Tonya Watts

Handcuff My Soul

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 20.10.2010
Jahr: 2010
Stil: Country, Hard Rock

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Tonya Watts Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Tonya Watts
Handcuff My Soul, Dazey Rock Music, 2010
Tonya WattsVocals
Victor BrodenBass
Jon ConleyGuitar
Bryan "Backwoods" DicksonSteel Guitar
Miles McPhersonDrums and Percussion
Steve PefferKeyboards
Jamey Johnson, Waylon Payne, Lorraine LewisBackground Vocals
Paul AllenAcoustic Guitar and Rhythm Guitar on Whore and , all Guitars on Cumberland Angels
Steve KingOrgan on Cumberland Angels and Whore
Produziert von: Victor Broden Länge: 40 Min 00 Sek Medium: CD
01. Alabama Crimson06. I Know What It's Like
02. I Knew07. Inside Me
03. Go Go08. Bi-Polar
04. Cumberland Angels09. Music Made A Man Out Of Me
05. Whore10. Handcuff My Soul

In seinem Buch "Fargo Rock City" schreibt Chuck Klosterman - und das muss jetzt wirklich mal gesagt werden: wer in den 80ern einen Großteil seines musikalischen Erwachsenwerdens durchlebte und auf Rock'n'Roll stand, der muss dieses Buch lesen! - "Haben Sie sich je gefragt, was aus all den hübschen Mädchen in den Videos geworden ist?" (Anm.: Es geht hier um Metal-Videos) "Sie verschwanden um 1993 herum, und ich fragte mich wohin". Die Antwort liefert er auch gleich hinterher: "Sie sind einfach Teil der "New Metal"-Bewegung geworden - Country Music Television ist angesagt". (!)
Hierzulande tut man sich schwer mit dem Empfang von CMT und bei den ehemaligen "Musiksendern", MTV und VIVA, ist ja längst von "Musik" kaum noch die Rede, aber Herr Klosterman wird schon wissen, wovon er spricht. Jene Countrymusikszene - und ihre Grenzbereiche - mit ihrem schier unerschöpflichem Nachwuchsreservoire, hat mit Tonya Watts wieder eine beeindruckende Frau in meinen Wahrnehmungsbereich befördert. Wobei Tonya deutlich in den "Grenzbereichen" anzusiedeln ist, denn in den 80ern wäre diese Frau im Metal-Business tätig gewesen, soviel ist sicher. Und das nicht nur, wegen der "Explicit Lyrics", vor denen Eltern auf dem Cover gewarnt werden.
Mit "Handcuff My Soul" legt sie ihr Debüt vor und präsentiert sich gleich in "Kreuzigungspose" (wobei die noch ganz andere Posen drauf hat!). Vielleicht, weil sie das beschauliche Zirpen und die ländliche Slidegitarre, zu Beginn von Alabama Crimson, äußerst rüde mit einem derben Hardrock unterbricht und gleich richtig Power macht. Da heulen die E-Gitarren kreischend auf, treten Bass und Drums in den Arsch und Tonya Watts singt mit einer sehr anmachenden Stimme - irgendwo zwischen Country-Girl und Rock-Mieze - und macht schon gleich klar "I play my own country music", und das lieber in L.A., weil sie so gar nicht nach Nashville passt. Na, da sieht Los Angeles ja vielleicht wieder besseren Zeiten entgegen.

Keine Sorge, auch Tonya hat ihre romantischen Wurzeln und legt einen Teil gleich mit dem leicht verträumten I Knew offen. Ein gewisser Drive bleibt aber erhalten, da kann die Steel Guitar noch so süßlich heulen und die Texte möchte ich gar nicht so genau übersetzen. Sollte im Countryrock-Bereich jedenfalls reichlich Freunde finden. Sowohl bei längeren Autofahrten, als auch beim Bier am Abend auf der Veranda.
Bei einem Songtitel wie Go Go vermutet man schon "Schlimmes" und diese schnurrend-verführerische Stimme, zu dem flotten Beat, hält auch nicht lange mit "I used to be a dancer in a Go Go bar" hinter dem Berg. Besonders gefallen mir die Gitarrensounds und die kernigen Riffs.
Cumberland Angels scheint sich "drüben" schon zu einem kleinen Hit entwickelt zu haben. Das Video sollte leicht im Netz zu finden sein. Und natürlich hat dieser country-balladeske Stil immer gute Chancen auf einen Ohrwurm. Vor allem, wenn es mit so einer Stimme - erinnert mich hier stark an Stacie Collins - gesungen wird und herrlich dynamisch aufgebaut ist. Hätte von mir aus noch länger dauern dürfe.
Tonya nimmt kein Blatt vor den Mund und macht das auch in Whore wieder überdeutlich. Dazu pendelt die Musik zwischen hartem Desert-Rock und galoppierenden Country-Power-Rock. Anspieltipp!

Doch auch die Country-Gemeinde soll nicht vollends verprellt werden und so schaukelt I Know What It's Like in bester Nashville-Tradition dahin ohne an Schwung zu verlieren. Ich denke, auch Dolly Parton Fans dürften mit dem Song glücklich werden und die Zeile "What doesn't kill me, makes me stronger" passt in das Genre sowieso wie die Kugel in den Colt.
Für Inside Of Me wird der Country-Ursprung wieder mit deutlich modernen und härteren Elementen aufgepeppt. Vor allem die in den Vordergrund drängende Leadgitarre drängt aus der "Klangwand" nach vorne.
Ihre "zwei Personalitäten" legt Tonya in den äußerst flott dahinpreschenden Bi-Polar offen: "I'm everything from good to bad" und führt das noch deutlicher aus, während sich die Band die Soloparts gegenseitig gerade so um die Ohren feuert. Eine richtig geile Hochgeschwindigkeits-Schlacht.
Und wenn man gerade so im Temporausch, dann bleibt man für Music Made A Man Out Of Me dabei, verlegt sich mehr auf einen puristischeren Countrystil und durchzieht diesen mit rasanten Gitarrenlicks, die auch einem Albert Lee zur Ehre gereichen würden.
Da ist ein ruhigerer Beschluss zu erwarten und Handcuff My Soul ist denn auch die melancholische Ballade, die eine nachdenkliche Tonya Watts offenbart und den Hörer - ob solcher "religiösen Gedanken" - etwas ernüchtert zurücklässt.
Das wird nicht lange anhalten und schon ist man wieder mittendrin, im treibenden Country-Hard-Rock der Tonya Watts, hat eine Menge Spaß, lässt sich mitreißen und den letzten Song, den hebt man sich eben, ja, für das Ende des Tages (oder der Nacht) auf.

Epi Schmidt, 16.10.2010

 

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