Steve Harley

Aschaffenburg, Colos-Saal, 25.10.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 01.11.2010
Stil: Classic Rock

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Steve Harley Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Steve Harley,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 25.10.2010

Steve Harley Das hätte ich mir gut 30 Jahre zuvor kaum träumen lassen, als wir ums Lagerfeuer hockten und Face To Face im Kassettenrekorder rauf und runter lief, dass ich Steve Harley & Cockney Rebel einmal live auf der Bühne erleben würde. Wenige Jahre zuvor stand ich schon mal an gleicher Stelle vor ihm im Colos-Saal, allerdings war Steve Harley da ohne Band, nur mit akustischer Gitarre, auf der Bühne. Trotzdem war es natürlich für mich ein Erlebnis.
Heute Abend sind im Aschaffenburger Colos-Saal mehr Leute auf der Bühne und auch im Besucherraum sind deutlich mehr Leute anwesend. Ja, für einen Montagabend ist sogar eine ganz ansehnliche Menge eingetrudelt. Gut zur Hälfte dürfte der Club gefüllt sein.
Es braucht keine Vorgruppe und bald nach acht Uhr betritt Steve Harley und seine Band die Bühne. Von lautem Beifall begrüßt, denn die Zuschauer sind natürlich fast komplett Fans der großen Zeiten von Steve, in den 70er Jahren. Trotzdem geht es mit einem aktuellen Titel los: Faith & Virtue, welches auch den aktuellen Longplayer "Stranger Comes To Town" eröffnet. Klar ist das poppig, aber es hat Schwung, passt zu Steves - leicht angerauter - Stimme und schon jetzt ist der Sound richtig gut. Klein wenig nachjustieren, vor allem bei der Gitarre und der gewohnt hervorragende "Colos-Saal-Sound" ist da. Bald sollte sich auch der, anfangs etwas "wackelige", Backgroundgesang einpendeln. Wie gesagt, besteht das Publikum überwiegend aus Insidern, und die begrüßen Psychomode - gleich als zweiten Song! - mit rhythmischen Mitklatschen. Da ist doch der Boden für eine kleine, ich sag mal gnädig "Ü40-Party", Party bereitet.
Steve weiß was sein Publikum verlangt und beglückt es sogleich mit Judy Teen, einem Single-Hit, der für weitere glückliche Gesichter sorgt.
Mit Panorama (Album "The Best Years Of Our Lives" 1975) und seinem leichten Boogie-Rhythmus kommt weitere Bewegung in die Beine der Besucher und es wird immer deutlicher, welche superbe Band hinter Harley agiert.

Steve Harley Vor allem Barry Wickens zieht die Augen auf sich, wenn er mit seiner Geige zu Sololäufen ansetzt - kann man ruhig wörtlich verstehen, denn stellenweise überquert er die Bühne dabei - oder effektive Akzente setzt. Dazu jagt er seine Geigentöne gern durch ein Effektgerät oder schnallt sich auch mal die E-Gitarre um. In dem folkigen No Bleeding Hearts, vom neuen Album, liefert er sich ein herrliches "Duell" mit dem Synthie von James Lascelles.
Jener Lascelles klingt mit seinem leicht antiquiertem Equipment - inkl. Mini Moog Synthesizer - so richtig schön nach den 70ern und er scheut sich auch nicht, für True Love Will Find You In The End zur Melodica zu greifen. Jenem vermeintlichen "Kinderspielzeug", dass vielleicht manche der Anwesenden früher mal unter dem Weihnachtsbaum entdeckt haben.
Steve Harley ist stimmlich in recht guter Verfassung, auch wenn man er manchmal an Grenzen stößt und die Höhen, verständlicherweise, nicht mehr komplett vorhanden sind. Sorgen muss man sich keine machen, er hält bis zum Ende durch und kann einen "true folk song", wie er sagt, direkt ergreifend interpretieren. Sparsam nur von Piano, Tambourine und Geige begleitet. Der Song zeigt, wie gut seine neuen Titel mit den alten harmonieren.
Immer "harmoniert" er nicht mit dem Publikum, denn während Mr. Raffles gerät er mal ins Plaudern, versichert wenig glaubhaft, dass er seinen Text nicht vergessen habe, aber nimmt doch irgendwie den Fluss etwas aus der Show. Nichtsdestotrotz macht er uns glauben, und der Mitgesang bestätigt ihn: "Oh, oh, we're having a party".
Steve Harley Ob er den sich verringernden Schwung bemerkt hat oder nicht, und wahrscheinlich ist es ihm ziemlich egal gewesen, jedenfalls sorgt gleich anschließend mit Here Comes The Sun für Jubelschreie und grenzenlose Begeisterung bei seinen Fans. Diese grandiose BEATLES/George Harrison-Coverversion eröffnete schon besagtes "Face To Face" Livealbum und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. Die Power von der Bühne wird verstärkt durch die E-Gitarre mit der Barry Wickens nun seinen Bandkollegen Robbie Gladwell unterstützt. Wie band- und songdienlich jener Robbie Gladwell agiert, soll hier auch mal gewürdigt werden. Ob an der Akustikgitarre oder an der E-Gitarre, immer unterstützt er Steve und die Band geschmackvoll, zurückhaltend oder präsent, mit einfallsreichen Soli, liefert einen passenden Harmoniegesang und ist sich auch nicht zuschade, zusammen mit Barry Wickens, ein witzigen "bom-ba-bom" Begleitgesang für Mr. Soft beizusteuern und den "Zirkuscharakter" des Songs dazu noch zu verstärken.
Großen Anteil an der musikalischen Darbietung hat auch Ur-Cockney Rebel Stuart Elliott, am Schlagzeug, der von Steve - in seiner typischen Art - auch entsprechend gewürdigt und vom Publikum entsprechend gefeiert wird.

Steve Harley Manchmal erinnert mich der Stil und Steves Gesang etwas an Chris de Burgh. Allerdings dessen besser Tage, die unzweifelhaft in den 70er Jahren lagen und er noch mehr dem Folk zugewandt war. Da klingt Stranger Comes To Town nicht so weit entfernt davon und heute Abend liefert diese ebenso melancholische wie mitreißende Nummer den perfekten Boden für Sebastian, den wohl größten Hit von Steve Harley in Deutschland.
Die pompöse Klassik-Rock-Ballade verfehlt auch hier ihrer Wirkung nicht und lässt manche Besucher verzückt die Arme zum "mitdirigieren" heben.
Die aufgekommen Stimmung wird durch den erneut zum Monolog ansetzenden Sänger, der, wie suchend, zwischendurch auf seiner Mundharmonika dudelt, etwas gebremst. Schließlich setzt die Band aber doch zu einem flotten und anmachenden, wieder lautstark begrüßten, Tumbling Down an und die Bekanntschaft mit einer Übersetzerin beschert uns die deutsch gesungenen Strophe "Mein Gott, was ist passiert mit dem Blues". Leichter über die Zunge geht uns aber der Originaltext und ein lautstarker, kaum endend wollender Chor "Oh dear, look what they've done to the blues ... blues ... blues" begleitet Steve Harley & Cockney Rebel von der Bühne.
Natürlich fordert das eine Zugabe und bald schon erklingen die ersten Töne von Make Me Smile (Come Up And See Me), seiner erfolgreichsten Nummer, und die Party erreicht ihren Höhepunkt. Angegraute Fans schließen vor Glück die Augen oder liegen sich mit ihren Partnern in den Armen, tanzen und singen lautstark den Refrain mit: "who-hoo came up and see me, make me smile - wohoo - I'll do what you want, running wild"
Eine zufriedene Besucherschar verlässt nach über zwei Stunden das Colos-Saal, vergisst die paar Längen und auch mal zynischen Worte von Steve Harley und behält einen tollen, gelungenen Konzertabend in Erinnerung.

Epi Schmidt, 25.10.2010

 

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