Nena

Würzburg, Posthalle, 18.03.2015

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Konzertbericht

Reviewdatum: 24.03.2015
Stil: Deutsch-Pop/Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Nena,
Würzburg, Posthalle, 18.03.2015

Nena auf "Oldschool"-Tour und das in Würzburg, wo ich das Mädel letztmals vor gut 30 Jahren auf der Bühne sah. War damals ein Open-Air und, soweit ich mich erinnere, spielten da u.a. noch Gary Moore und die LITTLE RIVER BAND und als Headliner Chris de Burgh. Ja, die 80er waren schon besondere Jahre. Wir sind damals zu Beginn von Chris de Burgh gegangen. Das war dann live doch zu lahmarschig. Nena spielte noch zu Tageslicht als glühender Verehrer war ich da natürlich dabei.
Heutzutage gibt’s immer noch glühende Verehrer/innen, die allerdings die Posthalle – obwohl auf maximal ein Viertel der möglichen Größe abgetrennt – nur sehr locker füllen. Das sind keine 1.000 Leute, die sich hier versammeln. Naja, man will ja auch auf “Clubtour“ gehen, wobei 65,- € Euro Eintritt wohl weder club-mäßig, noch “oldschool‘‘ sind.
Auf ein paar gute Bilder hatte ich zumindest gehofft, aber dass dann noch das Häuflein Fotografen, statt vor die Bühne, ans Ende des Konzertraumes und auf ein halbmeterhohes Podest gequetscht wird und die zwei (in Worten: “Zwei“!) zugestandenen “Fotolieder“ praktisch bei dunkler Bühne stattfinden, ist gelinde gesagt, eine Frechheit.
Von weitem sieht man zunächst wenig mehr, als Nenas lichtumrandete Gitarre und der Sound ist auch recht Bass’n’Drums-lastig. Was aber nichts an der Begeisterung der Besucher ändert, die, wiewohl überwiegend an Jahren durchaus in Nenas Bereich , absolut happy auf die Sängerin reagieren.

Die Sängerin selbst (re)agiert… wie sie eigentlich seit eh und je reagiert: Mit einer leicht kindlichen Naivität und einem jugendlichen Charme, den sie anscheinend abonniert hat. Als würde sie all das, das erste Mal erleben, als wäre sie ob der Zuschauermenge überrascht und immer noch selbst erstaunt darüber, vor dieser auf der Bühne ihrer Lieder präsentieren zu dürfen. Und man nimmt ihr das irgendwie ab! Diese Lieder von Früher kommen einfach am besten, wenn sie entsprechend Berufsjugendlich rübergebracht werden.
Obwohl nahezu das komplette neue Album präsentiert wird, sind es doch und natürlich die “Lieder von Früher“, die für die größte Begeisterung sorgen. Da brauchen nur die Worte “Heimliche Blicke…“ Nenas Lippen zu verlassen und geschätzte 75% der Anwesenden können die Zeile mit “…folgen meiner Seele“ fortsetzen, oder wissen zumindest, dass es sich bei Zaubertrick um einen ganz, ganz frühen NENA-Song handelt (1. Album).
Bei solchen Nummern kommt der Sound auch besser, weil nicht so basslastig und mehr melodiebetont. Dass bekommt dem ersten richtigen Hit, Nur geträumt ebenso, wie dem späteren Willst Du mit mir gehen. Älter ist nur noch Ecstasy, welches noch aus THE STRIPES-Zeiten stammt.

Den wenigen Platz auf der Bühne nutzt die Sängerin aus, mal mit, mal ohne Gitarre über der Schulter, wobei mir persönlich insgesamt zu wenig Gitarre zu hören ist. Da dominieren doch besagte Rhythmus-Instrumente und die Klänge und Beats vom Keyboard, bzw. aus der Retorte. Aber Nena hat Spaß und wir mit ihr. Auch wenn es zwischendurch mal melancholischer wird, wie bei dem, wohl nur Käufern der Deluxe-Version des neuen Albums bekannten, etwas traurigen Ein Wort. Schließlich folgt ja darauf Sonnemond, mit den Versprechen “ Ich weiß, es wird ein schöner Tag, weil ich ihn zu einem schönen Tag mache“ und “Und ich weiß es wird eine lange Nacht…“. Und für uns kann sie ruhig lange sein, zumal mit Songs wie Leuchtturm! Da ist der Posthallen-Chor aber wieder in Hochform: “A-ah-haa…“.

So experimentell, wie in Peter Pan bräuchte es für mich nicht zu sein, aber mit dem punkrockigen Berufsjugendlich gibt’s kurz darauf die Entschädigung.
Ja es pendelt zwischen Klassikern und neuen Songs, jedoch größtenteils geschickt gemischt und Nenas Art wirkt einfach ansteckend. Direkt unschuldig werden neue Songs wie Magie und Genau Jetzt angekündigt, auch mal akustisch interpretiert, als käme es ihr gerade so in den Sinn. So schweben auch die 99 Luftballons fast unvermutet heran und steigern sich zum Ende in den Mitsing-Chorus von Hey Jude. Klasse gemacht, da gibt’s nichts.
Nach etwas über einer Stunde verkündet Nena eine kurze Pause. Aha, es wird also doch länger heute.

Auch die zweite Hälfte bleibt beim munteren Potpourri aus Alt und Neu. Oldschool, als Motto der Tour, darf nicht fehlen und auch die Hommage an das einst verlorene Kind, Bruder, kommt im Programm unter. Irgendwie lebt die Stimmung trotz solcher Lieder immer wieder auf, wird immer besser. Klar, bei Wunder gescheh’n oder Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann bleibt kein Mund verschlossen und kein Arm ungeschwenkt. Unversehens findet sich ein Udo Lindenberg-Clone (Clown?) aus dem Publikum auf der Bühne wieder (Nena, leicht amüsiert: “Dass Du mal wieder vorbei schaust“) und alsbald winkt Nena noch mehr Fans nach Oben. So wird es reichlich eng, “Selfies“ werden geschossen und das reinste Happening findet statt. Was sie mit den “gerufenen Geistern“ nun anstellen soll, ist ihr wohl selber nicht so ganz klar. Also mal all hinsetzen und mit Schicksal die Emotionen runtergefahren.
Wie Nena selbst sagt, gibt es aber kein NENA-Konzert ohne ? und so stürzen wir uns ins Finale, mit den “Kopf voller Dingen, die man zu schnell vergisst…“. Dieser Abend wird sicher noch eine Weile in den Köpfen der Anwesenden bleiben. Bei mir nicht zuletzt, wegen dem abschließenden Lied, mit dem sie an den einstigen Weggefährten und 2002 verstorbenen NENA-Gitarristen Carlo Karges erinnert und das gemeinsam verfasste Zusammen spielt. Gerne hätte ich den Gitarristen John Andrews öfter so präsent gehört, wie hier am Schluss. Na ja, dafür bin ich vielleicht ein bisschen zu sehr “Oldschool“. Spaß gemacht hat’s trotzdem.

Epi Schmidt, 18.03.2015

 

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