Stefan Waggershausen

So ist das Spiel

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 14.03.2010
Jahr: 2010
Stil: Deutsch Pop Country Rock

Links:

Stefan Waggershausen Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Stefan Waggershausen
So Ist Das Spiel, Sony Music, 2010
Billy LangGuitars, Mandolins, Banjo
Peter WeiheGuitars, Dobro, Bass
Frederic KoellaViolins, Guitars
Till BrönnerFluegelhorn
Udo ArndtPercussion
Mike LindauerHammond-Orgle, Keyboards
Kristian SchultzePiano, Keyboards
Ludwig SeussAkkordeon
Chris HerzbergerViolins
Astrid North, Maya Saban, Ute Engelhardt, Thom Hanreich,Miriam PielhauBackground Vocals
Stefan WaggershausenVocals, Guitars
Produziert von: Stefan Waggershausen Länge: 70 Min 27 Sek Medium: CD
01. Sonne im Westen07. Endloser Sommer feat. Sasha, Jan J. Liefers, Henning Wehland
02. Der alte Wolf wird langsam grau feat. Annett Louisan08. 1000 Küsse
03. Dein Lächeln beim Abschied09. So ist das Spiel
04. Was soll ich dir sagen feat. Alice10. Die Zeit wartet niemals
05. Für Dich feat. Nena11. Und sie sahen sich nur an
06. Ich will zurück zum Bodensee12. Babylon Avenue

Hatte ich nicht unlängst noch so was im Gefühl, dass die 80er verstärkt zurückkommen? Ah ja, bei Wolf Maahns "Direkt ins Blut" Songbook war das. Na, die ersten Zeichen liegen noch viel weiter zurück. Vor nicht allzu langer Zeit meldete sich Whitney Houston zurück, Michael Jackson dagegen endgültig ab.
Mit diesem Herrn hier hätten aber - selbst hierzulande - wohl kaum einer gerechnet: Stefan Waggershausen. Oh, wir erinnern uns: "dunkler Cherubim, Sphinx im schwarzen Kleid..", ja, ja, beim ersten Mal tat's noch weh. Später hatte man sich dran gewöhnt und irgendwie hatte sie auch etwas, diese dunkle, rauchige Stimme. Der Typ konnte offensichtlich selbst Gitarre spielen und ein klein wenig Hoffnung bestand, dass mit den Jahren da ein ganz passabler Pop-/Rock-Sänger heranwachsen könnte.
Natürlich wurde der schnell von der Pop-Maschinerie vereinnahmt, und in zeitgemäße Sounds und Sakkos gesteckt. Dass man in späteren Jahren kaum bis nichts von ihm hörte, lag sicher auch an einer kaum vermuteten Eigenwilligkeit. So ließ der breitenwirksame Erfolg nach, die Qualität nahm zu und musikalisch wurde der Schritt über den großen Teich getan, wie man auf dem 1995er Longplayer "Louisian" nachhören kann.
Vierzehn Jahre später holte Stefan Waggershausen wieder seine Gitarre aus dem Schrank und alsbald entstanden die Songs für dieses Album. Die Musik knüpft bei beim Vorgängeralbum an, aber auch an die Duette aus den - ja, sind wir wieder beim Thema - 80ern.
Doch dazu gleich mehr,

Von Beginn an bin ich vom Sound überrascht: deutlich, klar, aber auch rau und nicht glatt gebügelt. Die Gitarren und ihre Sounds sind eine wahre Wohltat - ob akustisch oder elektrisch - und sie stehen in der vordersten Reihe. "Wann hab ich die Spur, wann hab ich mein Ziel aus den Augen verloren", singt die vertraute Stimme, die nur wenig gealtert ist. "Da war doch mal so'n Engel" (Hallo?) wühlt sie in der eigenen Vergangenheit. Den Klang der Stimme und diese, manchmal etwas genuschelt klingende, Art zu singen muss man natürlich mögen. Manchem klingt sie bestimmt etwas zu weich, aber schon in früheren Zeiten wurde Waggershausen als "sanfter Rebel" verkauft.
Der alte Wolf wird langsam grau strotzt vor Autobiografischem und vor Anspielungen. Auch wenn er das wahrscheinlich abstreiten wird. "Mit großen Augen schaut das Reh, was so'n alter Wolf noch alles kann" und schon trabt das Reh in Form von Annett Louisan auf die Weide und fügt sich im letzten Refrain gefühlvoll dazu. Kann man alber und kitschig finden, aber die Musik ist klasse. Akustische, Dobros, Mandolinen schnarren und sliden um die Wette und in New Orleans wäre längst eine kleine Straßenparty im gange.
In etlichen Stücken auf diesem Album spiegelt sich der Stil von JJ Cale und Mark Knopfler wieder. Ob Letztgenannter solche Textzeilen wie "zieh dein Kleid nochmal aus und leg dich zu mir" (Dein Lächeln beim Abschied) im Repertoire hat entzieht sich meiner Kenntnis.
Immer dann, wenn ein flotterer Country-Stil gepflegt wird, wie in Ich will zurück zum Bodensee, muss ich an Eric Claptons Lay Down Sally denken. Das klingt nahezu identisch.

Zwischendurch lässt es Waggershausen mal nach Chris Isaak klingen (Für Dich) und hier kreuz mit Nena eine Weggefährtin aus, na, ihr wisst schon welchem Jahrzehnt. Irgendwie klingt es hier auch etwas nach 'Uns Udo'. Oder scheint das nur mir so?
Wundervoll stimmungsvoll kommt ein Was Soll ich dir sagen daher. Eingeleitet von Till Brönners Flügelhorn und wen könnte man in so einem Sommer anders treffen, als die wunderbare Italienerin Alice. Ja, genau, die Duettpartner aus So nah am Feuer steht bei diesem Song mit Stefan am Mikro, ihre Stimme verführerisch wie eh und je.
Der Ochsenfrosch quakt zum Beginn von Endloser Sommer und zusammen mit seinen Kollegen Sasha, Jan J. Liefers und Henning Wehland liefert Waggershausen hier eine schmissige Nummer ab, die - Akkordeon-getrieben - tatsächlich den Soundtrack zu mancher Grillparty im kommenden Sommer liefern könnte. Macht Spaß.
Hier und da kommen auch mal nachdenklichere, melancholischerer Töne zum Tragen, etwa in Und sie sahen sich nur an und in dem Über-Acht-Minütigen Babylon Avenue schwirrt es teilweise psychedelisch-atmosphärisch und "die arabische Tänzerin lacht verlegen", aber überwiegend kommt das Album locker und beschwingt und nach ein paar Mal hören, hat man mit vielen Songs richtig Spaß. Und holt vielleicht sogar die alte Gitarre, mitjammen, wieder aus dem Schrank.

Epi Schmidt, 13.03.2010

 

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