Mick Jagger

Mick Jagger - Rebell und Rockstar

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 18.05.2012
Jahr: 2012
Stil: Biografie
Verlag: Edel

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Mick Jagger
Mick Jagger - Rebell und Rockstar, Edel, 2012
von: Marc Spitz
ISBN: 978-3-8419-0122-7
Umfang: 332 Seiten
Preis: 24,95 € zzgl. Versandkosten

Das Bild, welches Karl Lagerfeld von Mick Jagger geschossen hat und welches das Cover dieses Buches ziert, gehört sicher zu den schönsten Fotos des ROLLING STONES-Sängers in den letzten Jahrzehnten. Allerdings scheint der "Rockstar" hier weniger den Mund aufzureißen um als "Rebell" dazustehen, sondern scheint sich eher eines Gähnens nicht erwehren zu können.
Ähnlich ergeht es mirzeitweise mit dem Buch von Marc Spitz. Der hat zwar eine - angeblich zur Pflichtlektüre gekrönte - David Bowies-Biografie geschrieben, aber für meinen Geschmack kratzt er hier nur an der Oberfläche herum und das "Phänomen Jagger" wird weder entschlüsselt noch dem Leser sonderlich fundiert oder neu rübergebracht.
Hier und da finden sich kleine Details, die "neu" zu sein scheinen, oder die man in den bisherigen Werken zu diesem Thema so nicht betrachtet oder beleuchtet hat, aber meist wird deutlich, dass es hier um Informationen aus zweiter oder dritter Hand geht und letztlich ist dabei eine Art "Fanbuch" herausgekommen. Weit entfernt von einer "Biografie des größten Rockstars aller Zeiten" (Weiterer "Untertitel": "Wer das Phänomen Mick Jagger verstehen will, muss dieses Buch lesen!"), wie es der Klappentext verkündet.

Von den leidigen aber heutzutage leider schon üblichen Rechtschreibfehlern - die sich hier sogar erfreulich in Grenzen halten - und den Übersetzungsfehlern (Auszug: "Wolfe arbeitete wunderbar heraus, dass Mick Jagger damals nicht nur für die Rolling Stones zum Aushängeschild geworden war, sondern auch für schnellen, frechen und harten Sixties generell." Hallo?!) - reitet Spitz oft genug auf "Nebenschauplätzen" herum. Fast ein ganzes Kapitel widmet er dem "Tankstellen-Pinkel-Vorfall" und verwendet dessen Überschrift, "Wir pissen, wo wir wollen, Mann", darin so häufig (wohl zehn, gefühlte zwanzig Mal), dass es schon unerträglich wird und liefert dazu noch eine sehr eigene Geschichte, die ich so noch nicht gelesen habe. Wobei er zugibt, dass sich die Geschichte "heute nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren lässt". Zumal nicht, wenn man offensichtlich von Mick oder den Mitgliedern der STONES wenig bis keine Unterstützung bei diesem Buch fand.
Ein richtiger Fluss der Geschichte will auch nicht aufkommen, denn oft genug werden angeschnittene Themen nicht ordentlich zu Ende gebracht oder erst einige Sätze später halb aufgelöst. Siehe die Umbenennung von As Time Goes By in As Tears Go By. Weiterhin fragt man sich, was man mit solch platten und nicht weiter ausgeführten Aussagen wie "In den späten 60ern war LSD als Mittel zur Bewussteinskontrolle sowohl von der amerikanischen als auch der britischen Regierung eingesetzt worden …" anfangen soll?

Irgendwie macht es auch wenig Sinn, wenn Spitz schreibt, sie - die STONES - hätten nach dem Erfolg von As Tears Go By auch langsame Songs wie You Better Move On ins Programm genommen. Obwohl ein paar Seiten vorher geschrieben steht, dass Time Is On My Side in der T.A.M.I. Show 1964 gespielt wurde, und im Übrigen You Better Move spätestens seit Anfang 1964 im Programm war.
Ein paar Ungereimtheiten finden sich also, aber andererseits gibt es solche in fast jeder "Biografie", wenn sie nicht vom Künstler selbst geschrieben wurde. Und selbst dann.
Im Verlauf des Buches - wenn die Abstände zur Vergangenheit kürzer werden - wird es auch besser und wenn Marc Spitz auch dann am besten ist, wenn er sich auf Zitate und Erfahrungen von anderen bezieht oder beruft, fördert er doch das ein oder andere Detail zutage, das sicher nicht jedem bekannt ist/war. Ob man nun eine ausführliche Betrachtung von Carly Simons You're So Vain benötigt (womöglich immer noch interessanter als eine Coverversion von Marilyn Manson), oder Hintergründe zur Zusammenarbeit mit Rick Rubin und dem nicht erschienen "Blues-Album" braucht, oder ob man sich ärgern will, dass wieder einmal sträflich verpasst wird - wie ich meine - Highwire gebührend zu würdigen, es finden sich hier schon genug Möglichkeiten. Als positiv sehe ich auch die Hinweise auf manches Filmchen, welches im Internet zu finden ist. So wird praktisch jeder Leser oder Fan Vor- und Nachteile in diesem Buch finden. Ob man "Free Jack" für einen guten Film hält oder nicht, ist dann eher Geschmacksache.
Nachdem die Aufmachung an sich sehr gut ist, ein paar schöne Bilder das Buch illustrieren und es wenig Alternativen gibt - was Literatur über Mick Jagger solo angeht, über seine Stammkapelle gibt es wahrlich Besseres - kann man sich das als Jagger-Fan schon zulegen. Klar ist - und das verheimlicht auch Marc Spitz am Schluss nicht - dass eine Frage immer offen bleiben wird:
"Wer zum Teufel ist dieser Mick Jagger eigentlich, und was hat er als Nächstes vor?"

Epi Schmidt, 17.05.2012

 

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