erhalten, nicht zuletzt, weil Produzent Nevison sowieso den kompletten Publikumslärm von Chicago, mit 15.000 Besuchern der größten Show, verwendete. Ungewohnt geht's mit Hot'n'Ready los, aber mit so viel Power und Adrenalin, dass man auch hiervon umgehend angemacht und mitgerissen wird. Da verfehlt auch das, ebenfalls "neue", Cherry seine Wirkung nicht. Hat live und in seinem Aufbau Ähnlichkeiten zu QUEENs Now I'm Here und ist bestens geeignet, die Stimmung weiter zu steigern.

Mit Let It Roll biegen wir dann in bekannte Gewässer ein. Auf der Originalausgabe als vorletzter Song vertreten, macht die Nummer, finde ich, an dieser Position weit mehr Sinn. Die Freude am punktgenauen Zusammenspiel von Schenker und Raymond ist die Gleiche. Nicht nur hier ist eine gewisse Verwandtschaft zu WISHBONE ASH
zu hören. Eigentlich muss ich auf die weiteren Songs nicht mehr eingehen. Das wäre fast so, als wollte man jemand "Made In Japan" nochmal "erklären". IRON MAIDENs Steve Harris kürt in den Liner-Notes diese Scheibe zu einem seiner liebsten Alben und Love To Love zu seinem Lieblingssong darauf. Kann man nachvollziehen, denn seine Wirkung verpasst die Nummer auch 30 Jahre später nicht. Die Wirkung von Doctor Doctor nutzen MAIDEN seit Jahren, um die Fans, unmittelbar vor ihren Konzerten, auf Temperatur zu bringen.
Zu Hause schafft man das mit praktisch jedem Song hier. Selbst mit den nachträglich aufgenommenen, auf dieser Tour gar nicht gespielten, Mother Mary und This Kid's. Das gehört aber, laut Nevison, zu den ganz wenigen Tricks, die bei der Produktion zum Einsatz kamen. Der Produzent lies nicht mal, den vehement auf eine Neueinspielung seines Solos in Rock Bottom drängenden, Michael Schenker eingreifen.
Und noch einmal zum Thema Wirkung: Setzt euch einen Kopfhörer auf, oder dreht die Anlage entsprechend auf und lasst das Intro von Doctor Doctor laufen. Wem da nicht Schauer im Rudel über den Rücken laufen ... Eine Sternstunde der Rockmusik!
Die Opener Hot'n'Ready und Cherry kann man sich, als Bonus Tracks, auch noch von zwei anderen, besagte vier Konzerte anhören. Netter Bonus, den ich aber gar nicht mehr gebraucht hätte, denn ich bin schon wieder mittendrin, bei I'm A Loser oder bei Lights Out oder Shoot Shoot ... jedenfalls bei einer Band auf ihrem absoluten Höhepunkt und hiermit ihrem definitiven Statement.
Wie gehabt bergen die Booklets dieser CDs reichlicht Bilder und interessante Infos zu den Scheiben und der Klang ist hervorragend, was einem die Kaufentscheidung ziemlich leicht machen sollte. Mindestens "Strangers In The Night", in dieser Variante, muss man sich zulegen. Egal ob es das erste, zweite oder dritte Mal ist.
Let It Roll!

Epi Schmidt, 17.01.2009

 

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