Muddy Waters

Live

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 09.05.2007
Jahr: 2003

Links:

Muddy Waters Homepage

Muddy Waters @ facebook

Muddy Waters @ twitter



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Muddy Waters
Muddy "Mississippi" Waters Live, Sony Music/Legacy Recordings, 2003 (1979)
"Harry Hopes":
Muddy Waters Guitar, Vocals
Jerry Portnoy Harmonica
Luther "Guitar Jr." Johnson Guitar
Bob Margolin Guitar
Calvin Jones Bass
Pinetop Perkins Piano
Willie "Big Eyes" Smith Drums
"Masonic Auditorium":
Muddy Waters Guitar, Vocals
Johnny Winter Guitar
Luther "Guitar Jr." Johnson Guitar
Bob Margolin Guitar
Charles Calmese Bass
Pinetop Perkins Piano
Willie "Big Eyes" Smith Drums
Länge: 100 Min 42 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Mannish Boy5. Howling Wolf
2. She's Nineteen Years Old6. Baby Please Don't Go
3. Nine Below Zero7. Deep Down In Florida
4. Streamline Woman
CD 2:
1. Medley: After Hours / Stormy Monday Blues7. Kansas City
2. Trouble No More8. Pinetop's Boogie Woogie
3. Champagne & Reefer9. Mad Love (I Want You To Love Me)
4. Corrina, Corrina10. Everything's Gonna Be Alright
5. Hoochie Cochie Man11. Got My Mojo Working
6. She Moves Me

Es gibt zwar eine große Anzahl von essentiellen Blues-Platten, aber nur wenige davon sind Live-Alben. Ich meine jetzt nicht alte Solo-Aufnahmen von Robert Johnson oder auch neuere von John Lee Hooker, die natürlich auch "live" eingespielt wurden, sondern mit kompletter Band bei einem Konzert aufgenommene. Zwei der besten und wichtigsten Scheiben stammen von, wie könnte es anders sein, Muddy Waters.
Dazu gehört natürlich "Muddy Waters At Newport" von 1960. Kein ernsthafter Blues-Fan wird freiwillig zugeben, die nicht im Schrank stehen zu haben. Und dann, ebenso selbstverständlich: "Muddy 'Mississippi Waters Live" aus dem Jahr 1979.
Mitte der 70er wechselte Muddy Waters vom Chess-Label zu Blue Sky Records und nicht zuletzt durch die Unterstützung von Johnny Winter wurden die vier dort produzierten LPs zu Klassikern. Bereits für "Hard Again" konnte Muddy einen Grammy entgegennehmen und das konnte er dann auch für "Muddy 'Mississippi' Waters Live".

Ich war ja schon sehr angetan von der Arbeit die Sony/Legacy bei der Wiederveröffentlichung von "Sweetheart Of The Rodeo" von THE BYRDS gemacht hat und gleiches kann ich über diese Edition hier sagen.

Gitarrist Bob Margolin war von Anfang an in dieses Projekt involviert und hat wohl dazu beigetragen, dass man meint man würde direkt vor der Bühne sitzen. So deutlich und mitreißend kommen die Töne aus den Lautsprechern. Schon die damalige Produktion durch Johnny Winter lies Muddy Waters in einem neuen Licht erscheinen, aber hier wird noch mal ein gehöriges Pfund drauf gepackt.
Entsprechende Lautstärke vorausgesetzt - DAS ist ein Live-Album! Das kann man nicht einfach so im Hintergrund dudeln lassen!

Die erste CD reproduziert die damalige Live-Scheibe in gewohntem Ablauf, deren Aufnahmen ja aus zwei verschiedenen Konzerten stammen. Welches Feuer die Band im jeweiligen Publikum entfacht hat, lässt sich aus den enthusiastischen Zurufen und dem Beifall heraus hören, der immer wieder aufbrandet. Wenige konnten mit einem Slow-Blues wie Streamline Woman so eine Begeisterung erzeugen.
Wie bereits in She's Nineteen Years Old kann man hier in bestechender Qualität hören, welch einzigartiger Slide-Gitarrist Muddy Waters war. Das wird oftmals nicht so wahrgenommen oder vielleicht sogar von manchen als unbedeutend abgetan, aber: Es haben bestimmt nicht wenige versucht und trotzdem hab ich noch keinen gehört, der es geschafft hat wie Muddy Waters zu klingen!
Auch die anderen Musiker profitieren von der neuen Soundqualität. Sowohl die schneidenden Harp-Soli von Jerry Portnoy als auch die, zeitweilig, drei Gitarristen.

Eine weitere Offenbarung erschließt sich dem Hörer und Fan mit der zweiten CD.
Die Songs auf dieser CD wurden alle bei den Auftritten im "Harry Hope's" am 25. und 26. August 1978 aufgenommen und waren bisher unveröffentlicht.
Schon bei After Hours / Stormy Monday Blues fühlt man sich in einen Blues-Club versetzt wenn Muddy für den zweiten Set des Abends die Bühne betritt und - während die Band schon spielt - seine Mikrofonlautstärke testet. Wie Bob Margolin in seinen ausführlichen Liner-Notes erzählt, war da schon einiges von Muddys bevorzugten Champagner und "maybe a little reefer too" im Spiel. Keine Sorge, Ausfälle sind keine zu verzeichnen, im Gegenteil, es scheint die ganze Band erst recht in Fahrt zu bringen.

Warum die ALLMAN BROTHERS BAND von Trouble No More so begeistert war, dass sie den Song in ihr Repertoire aufnahmen, kann man hier wieder mal hören.
Unverholen wird in Champagne & Reefer über Drogen philosophiert und die Euphorie lässt sich anhand dieser Aufnahme leicht nachfühlen. Der Song war zu diesem Zeitpunkt noch am entstehen und man hört wie Muddy den Text teilweise improvisiert.
Pinetop Perkins führt mit seinem herrlichen Bar-Piano durch Corrina Corrina und es macht richtig Freude, diesen Song von seinem Urheber Muddy Waters zu hören. Kurz nach dem Beginn des Songs weist Muddy mit einem mehrfachen "Down" die Band an leiser zu spielen, da er, wie meistens, ohne Monitor auftrat und seine Stimme von den Instrumenten übertönt fand.
Nachdem man sich auf der ersten CD an Mannish Boy erfreute, kriegt man dann mit Hoochie Coochie Man einen weiteren der bekanntesten Bluessongs geboten und auch hier zeigt sich wieder, dass die Songs live einfach am besten kommen.
Den Slow-Blues She Moves Me hat Herr Waters nicht oft live gespielt - dass er die Zügel bzw. seine typisch "jaulende" Slide-Gitarre trotzdem fest in der Hand hat ist klar. Er steigert sich hier sogar in einen regelrechten Spielrausch, was entsprechend vom Publikum gefeiert wird.
Dem hämmernden Piano-Intro zu Kansas City nach erwartet man eine schnellere Version, doch auch wenn's etwas gezügelter zugeht bleibt durch die Spielfreude der Musiker die Stimmung oben. Das liegt nicht zuletzt an den Soli, die die einzelnen Bandmitglieder hier vom Stapel lassen.
Jeder Pianist dürfte beeindruckt sein vom Spiel Pinetop Perkins' in Pinetop's Boogie Woogie, und nicht nur die, denn offensichtlich stachelte das u.a. auch Jerry Portnoy an der Harp gewaltig an. Der größte Teil des Spotlights gehört aber eindeutig diesem genialen Boogie-Pianisten.
Nach dem Slow-Blues Mad Love nimmt die Band mit Everything's Gonna Be Alright wieder Fahrt auf und auch der Sound nimmt an Rauheit zu. Muddy Waters stellt die einzelnen Bandmitglieder vor, die er mal als seine beste Band seit seiner Original-Band (mit Little Walter und Jimmy Rogers) bezeichnete: "tight as frog booty, and that's waterproof".
Mit einem ungewöhnlich schnellen Got My Mojo Working (um so mitreißender!) enden diese historischen, genialen Aufnahmen.

Wie bei den Legacy Editionen gewohnt, kommt diese Doppel-CD im mehrfach aufklappbaren Digi-Pack, mit zusätzlichem Schuber und dickem, ausführlichen Booklet. Somit ist für Ohr und Auge reichlich lohnendes Material geboten.

Noch eine kleine Geschichte am Rande: Vor ein paar Jahren rief mich Valere an, ein Kameruner Sänger der in Deutschland lebt, und bat mich, mit seiner Band aufzutreten. Wir kannten uns flüchtig durch meinen Bruder und dessen afrikanische Frau und ich hatte wenig bis keine Ahnung von der Musik des Afrikaners. Das Konzert war für Samstag geplant und am Dienstag zuvor kamen drei der Musiker aus Kamerun angereist, was uns noch Zeit lies für zwei Proben.
Natürlich kannte ich vorher keinen einzigen dieser Songs, aber ich leistete meinen kleinen Beitrag zum Gelingen des Konzertes im Bürgerhaus Böckingen. Zur Zugabe trat der Bassist der Band ans Mikrophon, begann einen treibenden Rhythmus, der für mich viel zugänglicher war als die vorherigen Lieder, ich stieg ein und bald hörte ich die ersten Worte des Textes: "I got my Mojo working, but it just don't work on you". Ich konnte es kaum glauben: Jean-Paul war zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal überhaupt aus Kamerun heraus und hier standen wir, ein schwarzer Bassist um die 50 und ein weißer Gitarrist Mitte 30, zusammen auf einer Bühne und spielten und sangen einen Song des großen Muddy Waters. Mit Sicherheit eines meiner unvergesslichsten Erlebnisse.

Epi Schmidt, 09.05.2007

 

(C) 2008 - 2022 by Hooked on Music