Nazareth

Die Nazareth Mafia

( English translation by Google Translation by Google )

Interview

Reviewdatum: 21.06.2008

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Nazareth
Die Nazareth Mafia, Interview

Im Vorfeld des "Würth Open Air 2008" wurde mir, durch die freundliche Vermittlung von Iris Klabunde von cmm-consulting, die Möglichkeit geschaffen, ein Interview mit NAZARETH zu führen. Mit einer Rocklegende!
Da hält mich nix und bei brütender Hitze - und knapp in der Zeit - düse ich gen Künzelsau. Ein paar Langweiler sind auch noch unterwegs, die es zu überholen gilt, und so zählt meine Freundin drei Blitzgeräte, die mich angeblich erfasst haben (Die Post dazu steht noch aus). Kurz nach dem vereinbarten Termin stürme ich ins 4-Sterne "Panorama Hotel Waldenburg", in dem, auf Wunsch der Band, das Interview stattfinden soll. Für Umziehen bleibt mir keine Zeit und so steche ich mit meiner kurzen schwarzen Hose, meinem abgeschnittenen Keith-Richards-T-Shirt und alter Jeansjacke durchaus aus den Anzug-und-Krawatte-Typen, die ansonsten die Lobby bevölkern, heraus.
Was auch seine Vorteile hat, denn der herbeischlendernde Dan McCafferty erkennt mich so umgehend und leitet mich zu seinem Tisch, den er schon mit einer Tasse Kaffee und einen Cognac "präpariert" hat. Das kühle Bierchen, welches er für mich beim Kellner ordert kommt mir genau recht.

Interview Nazareth

Hooked On Music: Hallo Dan, wieder mal in Deutschland. Hier ward ihr immer sehr erfolgreich. Was denkst du ist der Grund dafür?

Dan McCafferty: Ja, das stimmt. Ich denke, das liegt daran, dass die Leute sich mit unserer Musik identifizieren können.

HoM: Nun, ihr seit auf eurer "40th Anniversary Tour". So viele Jahre. Jeder Ort wurde (nahezu) besucht, jede Frage gestellt, jeder Song etliche Male gespielt. Was hält euch am Laufen?

D.M.: Ganz einfach: Wir mögen was wir tun. Wir mögen zu spielen, aber auch zu reisen.

HoM: Gab es eine Zeit, als ihr daran dachtet, aufzuhören?

D.M.: Nein. Nicht wirklich.

HoM: Was gefällt euch heutzutage besser? Mehr die kleinen Clubs oder doch die großen Bühnen, wie heute Abend beim "Würth Open Air"?

D.M.: Das ist uns eigentlich egal, solange das Publikum gut drauf ist und die Show genießt. Es ist egal, wo das ist. Es ist sogar egal, in welchem Land das ist.

HoM: Wie wählt ihr die Songs für eure Setlist aus? Ihr seid schon so lange im Geschäft, dass es nicht einfach sein wird....

D.M.: Stimmt, es ist wirklich schwierig. Wir versuchen immer mal was zu ändern, denn die Leute, die uns letztes Jahr gesehen haben, wollen ja nicht das Gleiche wieder hören. Aber bestimmte Songs - ich würde sagen 50% des Programms - müssen wir spielen. Wie This Flight Tonight oder Hair Of The Dog, Dream On, Love Hurts

HoM: Kannst du dich denn an all die Texte erinnern?

D.M.: Ja, an die meisten.

HoM: Von jedem Song?

D.M.: Nein, nein, das nicht. Wir haben ja Jimmy (Murrison, Gitarrist) und Lee (Agnew, Schlagzeuger) in der Band und die kommen oft mit irgendwelchen obskuren Songs von einem Album an und wollen das spielen. Und Pete (Agnew, Bassist, Originalmitglied) und ich schauen uns an: Das haben wir noch nie live gespielt. Das müssen wir uns dann selbst noch mal anhören und neu lernen.

HoM: Wenn man in ein gewisses Alter kommt, kommt es auch häufiger vor, dass Menschen, die man kennt, sterben. Man verliert Freunde, Familienmitglieder, Bandmitglieder.....
Als Darrell (Sweet, Schlagzeuger, Originalmitglied) vor fast 10 Jahren starb, wart ihr da im Zweifel ob und wie es weitergehen sollte?

D.M.: Ja, das war eine furchtbare Zeit, denn wir waren ja schließlich über 30 Jahre zusammen. Da dachten wir schon, was sollen wir nun machen. Aber Darrell liebte es zu spielen und er wollte genauso, dass wir weitermachen, wie wir auch gar nichts anderes hätten machen können.

HoM: Wie kam es dazu, dass Petes Sohn den Schlagzeugstuhl übernahm?

D.M.: Tatsächlich war Lee einer von Darrells Lieblingsschlagzeugern! Er spielte in keiner Band sondern ging mit uns auf Tour und machte den Schlagzeugtechniker. Er spielte auch Percussion auf ein paar unserer Alben. Es war also fast eine natürliche Folge, dass er, der unsere Songs ja alle kannte, Darrells Platz einnahm. Die Songs hat er ja wahrscheinlich schon gehört, bevor er geboren wurde (lacht).
Mit Jimmy und Lee zwei jüngere Musiker in der Band zu haben ist auch sehr von Vorteil, denn sie sind ständig am Suchen, hinterfragen dies und das, sagen: Lass uns das einmal probieren. Das ist klasse.

HoM: Es gibt ja etliche Bands, die auf jüngere Musiker - auch Familienmitglieder - zurückgreifen. Die ALLMAN BROTHERS BAND , heute Abend spielt ihr zusammen mit UFO, bei denen jetzt Vinnie Moore die Gitarre spielt. TEN YEARS AFTER sind auch immer noch dabei, inzwischen mit Joe Gooch an der Gitarre...

D.M.: Ja, das stimmt. Jimmy ist ja inzwischen schon 14 Jahre bei uns und wir sind sehr, sehr glücklich mit ihm. Nachdem Manny (Charlton, Gitarrist, Originalmitglied) die Band verlassen hatte, kam ja Billy (Rankin), aber der wahr dann auch irgendwie auch nicht so zufrieden in der Band und Jimmy macht es offenbar nach wie vor Spaß und er liebt es, mit uns zu spielen.

HoM: Hast du/ihr denn mit Manny Charlton seit der Trennung mal wieder gespielt oder ihn getroffen?

D.M.: Nein, gespielt nicht. Aber getroffen natürlich mehrfach. Er kam auch ab und zu vorbei, wenn wir einen Auftritt hatten.

HoM: Das 40. Bandjubiläum wäre ja eine gute Gelegenheit gewesen mal zusammen aufzutreten...

D.M.: Mmh..., na ja, er ist ja in Amerika mit seiner eigenen Band unterwegs, nutzt aber unseren Namen dazu...., zusammen mit ein paar Amerikanern. Das finden wir nat?rlich nicht so toll. Ich meine, etliche Leute dort wissen vielleicht nicht mal die Namen der Originalmitglieder und k?nnen so gar nicht wissen, welche Version der Band sie denn jetzt zu sehen bekommen. Ich sch?tze mal, da gibt's so schnell keinen Weg f?r uns zusammen auf der B?hne.

HoM: Im letzten Jahr hatten wir ein nicht so erfreuliches Jubiläum: 30 Jahre nach dem Flugzeugabsturz von LYNYRD SKNYRD 1977. Wart ihr nicht zu dem Zeitpunkt mit ihnen auf Tour?

D.M.: Ja, tatsächlich, das stimmt. Wir spielten zusammen mit ihnen in Gainesville, North Carolina und Artymus, ihr Schlagzeuger, war gerade Vater geworden und lud uns ein zu der Feier zu kommen, bei der die ganz Band war und eben auch in ihrem Flugzeug mitzufliegen. Wir bedankten und, aber wir verließen die Party früher, da wir noch verschiedene Sachen zu erledigen hatten, Presseverpflichtungen und so was und wir flogen dann eben mit einer regulären Linienmaschine. Wir erhielten die Nachricht vom Absturz der Maschine dann im Hotel und bei uns zu Hause kriegten sie das ja auch mit und die wussten ja, dass wir mit Skynyrd auf Tour waren, und hatten natürlich einen Riesenschock zunächst.
Es war schon eine furchtbare Sache.

HoM: Die Flugzeuge damals waren wohl auch nicht mit den Heutigen zu vergleichen.

D.M.: Oh nein. Und Skynyrds Maschine schon gar nicht. Die war in einem sehr schlechten Zustand. Mal abgesehen davon, dass diese Typen auch nicht gerade die bravsten Jungs waren....
Wir spielten dann in Florida und die überlebenden Mitglieder kamen vorbei um uns zu sehen. Ich glaube, ab da waren sie nicht mehr so verrückt drauf.

HoM: Ihr habt ein neues Album draußen, mit teilweise sehr unterschiedlichen Songs darauf. Wurden alle Songs speziell für dieses Album geschrieben oder sind da auch ältere Sachen dabei?

D.M.: Nein, die wurden alle für dieses Album geschrieben. Und wir wollten auch verschieden Stile drin haben, denn jeder in der Band hat einen anderen Geschmack. Aber wir sind NAZARETH und wir haben immer sehr verschiedene Songs auf unseren Alben gehabt. Ich mag z.B. Songs wie Razamanaz, aber ich will ja den Song nicht kopieren, also schrieb ich Liar. Es sollte sich jedenfalls jeder mit einbringen und wenn nicht alle hinter einem Song standen, wurde er auch nicht auf das Album genommen. Oder er wurde überarbeitet.

HoM: Auf eurer Homepage schreibst du, dein Lieblingssänger aller Zeiten sei Otis Redding. Nun ist das aber ein Soul/R&B-Sänger. Wie sieht es im Rockbusiness aus?

D.M.: Oh je, da kann man keinen Einzelnen nennen. Ian Gillan auf jeden Fall, Paul Rodgers, Frankie Miller..., es gibt Dutzende. Bon Scott...

HoM: Das ist ein gutes Stichwort: Es gibt das Gerücht, du hättest, als Bon Scott starb, ein Angebot bekommen, bei AC/DC einzusteigen. Ist da was Wahres dran?

D.M.: Nein. Ich bin auch froh darüber und mit Brian Johnson haben sie ja den perfekten Nachfolger gefunden.

HoM: Irgendwie scheine ich ja ein Faible für schottische Sänger zu haben: Frankie Miller, Rod Stewart, Bon Scott hat wohl auch schottische Wurzeln...und du natürlich. Was ist das Besondere an den schottischen Sängern? Ist es wirklich der Whiskey?

D.M.: Nun, ich denke, es hängt damit zusammen, dass Schottland einfach ein Arbeiterland ist. Und die Art wie die Menschen aufwachsen, ihre Entwicklung, Kohlearbeiter, Schiffsbauer..., das erfordert auch eine gewisse Stärke und das hat sich vielleicht auch in mancher Stimme niedergeschlagen.

HoM: Gibt es Entscheidungen im Verlauf eurer Karriere, die du bereust. Die du ändern würdest, wenn du es könntest?

D.M.: Ja, natürlich, da gäbe es schon ein paar Sachen. Hauptsächlich finanzielle Geschichten, bei denen ich gerippt wurde, aber im Großen und Ganzen kann ich eigentlich zufrieden sein. Ich hatte ein glückliches und erfolgreiches Musikerleben. Ich meine, jeder macht Fehler.

HoM: Mit Love Hurts und Dream On hattet ihr Riesenhits, die euch auch zu einer Pop-Balladen Band hätten werden lassen können. Was bewahrte euch davor?

D.M.: Ach, wir hatten immer verschiedene und auch softere Songs auf unseren Alben, aber sie klangen trotzdem immer wie NAZARETH. Die andere Seite ist die, dass unsere Rocksongs nicht im Radio gespielt wurden und dieses Songs waren halt radiofreundlicher. Obwohl sie immer noch ein bisschen rockig waren. Das hat uns natürlich schon eine Menge geholfen.

HoM: Auf dem "Move Me" Album hattet ihr ein paar Akustikversionen mit drauf. Gab es jemals die Idee ein ganzes Akustikalbum zu machen?

D.M.: Nein, nie. Billy hatte damals die Idee dazu und er was gerade in Mode. Hat Spaß gemacht, aber ein ganzes Album? Nein, kann ich mir nicht vorstellen.

HoM:Wer kam eigentlich auf die Idee, die Band NAZARETH zu nennen? Gibt's irgendwelche religiösen Hintergründe?

D.M.: (Lacht) Nein. Das stammt aus dem Song The Weight von THE BAND. Wir suchten damals nach einem Namen und dachten über Hunderte nach. Dann kam Pete mit dieser Idee, ich schrieb den Namen nieder, es sah gut aus und das war es.

HoM: Ein weiterer Hit von euch war This Flight Tonight. Im Original von Joni Mitchell, der allerdings bei euch einiges anders klingt. Wie kamt ihr auf den Song?

D.M.: Damals hatte jeder von uns selbst aufgenommene Kassetten auf Tour dabei und irgendwie tauchte dieser Song immer wieder bei uns allen auf. Also dachten wir, wir sollten den aufnehmen. Joni hat unsere Version auch gefallen. Leider war es ihr nicht möglich einen NAZARETH-Song aufzunehmen. (Lacht)

Inzwischen gesellt sich Bassist Pete Agnew zu uns und informiert Dan McCafferty, das sie zu einem Zeitpunkt spielen werden, wenn die Sonne genau auf die Bühne scheinen wird und es mächtig heiß werden wird. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt die Reihenfolge der Bands noch nicht klar. Die Jungs müssen sich auf den Weg machen.

HoM: Ok, letzte Frage: Nachdem dein Sohn schon bei euch Schlagzeug spielt, habt ihr noch weitere Kinder, die eines Tages einspringen können?

Pete Agnew: Nun, Stevie ist ein Sänger und Gitarrist, Stuart, der Jüngste, spielt Piano und einer spielt auch Bass. Also wenn Dan oder ein anderer aufhört, hätte ich doch gern meine Cousins mit auf Tour. Das ist ein Familiengeschäft.

Dan McCafferty.: Wie bei der Mafia.(Lacht)

Pete Agnew.: Die NAZARETH Mafia! (Lacht)

HoM: Zeit mich zu verabschieden. Vielen Dank fürs Gespräch und eine gute Show heute Abend!

 

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