Rock Meets Classic

Würzburg, S. Oliver Arena, 15.03.2019

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 20.03.2019
Stil: Rock

Links:

Rock Meets Classic Homepage


Venue: S. Oliver Arena


Redakteur(e):

Epi Schmidt


Jetzt musste ich mich von diesem Spektakel doch selbst einmal überzeugen: 10 Jahre “Rock Meets Classic“ und man hat groß aufgetischt. Zu den üblichen Gaststars, die Bühnenchef Matt Sinner geladen hat und die als Solosänger auftreten, haben sich noch – aufgrund des jeweiligen 50jährigen Bühnenjubiläums  THIN LIZZY und SWEET eingereiht und feiern hier einfach mal mit.

Zudem gibt‘s mit Anna Maria Kaufmann noch eine  Opernsängerin, die sozusagen dem “Classic“-Rahmen mehr entspricht. Dieses Gesamtpaket hat doch einiges Interesse geschürt und so ist die Würzburger S. Oliver Arena praktisch ausverkauft. Das Klientel steht dem auf der Bühne, vom Alter her, nur wenig nach und so sind vielleicht ein paar Platzanweiserinnen unter 40, der Rest ist da deutlich drüber. Nicht umsonst ist fast alles bestuhlt.

Kurz vor Acht Uhr nimmt das Symphonieorchester seine Plätze auf der Bühne ein und eine Stimme vom Monitor versucht noch einmal Stimmung zu machen und Radiosender und Veranstalter nicht ungenannt zu lassen. Zusätzlich flimmern noch die Namen von früheren hier vertretenen Heroen über die Leinwand.

Die Streicher stimmen sich und uns dann auch noch ein und zack fällt der durchsichtige Vorhang  und ruck-zuck ballert die MATT SINNER BAND zur Einstimmung Rock You Like A Hurricane von der Bühne. Zusammen mit dem Orchester kommt das recht wuchtig, nicht unbedingt differenziert, aber die sich abwechselnden Sänger und Sängerinnen der Band kommen doch durch.

Die Zeit drängt und schon werden die ersten Gäste auf die Bühne zitiert: Ricky Warwick und Scott Gorham vertreten THIN LIZZY und welcher Song wäre zum Einstieg besser geeignet als The Boys Are Back In Town? Feuersäulen schießen vom Bühnenrand in die Höhe und etliche Fans sind dann doch stimmlich beim Refrain zu vernehmen. Gorham wirkt natürlich nicht mehr wie einst im Mai, aber, wie gesagt, das trifft hier auf die meisten zu.

Für die nötigen Twin-Soli steht meist Alex Beyrodt parat um sich mit Gorham zu duellieren, aber auch Tom Naumann – der zweite Gitarrist der MATT SINNER BAND – weiß sich in Szene zu setzen.


 

Waitin‘ For An Alibi ist der nächste Klassiker, der aus dem Bandfundus gewühlt wird, und auch der verfehlt seine Wirkung nicht. Ricky Warwick ist gewohnt gut bei Stimme und peitscht das Publikum ordentlich ein. Als nächstes folgt Don‘t Believe A Word, welches offensichtlich nicht jedem im Publikum so geläufig ist, aber mir ist‘s recht.

Damit hat es sich auch erst einmal mit THIN LIZZY, die imaginäre Drehtür gerät in Schwung und zu Plattencovern von LOVERBOY erfolgt die Einstimmung auf Mike Reno, den Sänger der Band. Zum Freitagabend passt Working For The Weekend natürlich bestens. Reno hat seit seinen großen Tagen deutlich an Gewicht zugelegt und dafür an stimmlicher Brillianz verloren. Die Band um ihn müht sich redlich, aber ich bin mir nicht sicher, ob da jeder Ton aus der Kehle des Sängers kommt, bzw. hält er das Mikro oft so weit von und über sich, dass auf jeden Fall die BackgroundsängerInnen besser zu hören sind. Die Puste ist nicht mehr die größte bei ihm.

Vielleicht auch deswegen folgt mit Almost Paradise ein balladeskes Duett aus dem Film “Footlose“. Hätte ich mir was flotteres gewünscht, aber war vielleicht nicht drin und ein paar Frauen im Publikum schwelgen trotzdem dazu.

Den benötigten Schwung, um hier wieder mehr Partystimmung zu entfachen, den liefern am besten jetzt SWEET und  stiefeln auch Andy Scott und Pete Lincoln als nächste auf die Bühne. Feuersäulen, Alarmsirenen, alles was nötig ist, wird aufgefahren und schon ist die Action da! Gleich noch einen Blockbuster hinterher und der Saal steht. Zumindest teilweise und bis er höflich vom Wachpersonal aufgefordert wird, sich doch zu mäßigen und wieder hinzusetzen. Rockkonzert? Nee, das ist anderswo.

Da das Symphonieorchester die SWEET Glam-Hits nur wenig beeinträchtigt, ist trotzdem jetzt mehr los.

Von vielen erwartet, wenn sicher auch nicht erkannt, würde der nachmittags durch die Innenstadt gelaufen sein, steht nun Kevin Cronin, seines Zeichens Sänger von REO SPEEDWAGON auf dem Programm. Da kommen doch selige Erinnerungen auf. Mit Take It On The Run hat er das Publikum schnell auf seiner Seite und dazu beeindruckt er mit einer kaum gealterten Stimme. Die gefährlichen Höhen umschifft er gekonnt, aber ansonsten klingt das richtig gut und mit seiner äußerst sympathischen Art, gewinnt er hier schnell die Herzen der Besucher. Can‘t Fight This Feeling  tut sein übriges.


Der Rock als Musik tritt dann mehr in den Hintergrund und der Rock von Anna Maria Kaufmann – oder was dieses Kate Bush-Gedächtnis-Teil ist, das um ihre Hüften weht – tritt in den Vordergrund. Und somit wird‘s eher “klassisch“.  Zunächst beschwört Frau Kaufmann das Last Unicorn um dann mit SWEET-Sänger Pete Lincoln im Duett das Phantom der Oper  zu erwecken. Nun ja, wer‘s mag und das sind doch erschreckend viele.

Um den Bogen zum Rock, also dem Rock zurück zu spannen, hängt sich die MATT SINNER BAND dann bei Here I Go Again wieder rein. Hätt‘ vielleicht auch was weniger abgeschmacktes sein dürfen, aber so singt das Publikum wenigstens mit.

Nachdem sich THIN LIZZY mit Jailbreak zurückgemeldet haben, lässt sich Ricky Warwick ein Glas Whiskey reichen. Der Wink mit so einer Pallisade von Zaunpfählen versteht wohl so ziemlich jeder und natürlich folgt nun Whiskey In The Jar. Ich bin ja vom Sound nicht so ganz begeistert, vor allem LIZZY hätte den Orchester-Bombast nicht gebraucht. Zumal die Gitarrensoli sich da schwer abheben. Ist hier und das aber vielleicht auch nicht ganz verkehrt, denn ich bin mir nicht sicher, ob sich Gorham etwas schludrig verhält. Sei‘s drum.

Nachdem die Stimmbänder des Publikums ordentlich angewärmt sind, unterstützt es auch Mike Reno gehörig bei den LOVERBOY-Hits Lovin‘ Every Minute Of It und dem unvermeidlichen Turn Me Loose. Ich hier denke ich, dass sich Reno da ganz schön durchmogelt, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut.

Diese steigt noch weiter, wenn Andy Scott und Pete Lincoln als SWEET-Repräsentanten die Glam-Reißer Ballroom Blitz und Fox On The Run auf die Bühne bringen. Obwohl mir die Songs orchestral zu überfrachtet sind, ist jetzt Partystimmung im Saal. Da kreist auch manch künstliche Hüfte munter mit.


Und zum Mitsingen gibt‘s noch mehr, als Kevin Cronin zurück kommt. Der zeigt sich einigermaßen verwundert, dass Matt Sinner darum gebeten hat, doch Keep The Fire Burnin‘ zu spielen. Anscheinend wusste Cronin nicht, wie beliebt der REO SPEEDWAGON-Song in Deutschland war und ist. Erneut macht es richtig Spaß, wie Cronin unverkrampft und jungenhaft über die Bühne hüpft und dabei noch richtig gut singt. Roll With The Changes rockt sogar richtig gut, aber natürlich beschließt eine der großen Balladen sein zweites Intermezzo: Keep On Loving YouI!

Dem Symphonieorchesterist es vorbehalten nun auf das anstehende Finale vorzubereiten.

Schließlich geht es auf 22 Uhr zu und es steht ja noch ein Gast aus. Die Gitarristen haben sich stilgerecht von ihren Les Pauls getrennt und die Stratocaster umgeschnallt und während das Orchester Akkorde aus bekannten DEEP PURPLE-Nummer spielt, brodelt es natürlich im Saal und dann ist es soweit: The Voice of DEEP PURPLE betritt im Anzug die Bühne. Wie könnte es anders sein, beginnt Ian Gillan seinen Auftitt mit Highway Star. Klar rockt das gleich richtig gut. Das Gillan nicht mehr die Stimme von 1972 hat, und die Musiker um ihn – bei allem Können – nicht an Blackmore und Lord reichen, wer will es ihnen ankreiden?

Gillan entledigt sich seines Jackets nach dem ersten Lied und zeigt sich als routinierter Showman, der locker mit dem Publikum plaudert, jederzeit eine kleine Anekdote (etwa über seine Deutschkenntnisse) parat hat oder erzählt wo er mit Roger Glover den Text zu Black Night geschreiben hat.

Vielleicht etwas unerwartet folgt mit Anya, vom “The Battle Rages On“-Album, ein Titel neueren Datums (ja, ist auch bereits von 1993). Die eingängige Melodie und die Tatsache, dass hier das Orchester natürlich gut agieren kann, lässt den Song aber doch zu einem Highlight werden.

Dem mit When A Blind Cries ein weiteres folgt. Klar, in solchen Balladen Gillan auch stimmlich noch überzeugen und wenn er nebenbei mal kurz auf seine Zeit bei BLACK SABBATH verweist – an die er, laut eigenem Bekunden, keine Erinnerung hat – hat er Lacher wie Sympathien auf seiner Seite.

Es geht stramm auf 22.30 Uhr zu und so nähert man sich dem Höhepunkt. Den Boden dafür bereitet Perfect Strangers (auch hier weiß Ian eine kurze Geschichte zur Reunion zu erzählen) und noch einmal kann man der Kombination Klassik und Rock lauschen und sich daran erfreuen, denn auch hier passt das gut zusammen.

Zum finalen Happening finden sich alle Protagonisten wieder auf der Bühne ein und was könnte jetzt anderes kommen als Smoke On The Water? Da hat jeder seinen Spaß, man wirft sich die verschiedenen Gesangs- und Instrumental-Parts zu und erfreut sich an sich und dem ganzen Drumherum.

Letztlich hat es was von einem Familien- oder Klassentreffen, man nimmt nicht mehr alles so genau, man freut sich, dass man noch dabei sein und das erleben darf und so gehen am Schluss wohl alle beteiligten zufrieden nach Hause. Bis zum nächsten Jahr dann. Und Grüße an die Frau Gemahlin.

(Fotos : Epi Schmidt)

 

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