Trouble

Simple Mind Condition

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 31.10.2007
Jahr: 2007

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Simple Mind Condition, Escapi Music Group, AB., 2007
Eric Wagner Vocals
Bruce Franklin Guitar
Rick Wartell Guitar
Chuck Robinson Bass
Jeff Olson Drums, Piano
Produziert von: Vincent Wojno Länge: 46 Min 11 Sek Medium: CD
1. Goin' Home (Wagner, Franklin, Wartell)7. Arthur Brown's Whiskey Bar (Wagner, Franklin, Wartell)
2. Mindbender (Wagner, Franklin, Wartell)8. Simple Mind Condition (Wagner, Franklin, Wartell)
3. Seven (Wagner, Franklin, Wartell)9. Ride The Sky (Hesslien, Lawton)
4. Pictures Of Life (Wagner, Franklin, Wartell)10. If I Only Had A Reason (Wagner, Franklin, Olson)
5. After The Rain (Wagner, Franklin, Wartell)11. The Beginning Of Sorrows (Wagner, Olson)
6. Troublemaker (Wagner, Robinson)

Das neue Album

Als Fan von TROUBLE ist man den bereits im Bandnamen verewigten Kummer gewöhnt. Seit ihrem vierten Album gehöre ich zu ihrer treuen Fangemeinde, obwohl Lebenszeichen der Doom-Psychedelic-Hippie-Metaller aus Chicago äußerst rar blieben. Selbst die vor einiger Zeit veröffentlichte DVD mit einem Auftritt in Schweden konnte einen nur schwer über die lange Veröffentlichungs-Pause hinwegtrösten. Sprachrohr Eric Wagner versprach bereits vor vier Jahren ein "typisches" Album, allerdings mit neuzeitlichem Ansatz. Was immer man darunter verstehen mochte, für mein Verständnis ist die Band mit "Simple Mind Condition" wieder in Richtung "Trouble" (1990) und "Manic Frustration" (1992) gegangen. Wer also die Phase mit Rick Rubin und seinem Label Def American zur Glanzzeit der Amerikaner rechnet, dürfte mit dem neuen Longplayer bestens bedient werden. Gut Dings wollte in diesem Fall allerdings ganz viel weile haben. Nachdem "Simple Mind Condition" ursprünglich für den 23.02.2007 angekündigt wurde, verschob sich die Veröffentlichung immer weiter nach hinten, wobei der Zeitpunkt noch mehrfach geändert wurde. Das ich die Scheibe einen (!) Tag vor meinem seit Monaten geplanten Konzertbesuch erhielt zeigt einmal mehr auf, welches Maß an Geduld man bei TROUBLE aufbringen muß. Das es mit dem ursprünglichen Titel "Seven" nichts geworden ist erscheint nebensächlich, doch warum es zu dieser langen Verzögerung gekommen ist dürfte den einen oder anderen nicht eingeweihten Fan schon interessieren. Immerhin ist es bei dem schon im Jahre 2003 angekündigten Produzenten geblieben. Vincent Wojno, der bereits "Plastic Green Head" und zuvor "One For The Road" gemeinsam mit der Band produzierte, kann u.a. bereits auf Arbeiten mit MACHINE HEAD und KREATOR zurückblicken.

Die Geduld hat sich allerdings gelohnt. Mit "Simple Mind Condition" legen Eric Wagner, seine beiden Gitarristen Rick Wartell und Bruce Franklin sowie Bassist Chuck Robinson und Ur-Drummer Jeff Olson ein Werk vor, das sich ordentlich gewaschen hat. Elf echte Riff-Monster mit starken Hooks und tollem Gesang dokumentieren unmissverständlich, dass TROUBLE nichts verlernt haben. Sicher sind Parallelen zu BLACK SABBATH unüberhörbar, jedoch hat der Schüler seinen Lehrer schon vor fast zwanzig Jahren überholt. Von Gitarrenwänden dieses Kalibers dürfte Herr Iommi höchstens mal geträumt haben, während der längst zur Karikatur verkommene Mr. Osbourne seinen Meister in Eric Wagner gefunden hat. "Simple Mind Condition" glänzt durch eine ungeheure Abwechslung. Geschickt versteht der Chicago-Fünfer das Spiel mit Tempowechseln und dem Einsatz von einprägsamen Melodiebögen, während der Härtegrad variiert. Ruhigere Passagen kommen jedoch nie dazu, den Hörer einzulullen, denn im nächsten Moment setzt bereits wieder stahlhartes Riffing ein. Mit den ersten drei Alben hat der aktuelle Longplayer eher wenig am Hut. Die (hoffentlich nicht einmalige) Comeback-Scheibe erinnert an die stark BEATLES-beeinflußten Veröffentlichungen der frühen Neunziger. Die Düsternis der frühen Jahre ist fast verschwunden, wenngleich TROUBLE nach wie vor stellenweise trotz aller Härte eine unvergleichliche Melancholie verbreiten. Die typischen, fetten Gitarren begleiten Eric Wagners charakteristische, zuweilen weinerliche Stimme perfekt und glänzen neben rhythmischen Betonwänden durch unwiderstehliche, doppelläufige Harmonien. Selbst wenn "Plastic Green Head" sich ein wenig von den Def American-Alben entfernte läßt sich sagen, dass die Gruppe genau da anknüpft, wo sie vor ihrem Split angelangt war. Der Doom der Frühphase ist längst nicht mehr so dominant, die psychedelischen Einflüsse und gelegentliche bluesige Einschübe erinnern stark an die Helden der Siebziger. "Simple Mind Condition" fällt durchweg "retro" aus. Am Rezept (klassische Songstrukturen gespickt mit massig hochkarätigen Melodien und Refrains) hat sich nichts geändert. Das neue Songmaterial fällt nach zwölfjähriger Albenpause erneut perfekt aus. "Simple Mind Condition" ist zu einer wahren Lehrstunde in Sachen Heavy Metal geraten. Der ewige Stempel Hippie- oder Stoner-Rock passt längst nicht mehr, Heavy Rock von einem anderen Stern kommt der Sache bedeutend näher.

Der Opener Goin' Home hat sogar noch mehr Jahre als "Plastic Green Head" auf dem Buckel. Neu arrangiert klingt der Track, welcher bereits mit einer Hammer-Version die limitierte '94er-CD "One For The Road" einleitete, erneut wie ein Meisterstück in Sachen riffigen Power Metal. Eric Wagner zeigt auf "Simple Mind Condition" ein sehr breites Spektrum und holt beeindruckend viel aus seinen Stimmbändern heraus. Die Verbindung von Gitarren und Gesang treibt die teilweise kurzen und knackigen Songs durch die Gehörgänge, um sich bereits nach wenigen Durchläufen im Schädel festzusetzen. Besonders das simple, aber enorm effektive Ride The Sky verfügt über einen enormen Drive. Der im Original von der deutschen Band LUCIFER's FRIEND (u.a. mit dem späteren URIAH HEEP-Sänger John Lawton) stammende Track wird gekonnt "ver-trouble-d" und gerät zu einem Highlight des neuen Longplayers. Die treibende Rhythmus-Gitarre läßt einen zu keiner Sekunde still stehen und zeigt TROUBLE als ein "ass kickin'" Kraftwerk. Der Heavy-Rocker If I Only Had A Reason schaltet zwar einen Gang herunter, verfügt jedoch neben einem mitreißendem Riffing auch über einen grandiosen Refrain. Im Mittelteil wird das Tempo verschärft. Die unvergleiche Rhythmus-Gitarre setzt Maßstäbe, hinter denen selbst die gelungenen Soli phasenweise zu Unrecht verblassen. Zum Glück ist aus den Plänen, ein unplugged-Werk auf die Menschheit loszulassen, bisher nichts geworden. Das es jedoch auch durchaus gekonnte stillere Momente geben darf, bewiest die Band mit der Ballade The Beginning Of Sorrows, zu der Drummer Jeff Olson auf dem Piano spielt. Wie eigentlich immer, setzen irgendwann die band-typischen Gitarren ein. Wenn auch zurückhaltend und eher den Spannungsbögen dienend, zeigen Franklin und Wartell selbst mit leiseren Tönen, wo der Hammer hängt. Die verträumte, melancholische Siebziger-Ballade After The Rain setzt die Reihe der leisen Töne fort, welche man einst mit The Misery Shows ("Trouble, 1990) und Rain ("Manic Frustration", 1992) begonnen hatte. Das obergeile Riffing von Bruce Franklin und Rick Wartell sollte für Fans von schweren, zwischen langsamen und mittelschnellen Beats pendelnden Rhythmen eine Pflichtübung sein. Tonnenschwere Breitseiten lassen Mindbender zu einem Musterbeispiel gelungenen Songwritings werden. Die Soli im Mittelteil beweisen eindeutig, dass man sich weit vom Doom hin zum schweren, bluesigen und psychedelischen Heavy Metal bewegt hat. Ähnlich Terrain beschreitet das mit Wah-Wahs startende Seven. Der langsam kriechende Lavasound der Achtziger ist passé, trotzdem bleiben die Gitarren von Wartell und Franklin fett wie eh und je. Die Texte handeln mittlerweile weniger von unheilvollen, bibelentlehnten Prophezeiungen, wahrscheinlich auch auf den Einfluss des inzwischen zum Christentum gekommenen Bruce Franklin zurückzuführen. Pictures Of Life ist ein dynamisch, straighter Rocker in bester Sabbath-Manier, nur eben eine ganze Klasse höher anzusiedeln als die vielzitierten angeblichen Vorbilder. Ein geradliniger, kürzerer Track mit erneut einprägsamen Refrain, treibender Rhythmus-Gitarre, beeindruckenden Melodiebögen und feinem Solo. Trouble Maker haut in etwa in eine vergleichbare Kerbe. Killer-Riffing und ein Eric Wagner, der echt bedrohlich klingt im Vergleich zum vorherigen, stillen After The Rain. Atmosphärisch ist "Simple Mind Condition" so was von dicht, da bedarf es absolut keiner das Bewusstsein erweiternden Stoffe. Leicht psychotisch gerät Arthur Brown's Whiskey Bar. Nicht nur der Songtitel ist cool, der mit einem langsamen Baß, wabenrnden Klampfen und verhaltenen Drums beginnende Track wird es mit fortschreitendem Verlauf auch immer mehr. Wer schreibt so was heute überhaupt noch, sofern es Vergleichbares je gegeben hat? Bevor das Raumschiff TROUBLE abhebt, geht es irdisch heavy rockend zum Ende hin, um beim folgenden Simple Mind Condition wieder in einen oberamtlichen, band-typischen Kracher voller Mega-Riffs zu münden. Zurück auf die Erde, die sich rühmen darf, eine Vorzeige-Band wie TROUBLE auf ihrem Planeten zu haben.

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Jürgen Ruland, 31.10.2007

 

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