Lord Dying

Mysterium Tremendum


CD-Review

Reviewdatum: 12.05.2019
Jahr: 2019
Stil: Sludge
Spiellänge: 53:12
Produzent: Mike Plotnikoff

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Plattenfirma: SPV

Promotion: Oktober Promotion


Redakteur(e):

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

In Flames

Fear Factory

Titel
01. Envy The End
02. Tearing At The Fabric Of Consciousness
03. Nearing The End Of The Curling Worm
04. The End Of Experience
05. Exploding Inward
06. Severed Forever
 
07. Even The Darkness Went Away
08. Freed From The Pressures Of Time
09. Lacerated Psyche
10. Split From A World Within/Devoid Of Dreams/Death, The Final Loneliness
11. Saying Goodbye To Physical Form
Musiker Instrument
Erik Olson Gesang & Gitarre
Chris Evans Gitarre
Matt Price Bass
Chase Manhattan Schlagzeug

Aus Portland im US-Bundesstaat Oregon stammen LORD DYING, eine Sludge-Band, deren musikalische Köpfe seit der Gründung im Jahr 2010 die Herren Erik Olson und Chris Evans sind.  Nachdem sich die Gruppe zusammengefunden hatte folgten schnell die ersten EPs und schon 2013 das Debüt “Summon The Faithless“, dem zwei Jahre später mit “Poisoned Altars“ ein Nachfolger zur Seite gestellt wurde. Nach der „Flut“ an Veröffentlichungen zu Beginn der Karriere folgte dann eine abrupte und überraschende Pause, während der die Band zwar live präsent war, aber eben keine neue Musik nachschob. Diese Phase fand nun nach knapp vier Jahren mit “Mysterium Tremendum“ ihr Ende.

Hinter dem titelgebenden Mysterium steht der Tod, wie Sänger Erik Olson erklärt: „Ursprünglich hatten wir vor, ein Album über das Thema Leben zu schreiben, aber dann wurde es doch eins über den Tod.” Und obwohl sich die Platte also um den Tod dreht, beschäftigt sie sich im Prinzip vielmehr mehr damit, wie es denn auf der anderen Seite aussieht und was uns dort eventuell erwartet. Ein Thema, das die Band weit auswalzt und Aspekte ausgräbt, wie ängstlich man sich in unserem Kulturkreis generell mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzt. Die Ideen dazu diskutiert das Quartett schon länger, aber es passt erst jetzt so richtig ins Konzept.

Die dazu passenden Lieder wurden von Olson und Evans über einen Zeitraum von fast anderthalb Jahren geschrieben. Dabei wurden die Ideen immer wieder wie unter einem Mikroskop seziert und wieder zusammengesetzt. Die letzte Form bekamen sie jedoch erst, als Olson und Evans zu ihrer neuen Rhythmusgruppe Matt Price und Chase Manhattan nach Los Angeles fliegen, wo sie dann in den West Valley Recording Studios im August 2018 mit Mike Plotnikoff (unter anderem FEAR FACTORY, IN FLAMES) das Album aufnehmen. Gemeinsam gelingt es ihnen schnell, die Stücke zum Leben zu erwecken – auch wenn es ja um den Tod und das Danach geht.

Das Ergebnis verströmt eine Größe, wie man sie bisher von LORD DYING noch nicht kannte. “Mysterium Tremendum“ ist ein emotional ergreifendes und sehr tiefgründiges Album geworden, sowohl von den Texten als auch von der Musik her. Dabei geht es in den texten auch nicht nur um abstrakte Gedankenspiele und Mutmaßungen, sondern auch um ganz handfeste Erfahrungen, so handelt der Song Lacerated Psyche zum Beispiel vom Tod von Evans Schwester. Entsprechend intim und emotional aber auch einfach wunderschön ist das Lied dann auch ausgefallen. Insgesamt betrachtet ist “Mysterium Tremendum“ denn auch das abwechslungsreichste und facettenreichste Album der bisherigen Band-Geschichte geworden. Man konnte zwar schon bei den Vorgängern erahnen, dass da noch mehr in der Band „schlummerte“, aber hier ist der „Schläfer erwacht“ und auch Evans muss zugeben: „Das neue Album ist eigentlich genau das, was wir schon eher machen wollten”.

Ein weiterer Aspekt, in dem sich die Weiterentwicklung der Band zeigt ist der Gesang von Olson. Im Vergleich zu den Vorgänger-Alben singt er nun wesentlich mehr und setzt das Grunzen deutlich dosierter und überlegter ein. Man kann dies in Songs wie etwa The End Of Experience oder Severed Forever heraushören: Olson doppelt hier seine Melodiebögen, bevor er wieder zu seinem Markenzeichen, dem klassischen Grunzen, zurückkehrt. Kürzere Intermezzi wie Tearing The Fabric Of Consciousness und Even The Darkness Went Away sind ebenfalls ungewöhnlich für die Band und wirken sehr fragil, im Gegensatz zu allem, was die Band bisher zustande gebracht hat. Und im kontrast dazu wirken dann die härteren Passagen umso ungestümer und nachdrücklicher.

“Mysterium Tremendum“ ist das entscheidende dritte Album für die Band. Ein Werk wie es Olson und Evans schon von Beginn an machen wollten. Es ist auch keine Überraschung, dass es musikalisch das bisher abwechslungsreichste in der Karriere von LORD DYING ist, schließlich wird hier ein Konzept verfolgt und muss entsprechend in all seinen Facetten auch musikalisch umgesetzt werden. Man konnte vielleicht schon bei den beiden Vorgängern ahnen, wohin der Weg der Band führen würde. Aber erst mit dem dritten Werk hat die Band es geschafft, ihr wahres musikalisches  Potenzial zu ergründen und auszuschöpfen. In anderen Worten: LORD DYING haben ein (musikalisch) neues Leben gefunden.

 

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