Ronnie Wood

I Feel Like Playing

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 06.10.2010
Jahr: 2010
Stil: Roots Rock

Links:

Ronnie Wood Homepage

Ronnie Wood @ facebook

Ronnie Wood @ twitter



Redakteur(e):

Nachgehakt

Frank Ipach

Epi Schmidt

Marc Langels

Christian Gerecht

Martin Schneider


Ronnie Wood
I Feel Like Playing, Eagle Records, 2010
Ronnie WoodVocals, Guitar
Flea, Darryl Jones, Rick RosasBass
Jim Keltner, Steve Ferrone, Johnny FerraroDrums
Slash, Bob Rock, Billy Gibbons, Waddy WachtelGuitar
Ivan Neville, Ian McLaganKeyboards
Bernard Fowler, Blondie ChaplinBacking Vocals
Produziert von: Ronnie Wood Länge: 57 Min 49 Sek Medium: CD
01. Why You Wanna Go And Do A Thing Like That For07. Spoonful
02. Sweetness My Weakness08. I Don't Think So
03. Lucky Man09. 100%
04. I gotta See10. Fancy Pants
05. Thing About You11. Tell Me Something
06. Catch You12. Forever

Fast 10 Jahre nach seinem letzten Soloalbum, "Not For Beginners", bringt Ronnie Wood ein neues Album heraus und somit das erste Werk mit neuem Material, dass ein Rolling Stone seit Jahren veröffentlicht hat.
Man kann dem immer grinsenden und freundlichen Wood Vieles zugutehalten und wahrscheinlich hat er sehr großen Anteil daran, dass die Streithähne Jagger und Richards Ende der 80er die STONES wieder zum Leben erweckten.
In den letzten Jahren fiel "Woody" leider mehr durch Eskapaden auf - unter anderem hatte er seine langjährige Partnerin und Ehefrau Jo Wood für eine Affäre mit einem jungen Girl verlassen - und wenn er sich nicht gerade seiner malerischen Ader widmete - Motto "I feel like painting" - muss seine Leidenschaft, in Anlehnung an den aktuellen Albumtitel, wohl mit "I feel like drinkin" angeben. Die Trunksucht hat ihn schon des öfteren an die Schwelle zum Rausschmiss bei den STONES gebracht.
Aktuell scheint er sich aber im Griff zu haben und nach den Auftritten mit den reformierten FACES - als Sänger fungierte SIMPLY REDs Mick Hucknall - legt er nun also sein neues Album vor und nicht nur die illustre Gästeliste lässt die Redaktion ein paar vermehrte Ohren an die Lautsprecher pressen.

Wie unlängst Santana, schart auch "uns Ronnie" einige Helfer für sein neues Album um sich. Und wenn man so ein Starensemble anheuert, dann muss auch was gehen. Es fällt schnell auf, das hier deutlich mehr Drive dahinter ist, als beim eher ruhigen "Not For Beginners". Fast hinter jedem Songtitel und hinter vielen Texten könnte man ein Eingeständnis oder eine Verteidigung seiner Schandtaten der letzten Jahre vermuten. Aber, schon der STONES-Song It's Only Rock'n'Roll ging großteils auf seine Kappe. Also gehen wir mal (fast) unvoreingenommen an die Platte ran.
Verlernt hat Ol' Ronnie nichts und bereits die Eröffnungsnummer erinnert an selige FACES-Zeiten. Vergleiche zu Songs wie Mandolin Wind bieten sich an. Natürlich ohne Rods Ausnahmestimme. Aber die, wie wohliges Kaminfeuer knisternde, Stimme von Ronnie passt mit ihrer Bob Dylan-Ähnlichkeit auch ganz gut zu diesem Country-Folkigen Stil. Dass die alte Rosenkanone Slash hier die Leadgitarre spielt, muss einem auch erst gesagt werden, aber dann erinnert man sich doch an manchen Lick vom "Lies" Album.
Eine Schwäche für Reggaemusik hatte Ronnie seit Beginn seiner Solokarriere und Sweetness My Weakness trägt dem Rechnung. Auch Kollege Keith wiegt sich gern in diesem Rhythmus und mir fällt Too Rude vom "Dirty Work" Album ein. Das hier kommt allerdings gefälliger. Ja, auch hier klampft Slash und den stilgerechten Bass zupft Darryl Jones. Kennen wir ja auch von den "rollenden Steinen".
Lucky Man zupft und groovt sich so langsam rein und kommt dann mit der Zeit immer mehr in Schwung, ja rockt alsbald richtig gut und begibt sich auf eine Sturzfahrt, die kaum mehr zu stoppen scheint. FACES-Kollege Ian McLagan sitzt hier an der Dampforgel und schiebt gut an.
Eine Schwäche für soulige Balladen - am liebsten im Verbund mit Bernard Fowler - hat Ronnie auch schon immer gehabt. Erinnerungen an das großartige Breath On Me erwachen. I Gotta See hat vielleicht nicht ganz dessen Klasse, aber ist doch gut zum gemütlichen Whiskeyschlürfen geeignet. Dass hier ZZ TOPs Billy Gibbons die Sechschüssige bedient, wird aber erst im folgenden Thing About You so richtig deutlich. Das rockt im Midtempo so richtig schön dirty und könnte glatt von den frühen Scheiben der Texaner stammen.

Den Klassiker Spoonful hat Ronnie, mit Co-Leadsänger Bernard Fowler, als funky Nummer im Stile von Lenny Kravitz aufgearbeitet. Folgerichtig liefert Slash auch die Lead-Gitarren-Einwürfe für diese groovige Fassung.
I Don't Think So ist typischster Wood-STONES Rock mit allen typischen Zutaten. Könnte aber auch gut auf ein Keith Richards Soloalbum passen. Dessen X-Pensive Wino- und Westküsten-Gitarrist Waddy Wachtel liefert auch hier die passenden Licks und Riffs.
Tell Me Something ruft das eher entspannte Gefühl vom "Not For Beginners" hervor. Man wippt auch hier gerne dazu.
Entspannt und doch spannungsgeladen geht’s beim finalen Forever zu und dafür hat Ronnie doch glatt nochmal Bobby Womack ins Studio gekriegt. Dessen souliger Gesang macht schon Einiges aus und ein klein bisschen With a little help from my friends kommt einem in den Sinn.
Diese "kleine Hilfe" von einigen Freunden macht's aber anscheinend aus und so wurde "I Feel Like Playing" tatsächlich zu einem sehr guten Ronnie Wood Album, auch wenn mein Favorit immer noch "Slide On This" bleibt.

Epi Schmidt, 01.10.2010


In der jüngsten Vergangenheit war Ronnie Wood nicht gerade durch positive Schlagzeilen aufgefallen. Sein Privat-Leben überschattete deutlich seine musikalische Leistung. Damit sich dieses Bild wieder korrigiert, legt Wood ein sehr gelungenes Solo-Album vor.

Dabei versucht er sich nicht nur in gewohnten ROLLING STONES-Gefilden, sondern klingt manchmal auch so, als hätten ihn vor allem Tom Petty oder Bob Dylan beeinflusst. Das ganze Werk wirkt dabei sehr entspannt und angenehm unangestrengt. Hier sind einfach eine Reihe Musiker ins Studio gegangen, haben IHRE Musik aufgenommen, ohne den Druck zu spüren, damit eine bestimmte Erwartungshaltung erfüllen oder eine bestimmte Verkaufszahl erreichen zu müssen. Da kann man die Spielfreude geradezu körperlich spüren.

Sicher, mir gefallen nicht alle Stücke, so hätte ich getrost auf die Reggae-Nummer Sweetness My Weakness verzichten können. Aber die anderen Songs sind zumindest alle gut und manche wie der Opener Why Do You Wanna Go And Do A Thing Like That For; Spoonful oder aber I Don’t Think So finde ich geradezu phantastisch. Alles in allem macht Ronnie Wood hier vielleicht nichts Überraschendes, aber das was er macht, macht er gut. Und sein Album macht auch was: ganz viel Spaß.

Marc Langels, 01.10.2010


RON WOOD, dass alte Haus, hat mal wieder zugeschlagen. Subtil und "hinten herum" wie eigentlich fast immer. Oftmals auch die besseren Songs schreibend als seine Haupt-Arbeitgeber Mick Dick' Lipp' und Keith Knitterkopp...
-Und so wurde auch "I Feel Like Playing" ein rundum feines Album! Wood beleuchtet abwechslungsreich die Wurzeln der Rockmusik, Country (Why You Wanna Go...) und Blues (I Gotta See oder Fancy Pants); lässt so ganz nebenbei und gekonnt einen Reggae (Sweetness My Weakness) vom Stapel und streift auch mal, wenn auch nur gedanklich, den indischen Subkontinent (100%). Ein Stück weiter knallt uns der alte Haudegen einen funky Abfackler erster Kajüte um die Birne (Spoonful), lässt es bei Thing About You so richtig schön krachen und aalt sich in typischer STONES Mucke (I Don't Think So) genauso wie in Gedächtnissongs an seinen alten Weggefährten ROD STEWART (Catch You und Forever). Sogar an MTV und die Charts hat die alte Hütte gedacht; oder ist etwa (das durchwegs anspruchsvolle) Lucky Man nicht wie dafür geschaffen?! Und was wäre Ron, würde er uns nicht auch mal auf gepflegte, ja gar angenehme Weise (mit bspw. Tell Me Something) langweilen? Ach wären nur alle langweiligen Nummern mit so feinem Gitarren- und Slidespiel versehen... die Welt wäre um einiges besser...!
Alle Songs sind ohne Ausnahme wunderbar instrumentiert; die Gitarren präsent, aber nie überambitioniert, mal herrlich angefuzzt aber auch mal zart und beinahe zerbrechlich. Ron's Stimme, Alkohol-gegerbt bis ins Bein kommt in erster Linie rau, kratzig und brüchig 'rüber. Hört man aber genauer hin, ist es erstaunlich, wie lebendig dieses Timbre noch ist!

RON WOOD hat mit "I Feel Like Playing" ein wirklich gutes Album an den Start gebracht. Bedenkt man dabei, wie schwer er an der Flasche hängt, dann lässt einen das nur umso mehr den Hut ziehen. Natürlich darf man von RON WOOD nicht erwarten, dass er die Rockmusik neu erfindet. Nein, aber dafür gewinnt er ihr (für uns) nach wie vor schöne Seiten ab. Und das allein ist's, was zählt!

Christian Gerecht, 01.10.2010


Was für ein Luxus! Da geht der gute Ronnie Wood hin und denkt sich: "I Feel Like Playing". Schnippt mal eben mit dem Finger und lässt sein Management ein paar gewichtige Anrufe tätigen, die in der Folge so Hochkaräter wie Slash, Flea, Billy Gibbons, Waddy Wachtel, Bobby Womack, Eddie Vedder und Bernard Fowler kontaktieren, um die eine oder andere coole Recording-Session zu organisieren. Muss man da neidisch werden? Klar doch, als alter Classic-Rock-Fan wird man da im Vorfeld schon ganz hibbelig auf das Ergebnis.

Da legt Woody also nun seinen Pinsel für ein paar Wochen auf die trocknende Palette und schnallt sich seine Strat um, entstaubt sein Bottleneck und komponiert und spielt mit diesen Jungs ein ziemlich dreckiges Dutzend ein. Hatte ich schon erwähnt, dass der großartige Jim Keltner an den Drums, der fingerfertige Ian McLagan an den Tasten und der ausgezeichnete Rick Rosas am Bass für Stimmung sorgen? Na, ist das eine Besetzung?

Okay, das heißt noch lange nicht, dass dieses Album die Qualitätsmaßstäbe sprengt. Nörgler werden behaupten: "Na ja, ein nettes Altherren-Rockalbum". Sicher, da ist sogar was dran, wenn man es völlig neutral betrachtet. Doch für einen echten Classic-Rock bzw. Roots-Rock-Fan bedeutet "I Feel Like Playing" ein Fest. Denn die 12 Songs sind, bis auf 2 oder 3 Ausnahmen wirklich gut gelungen. Man nennt sowas wohl reif und abgehangen. Das hat man alles schon mal gehört, aber eben noch nicht in dieser vibrierenden Konstellation. Ronnie Wood und seine Spießgesellen decken ein reichlich großes Spektrum ab: eine Prise Country-Gemütlichkeit, schwer groovender Reggae, Stones-mäßige Rocker, dreckige ZZ Top Anleihen, angenehm aufgeräumte Soulballaden mit vorsichtigem Gospeltouch und eine rappelnde funky Version des Uralt-Kloppers Spoonful.
Bei allem noch das Erstaunlichste: Mr Wood singt mit seiner inzwischen 63-jährigen Stimme derart überzeugend, dass man ihm wünscht, er möge seinen Dämon Alkohol doch endlich zurück in die Hälle jagen, um sich auch zukünftig noch auf ein weiteres Woody Soloalbum freuen zu können.

Fan-Herz, was willst Du mehr. "I Feel Like Playing" ist gute alte Rock'n'Roll Unterhaltung, frei nach dem Motto der Glimmer Twins: "It's only rock'n'roll, but I like it."

Frank Ipach, 01.10.2010


Ronnie Wood will doch nur spielen. Während die ROLLING STONES das "Exile On Main Street"-Jubiläum nach allen Regeln der Kunst kommerziell ausschlachten, veröffentlicht der Gitarrist klammheimlich neun Jahre nach "Not For Beginners" ein neues Studioalbum. Mit dabei ist eine Riege namhafter Gastmusiker wie Slash, Billy Gibbons, Flea oder Bob Rock, die geschickt ihre individuellen Stärken einbringen, ohne dabei dem Hauptdarsteller die Show zu stehlen.
"I Feel Like Playing" bietet ein buntes Spektrum aus puristischem Siebziger Jahre-Rock und -Blues mit gelegentlichen Ausflügen in Richtung Soul und Reggae. Verbindende Elemente sind Woods typischer, knarziger Gesang und sein staubtrockenes Gitarrenspiel. Dazu verbreitet das Album eine herrlich entspannte Atmosphäre, besonders in seinen gefühlvollen Momenten, aber auch wenn es bei Lucky Man oder 100% energischer zur Sache geht.

Martin Schneider, 12.09.2010

 

(C) 2008 - 2022 by Hooked on Music