Reinhard Mey

Dann mach's gut - live

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 19.05.2015
Jahr: 2015
Stil: Liedermacher

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Reinhard Mey
Dann mach's gut - live, Universal Music, 2015
Reinhard MeyGesang, Gitarre
Produziert von: Manfred Leuchter Länge: 131 Min 46 Sek Medium: CD
CD 1:
01. N'Abend07. Der Biker
02. Freundliche Gesichter08. Gute Kühe kommen in den Himmel
03. Spielmann09. Alter Freund
04. Wolle10. Danke, liebe gute Fee
05. Wenn du bei mir bist11. Lass nun ruhig los das Ruder
06. Ich liebe dich
CD 2:
01. Das Narrenschiff08. Das Taschentuch
02. Fahr dein Schiffchen durch ein Meer von Kerzen09. Dann mach's gut
03. Kleiner Kamerad10. Ein Stück Musik von Hand gemacht
04. Vaters Mantel11. Man kann nicht immer nur die Wahrheit sagen
05. Lilienthals Traum12. Viertel vor sieben
06. Über den Wolken13. Gute Nacht Freunde
07. Spangen und Schleifen und Bänder

“Dem einen sitzt meine Nase zu weit links im Gesicht,
Zu weit rechts erscheint sie dem anderen und das gefällt ihm nicht.
Und flugs ergreift das Wort der Dritte
Und der bemerkt alsdann:
Sie sitzt zu sehr in der Mitte
Und ich sollt‘ was ändern daran.
Und ich bedenk‘, was ein jeder zu sagen hat,
Und schweig‘ fein still,
Und setz‘ mich auf mein achtel Lorbeerblatt
Und mache, was ich will.

Und er macht heute noch, was er will: Reinhard Mey. Diese Zeilen aus seinem Lied Mein achtel Lorbeerblatt bekommen wir auf seinem neuen Live-Album zwar nicht zu hören, aber in gewisser Weise symptomatisch für sein Leben und seine Karriere scheinen sie mir zu stehen und sollen deswegen dieses Review einleiten.
Deutschlands letzter Troubadour? Vielleicht. Mit über 70 Jahren fasziniert der Liedermacher, der “Spielmann“, wie er sich im gleichnamigen Lied sieht, immer noch mit seinen Texten, seinem Witz, seiner Wortwahl und seinem wachen Geist. Jener Geist, der ihn über den Tellerrand blicken lässt, der sich selbst kritisch und ironisch betrachtet und seine Umwelt, in unterschiedlichsten Facetten, wahrnimmt, vertont und “in Szene“ setzt. Ich kann nicht behaupten, ein enger Verfolger seiner fast 50jährigen Karriere gewesen zu sein, aber schon Mitte der 70er haben mich seine Lieder, deren Inhalt sich mir oft nicht erschloss, beeindruckt. Texte, wie die Diplomatenjagd, Ankomme Freitag, den 13., Die heiße Schlacht am kalten Büffet oder Musikanten sind in der Stadt, oft in rasantem Tempo, immer mit klarer Stimme vorgetragen, als wollte sie sicher gehen, dass jeder Buchstabe seinen Weg ins Ohr des Zuhörers findet, waren und sind Geschichten, denen man lauschen muss, denen man sich nicht entziehen kann, bevor sie vorbei sind.

Es ist vielleicht schwer vorstellbar, aber Reinhard Mey hat dieses Talent auch heutzutage noch, wie seine im letzten Jahr – nach mehrjähriger Bühnenabstinenz – aufgenommenes Live-Album “Dann mach’s gut“ deutlich unterstreicht.
Die Stimme verständlicherweise etwas brüchiger, nicht mehr ganz so kräftig, aber die Worte gewichtig, spöttisch, witzig, tatsächlich oder vermeintlich autobiografisch, immer in ihren Bann ziehend. Kein Lied, welches man vorher verlassen möchte, aus Angst, die Pointe, das “Endergebnis“ zu verpassen. “Spielmann will ich sein, bis zum Tag des Jüngsten Gerichts“, singt Mey und falls es bis dahin nicht reicht, wird er es auf jeden Fall zeitlebens sein.
Zu viele Lieder haben sich in seiner Karriere angesammelt, als dass es viele aus den ersten Jahrzehnten hierher schaffen können (zumal schon auf diversen Live-Mitschnitten vertreten), doch mit Kleiner Kamerad, Freundliche Gesichter und den unvermeidlichen Über den Wolken und Gute Nacht Freunde haben es doch ein paar Fanfavoriten gepackt.
Das Schwergewicht bilden die Lieder aus seinem 2013er Album “Dann mach’s gut“, auf dem sich mit persönliche Botschaften an seinen verstorbenen Sohn finden (Dann mach’s gut), an Sangeskollegen (Wolle), witzig-gesellschaftskritisches, und mit Gute Kühe kommen in den Himmel auch Lieder, bei dem der Sänger das mitklatschwillige Publikum auch schon einmal (“Oh, das bringt mich jetzt aber …. ich wechsle öfter mal das Tempo“) ausbremsen muss.

Auch in der Ode an den Wein, Alter Freund, finden sich kleine Weisheiten: “Wen der Wein zum Schwein macht, der war auch vorher schon ein Schwein“, und diverse Anregungen zum Überdenken der eigenen Wünsche liefert Danke, liebe gute Fee.
Das aufmerksame und belesene Publikum erkennt Lieder wie Das Narrenschiff schon an der gehaucht-gepfiffenen Einleitung und beklatscht Lieder ebenso wie humorige Vorträge. Und natürlich, wenn Reinhard ankündigt: “Das ist ein altes Lied, aber ich möchte, dass es neu bleibt und deshalb singe ich es nur alle zehn Jahre. Heute ist so ein Tag.“ und Über den Wolken in seiner eigentlichen Version erklingt, die nach all der der “Mallorca-Ballerei“ schon fast in Vergessenheit geriet.
Vielen war Reinhard Mey ein lebenslanger musikalischer Begleiter, mir nur ein entfernter Bekannter. Ich glaube, ich höre künftig öfter mal hin, schau hin und wieder vorbei, für Ein Stück Musik von Hand gemacht, den Rat Man kann nicht immer nur die Wahrheit sagen, zwischen Viertel vor sieben und Gute Nacht Freunde.
Und bis ich wieder vorbei schaue, sag‘ ich zum Reinhard: “Dann mach’s gut“.

Epi Schmidt, 16.05.2015

 

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