Tracy Nelson

Live From Cell Block D

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 05.09.2003
Jahr: 2003

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Tracy Nelson Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Tracy Nelson
Live From Cell Block D, MerLess Records/Memphis International Records, 2003
Tracy Nelson Vocals, Piano
Toni Sehulster Electric Bass
Sam Stafford Guitar
Charlie Wood Piano, Organ
Brian Fullen Drums, Background Vocals
Vickie Carrico Background Vocals
Jim Spake Clarinet, Soprano, Tenor, Baritone Saxophones
Scott Thompson Trumpet
Produziert von: David Less Länge: 49 Min 36 Sek Medium: CD
1. Need All The Help I Can Get6. Send Me To The 'Lectric Chair
2. Walkin' After Midnight7. After The Fire
3. God Will8. Mother Earth
4. Got A New Truck9. Strongest Weakness
5. Tennessee Blues10. Down So Low

Einleitend muss ich gleich mal anführen, dass mir Live-Alben bei denen die einzelnen Songs durch (Stille-) Pausen unterbrochen sind eigentlich ein Gräuel sind.
Die Aufnahmen für Tracy Nelson's aktuelle Live-CD stammen zwar von zwei verschiedenen Konzerten, aber eigentlich sollte das doch trotzdem vermeidbar sein.

Wie auch immer, trotz dieses Makels ist es eine gute Scheibe geworden.
Zwei Konzerte waren es deshalb, weil im "West Tennessee Detention Center" im "Cell Block D" Frauen und Männer nicht zusammen so ein Ereignis besuchen dürfen. Also wurden aus einem geplanten Auftritt zwei.

Tracy Nelson ist natürlich ein "Urgestein". Schon in den 60ern kam sie zu ersten Lorbeeren mit ihrer Band MOTHER EARTH, in den 70ern gab's eine Grammy Nominierung für ihr Duett mit Willie Nelson bei After The Fire Is Gone und nicht nur der nennt sie "one of the best voices around".

Natürlich steht "Live From Cell Block D" in der Tradition der "Knast-Alben" von B.B. King und vor allem Johnny Cash, auch wenn nicht solche Euphorie zu Tage tritt wie vor allem bei Letzterem. Oder liegt's an den "Ausblendungen"?
Anfangs kommt mir, trotz des recht funkig-verzerrten Gitarren-Intros, das Ganze noch etwas zäh vor. Irgendwie leiert mir alles zu sehr, ob Gesang oder Trompete. Immerhin lässt Toni Sehulster an der Gitarre schon mal etwas aufhorchen.
Ab dem zweiten Song, Walkin' After Midnight, kommt aber schon Freude auf. Dieser Klassiker kommt zwar auch in gemäßigtem Blues/Swing-Tempo, jedoch passt jetzt alles, die Instrumentalisten wechseln sich perfekt ab und Tracy's Stimme zeigt ihre Klasse. Nicht von ungefähr kommen einem große Blues-Ladys wie Etta James in den Sinn.

Aus der Feder des Top-Songwriters Lyle Lovett stammt die wundervolle Country-Ballade God Will und Tracy sorgte damit für einige Gänsehäute an jenem 20. Dezember 2002.
Bei Got A New Truck werden dann die Zügel etwas gelockert und entsprechend wird dann auch mehr Boogie/Rock'n'Roll zelebriert. Nicht gehetzt, einigermaßen relaxt dargeboten aber mit gehörigem Spaß-Faktor.

"There is something about prison audiences that brings out the best in performers and Tracy sang her heart out for them on this set." schreibt Willie Nelson in den Liner-Notes zu dieser CD. Zu hören u.a. bei der einfühlsamen Ballade Tennesse Blues.
Es ist ein herrlicher Blues-Boogie-Woogie, aber das eigentliche Flair sind natürlich die Lyrics die Send Me To The 'Lectric Chair ausmachen. So ein Song an so einem Ort - Hut ab!
Auf ihren Duett-Partner muss Tracy an diesem Abend verzichten, aber die Harmonien die sie mit Brian Fullen und vor allem Vickie Carrico bei After The Fire Is Gone - übrigens ein genialer Country-Waltz - erzeugt, sorgen schon von CD für manchen wolligen Schauer. Wie muss das erst live sein!?

Dann wird weit in die Vergangenheit gegriffen und Mother Earth hervor geholt. Hier wird richtig im Blues geschwelgt, bzw. jede Menge Soul klingt aus Tracy's Kehle.
Unerwähnt sollte auch ihre Band nicht bleiben. So machen Jim Spake und Scott Thompson sowohl als Solisten als auch unterstützend eine prima Job. Für Charlie Wood an der Orgel gibt's nicht von ungefähr Szenenapplaus und auch Gitarrist Sam Stafford kriegt zurecht seinen Zuspruch aus dem Publikum. Sie alle kommen in dem fast neuen Minuten langen Mother Earth zu ihrem Solo-Auftritt.

Das etwas rockigere Strongest Weakness von ihrem "Ebony & Irony"-Album folgt.
Dann geht's noch mal zurück zu ihrem ersten Album von 1968 für ihren "Trademark"-Song Down So Low. Eine intensive Ballade in die sich Tracy Nelson noch mal richtig reinsteigert und man versteht, warum es heißt ihre Stimme "has only gotten better over the years".
Etwas aufgelockerter geht's dann noch mal in den Blues-Boogie von Feel So Good. Hier brilliert Charlie Wood noch mal an der Hammond und Sam Stafford zeigt das er auch eine perfekte Slide-Gitarre spielen kann.
Man spürt förmlich, wie es immer "heißer" im Cell Block D geworden sein muss und wahrscheinlich war die Trennung von Männern und Frauen bei diesen Auftritten doch sinnvoll.

Zum Glück gibt's von solchen Konzerten, zumal hierzulande, nicht viele, sonst könnte man es sich direkt überlegen, eine kleine kriminelle Karriere zu starten...

Epi Schmidt, 05.09.2003

 

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