Steve Hackett The Tokyo Tapes, Cherry Red Records, 2013 |
Live-Band | ||||
Steve Hackett | Gitarre & Gesang | |||
John Wetton | Gesang, Gitarre & Bass | |||
Ian McDonald | Keyboards, , Flöte, Saxophon, Gitarre & Gesang | |||
Chester Thompson | Schlagzeug | |||
Julian Colbeck | Keyboards & Gesang | |||
Studio-Band | ||||
Steve Hackett | Gitarre & Percussion | |||
John Wetton | Gesang | |||
Roger King | Keyboards | |||
Lee Pomeroy | Bass | |||
Gary O'Toole | Schlagzeug | |||
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CD & DVD (Ausnahmen in Klammern) | ||||
01. Watcher Of The Skies | 11. Vampyre With A Healthy Appetite | |||
02. Riding The Colossus | 12. I Talk To The Wind | |||
03. Firth Of Fifth | 13. Shadow Of The Hierophant | |||
04. Battlelines | 14. Los Endos | |||
05. Camino Royale | 15. Black Light | |||
06. The Court Of The Crimson King | 16. The Steppes | |||
07. Horizons | 17. I Know What I Like (In Your Wardrobe) | |||
08. Walking Away | 18. Firewall (Studio - nur CD) | |||
09. Heat Of The Moment | 19. The Dealer (Studio - nur CD) | |||
10. In That Quiet Earth | 20. All Along The Watchtower (Studio - nur CD) | |||
DVD Bonus Footage | ||||
Rehearsal Video | Who's Who - Band Member Biographies | |||
Als eines der prominenten Ex-Mitglieder der britischen Progressive Rock-Institution GENESIS genießt der Gitarrist Steve Hackett auch heute noch einen exzellenten Ruf und hohes Ansehen in der Musik-Szene. Auch wenn er nach seinem Ausstieg aus der Band nie an die Solo-Erfolge seiner Ex-Kollegen Peter Gabriel, Phil Collins oder Mike Rutherford (bei MIKE & THE MECHANICS) anknüpfen konnte, so waren seine Live-Auftritte doch immer gut besucht.
Somit zeigt ihn das vorliegende Boxset "The Tokyo Tapes" (nicht zu Verwechseln mit dem ähnlich betitelten SCORPIONS-Werk) von seiner besten Seite. Begleitet von einer exzellenten Backingband (mehr dazu später) präsentierte Hackett an diesem Abend neben ausgewählten Solo-Songs natürlich auch einige der größten Erfolge aus alten GENESIS-Tagen. Dabei darf es kaum verwundern, dass diese Klassiker die lautesten Reaktionen bei dem Publikum hervorriefen.
Und gerade eine Live-Version wie die von Firth Of Fith verdeutlicht, was für einen Einfluss GENESIS auf eine ganze Schar von nachfolgenden Prog-Bands allgemein und was für eine Vorbildfunktion dabei Steve Hacketts Gitarrenspiel im Speziellen hatte. Seine geradezu lyrische Art des Spiels, die wie eine Art zweiter Gesang klingt, hat definitiv Gitarristen wie etwa Steve Rothery (MARILLION) insbesondere in dessen früher Phase maßgeblich stilistisch geprägt.
Aber neben epischen Klangkunstwerken wie eben Firth Of Fith, Los Endos oder I Know What I Like (In Your Wardrobe) fallen Songs wie Battlelines oder die sehr esoterisch angehauchte Hackett-Solo-Komposition Walking Away From Rainbows fast schon etwas banal und formelhaft beziehungsweise vorhersehbar aus.
Aber diese Schwächen sind zum Glück die seltene Ausnahme. Ansonsten spielt sich Hackett mit seiner Backingband traumwandlerisch durch die komplexen Strukturen. Am bekanntesten dürften dabei Schlagzeuger Chester Thompson (unter anderem für Frank Zappa, WEATHER REPORT, Eric Clapton aktiv) und Sänger sowie Bassist John Wetton sein. Dieser darf mit Battlelines ein Solo-Stück sowie mit Court Of The Crimson King und Heat Of The Moment sogar zwei Stücke seiner Ex-Bands KING CRIMSON und ASIA zum Besten geben. Verständlicherweise passt das KING CRIMSON-Stück am besten zum restlichen Programm. Aber die akustische Variante des ASIA-Klassikers weiß auch angenehm zu überraschen.
Als Boni sind auf der zweiten CD noch drei Studio-Stücke enthalten. Dabei zeigen Firewall und The Dealer Hackett von seiner gewohnt instrumentellen Seite, sprich: gefühlvolle, melodiöse Soli zu pop-rockigen Songs, die an Eric Johnson erinnern. Zum Abschluss bietet Hackett dann noch seine Interpretation der Jimi Hendrix-Variation des Bob Dylan-Klassikers All Along The Watchtower an, die überraschend ruhig daherkommt aber in den Soli ordentlich Gas gibt. Stilistisch sicher nichts Neues, aber eine gelungene Neu-Interpretation dieses Standards.
Abgerundet wird das Paket durch eine DVD mit dem gesamten Live-Auftritt der Band in Tokyo. Die Schnittfolge ist dabei – gerade im Vergleich zu dem, was teilweise in den aktuellen Live-Mitschnitten gezeigt wird - angenehm ruhig gehalten. Der Fokus liegt ausschließlich auf den Musikern und lässt den Zuschauer ganz tief in die Musik eintauchen. Außerdem bietet die DVD ein 18-minütiges Feature von den Band-Proben und ein kurzes „Who’s Who“ der Band-Mitglieder.
“Tokyo Tapes“ ist ein rundum gelungenes Paket, da es eine superbe Band bei einer wirklich gelungenen Show zeigt. Die Song-Auswahl passt auch (mit einigen oben bereits erwähnten Schwächen), beweist aber, dass Hackett natürlich auch Jahrzehnte nach seinem Ausscheiden bei GENESIS immer noch von den damaligen Erfolgen lebt und zehrt. Aber er bringt – zusammen mit seiner Band - die Songs eben auch mit einer Überzeugung rüber, die seine ehemaligen Band-Kollegen später nur noch sehr selten erreichten.