The Kinks

The Kinks - Die Story

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 01.04.2012
Jahr: 2012
Stil: Brit-Rock-Pop
Verlag: Bosworth Edition

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


The Kinks
The Kinks - Die Story, Bosworth Edition, 2012
von: Nick Hasted
ISBN: 978-3-86543-698-6
Umfang: 330 Seiten
Preis: 22,50 € zzgl. Versandkosten

Die englische Originalausgabe dieses Buches erschien 2011 bei Omnibus Press - Titel: "You Really Got Me - The Story Of The Kinks" - und ist somit ziemlich aktuell. Erfreulich, dass man nicht - wie so oft - etliche Jahre warten muss, bis die Ausgabe auf Deutsch erscheint.
Für mich ist dieses Buch die nahezu perfekte Ergänzung zu den Platten der KINKS, ja, inzwischen scheint mir ein Verständnis der Musik dieser Band kaum noch ohne diese schriftliche Form möglich. Die schier beispiellose Achterbahnfahrt wird hier hervorragend betrachtet. Man bekommt zwar den Eindruck, dass sich die Geschichte eines Aushängeschilder des britischen Rocks in erster Linie um Leadsänger und Hauptsongschreiber Ray Davies drehten, aber womöglich - und recht wahrscheinlich - war es auch so. Gestartet und zeitweise auf Augenhöhe mit den drei anderen großen Bands der englischen Beat-Explosion in den 60ern - THE WHO, den BEATLES und den ROLLING STONES - waren es THE KINKS, die es als Erstes verdummten, indem sie sich recht bald ein Auftrittsverbot in Amerika einhandelten, welches sie bis ans Ende des Jahrzehnts aus dem lukrativen Tour- und Schallplattengeschäft in den Staaten ausschloss. Damit war schon der Grundstein gelegt, für die ewigen "Ups and Downs" dieser Band. Und verantwortlich, für Höhen wie für Tiefen, war in erster Linie ihr Chef Ray Davies.
Schon früh viel er durch einen "zerstörerischen Kontrollzwang" auf, vor dem sein gesamtes Umfeld kapitulierte und man vergleicht ihn mit dem englischen Langstreckenläufer Alan Sillitoes, der "einen Wettbewerb absichtlich verliert, um das Establishment zu ärgern".

Ob Ray Davies jetzt mit "Arthur" "die Rockoper erfunden" hat, oder Dave Davies mit seinem Riff zu You Really Got Me "den Heavy Metal erfunden hat", dass hängt sicher von der Sichtweise ab und ist für mich zumindest streitbar, aber wie sehr sie die Band der Arbeiterklasse waren, zeigt nicht nur der "Kinks Room", welcher sich noch heute im "Clissold Arms Pub" in London befindet, sondern auch dieses Buch, das die faszinierende Geschichte der Band birgt.
Wie ihre Kollegen beeinflusst vom Blues und Leuten wie Leadbelly und Big Bill Broonzy, schöpften die KINKS auch aus dem Fundus eines Frank Sinatra, eines Perry Como oder gar einer Doris Day (die ja im Übrigen auch ein Einfluss für JUDAS PRIESTs Rob Halford gewesen sein soll) und traditioneller New-Orleans-Jazz fand ebenso den Weg in die Musik der Band wie Bach und Gershwin. Zum Teil geschuldet einer starken Verbundenheit zu der Familie von Ray und Dave, insbesondere ihren Schwestern und deren Partnern und Lebensläufen.
Natürlich spielt sich, trotz genannten Auftrittsverbotes, ein Großteil der Geschichte in den 60ern ab und man ist einiges über die Hälfte hinaus, bis man die 70er Jahre erreicht.
Die fast unglaubliche Brutalität, die in der Band untereinander herrschte, ist sicher zum Teil dem Arbeiterklassenursprung zuzurechnen, aber hier sind schon besondere Charaktere zugange. Wie Ray seine Truppe über die Jahre knechtete, sie zum Vehikel seiner Ideen machte, brauchte schon besondere Personen um ihn und es fällt auf, das einige, wie Ur-Bassist Pete Quaife, sein Nachfolger John Dalton (eröffnete anschließend eine Fernfahrerkneipe) oder Keyboarder John Gosling letztlich als ausgebrannte wenn nicht gebrochene Menschen zurückblieben.

Bei den Davies-Brüdern war es eine große Hass-Liebe, die im Endeffekt die Band weiter existieren lies und sie trotz Nervenzusammenbrüchen und Selbstmordversuchen überdauern lies.
Es wird auch klar, dass Ray Davies eigentlich ein großer Visionär war, der schon frühzeitig in seiner Karriere ganz anders dachte, seine Musik immer schon mit Bildern in seinem Kopf verband und - wenn man ihm eine Innovation zuschreiben mag - vielleicht das "Musikvideo" erfunden hat. Jedenfalls fanden seine Konzeptalben der 70er nie die Anerkennung, die sie womöglich verdient hatten. Durch dieses Buch sehe ich diese Scheiben mittlerweile mit anderen Augen und höre sie mit anderen Ohren. Hilfreich sind auch die zugehörigen Filme und Filmchen, die man mittlerweile ohne großen Aufwand im Internet finden kann. Das mutet stellenweise albern und überkandidelt an, aber damit können und konnten auch Meilensteine wie "Tommy", PINK FLOYDs "The Wall" oder Elton Johns aufgeblasene Produktionen gut leben.
Trotz allem sieht sich Ray nie als "Diktator", worüber es durchaus andere Ansichten geben dürfte und letztlich konnte nur ein einfaches Gemüt wie Mick Avory, der hauptsächlich "ein paar Bienen abschleppen, den Gig spielen und es genießen" wollte, über längere Zeit mit der Situation um die Gebrüder Davies zurecht kommen.
Fast keine Seite, dieser Tragikomödie blättert man um, ohne dass sich einem wahlweise die Haare sträuben, die Mundwinkel zum Grinsen verziehen - etwa wenn Ray sich für die vermeintliche Zugabe Father Christmas komplett als Weihnachtsmann maskiert und Bruder Dave stattdessen You Really Got Me einläutet (das "blöde Sau" war ihm gewiss) - oder dass die Hand Richtung Stereoanlage zuckt, weil man das Bedürfnis hat, manchen Song nun unter ganz anderen Gesichtspunkten zu hören.
Ich jedenfalls, habe mir nach der Lektüre umgehend fünf weiter KINKS Alben (Tipp: remasterte und erweiterte Versionen gibt es mittlerweile recht günstig) gekauft. Wieviele werden es bei euch?

Epi Schmidt, 31.03.2012

 

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