Two Dollar Pistols Hands Up!, Yep Roc Records, 2004 |
John Howie | Acoustic Guitar, Lead Vocals, Hand Clapping | |||
Matt Brown | Percussion, Drums | |||
Scott McCall | Electric Guitar, Acoustic Guitar, Keyboards, Backing Vocals | |||
Mark O'Brien | Bass | |||
Clyde Mattocks | Pedal Steel Guitar | |||
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1. Too Bad That You're Gone | 7. Don't Start Me Wonderin' | |||
2. Runnin' With The Fools | 8. How's Life (On Top Of The World) | |||
3. There Goes My Baby | 9. It Doesn't Matter Much To Me | |||
4. Without Goodbye | 10. Like You Did | |||
5. Hands Up! | 11. It's All Fun and Games (Til Someone Breaks a Heart) | |||
6. Lonely All Alone | ||||
Gleich der erste Song des neuen TWO DOLLAR PISTOLS-Album "Hands up!" führt etwas in die Irre.
Denn der pop-infizierte up-tempo Roots-Pop von Too bad that you're gone erinnert ganz frappierend an die alten WILCO Debütalbum-Sounds. Bei näherem Hinsehen erkennt man die Verbindung: Der damalige WILCO Produzent Brian Paulson (CRACKER, BECK, JAYHAWKS, SON VOLT, UNCLE TUPELO, THE MINUS 5) zeichnet auch für das aktuelle PISTOLS Werk verantwortlich.
Aber kein Problem, denn Songschreiber und Leadsänger John Howie wäre nicht John Howie, verließe er sich darauf, in die Fußstapfen eines Mittneunziger-Jeff Tweedy zu treten. Mit seiner sonoren, mal raspelnden, mal butterweichen Baritonstimme verfügen die PISTOLS sowieso über ein Pfund mit dem sich wuchern lässt. Er erinnert bisweilen an den Lead-Sänger der MAVERICKS.
Ein einziges Mal wildern die Jungs um Howie noch in Pop-Gefilden. Der Titelsong Hands up! verfügt mit seinen astreinen Backing-Vocals und sehr eingängigen Melodiebögen über ein dem Mainstream-Publikum zugewandtes Potenzial, welches sogar dem verblendetstem HOOTIE & THE BLOWFISH-Fan gefallen dürfte. Ansonsten folgen die PISTOLS ihrem selbstauferlegtem Image einer Country-Band, die R&B, Rockabilly, Rock'n'Roll und die BEATLES mag. Aber um Himmels willen keine Rock'n'Roll-Band, die auf Country steht.
Denn Honky-Tonk-Kracher wie Runnin' with the fools und Lonely all alone bestechen durch äußerst authentisch gelebte Musikalität und tief verwurzelte Genrekenntnis.
Überhaupt verlässt sich die Band auf die versiert inszenierte Zurschaustellung klassischer Muster, indem sie z.B. bei There goes my baby im Stile eines Roy Orbison bzw. den seligen EVERLY BROTHERS über den Tanzboden fegen. Das klingt allerdings gar nicht verstaubt, sondern zwingt dich durch seine unverblümte Direktheit zu anerkennendem Kopfnicken.
Die Balladen (z.B. Don't start me wonderin') werden dem vielzitiertem Klischee des "Tearjerkers" nur allzu gern gerecht. Denn Howie beschäftigt sich, wie in den meisten seiner Songs, um vergebliche, sinnlose und bitter enttäuschte Liebesbeziehungen, die natürlich den Einsatz der Pedal Steel zwingend erforderlich machen.
In diesen Momenten sind die TWO DOLLAR PISTOLS zwar nur eine Country Band, aber eine richtig gute. Hier wird nichts überzuckert, gibt es keine Nashville-Mafia Zugeständnisse, sondern nur die alles dominierenden, überzeugenden Vocals Howies und die immer wieder von messerscharfem Twang gekennzeichneten Gitarrenparts des formidablen Scott McCall.
Alles in allem ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Country-Rock-Album im wahrsten Sinne des Wortes.