Little Steven

Hanau, Amphitheater Hanau, 11.08.2019

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 17.08.2019
Stil: Rock, R&B, Soul

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Venue: Amphitheater Hanau


Redakteur(e):

Epi Schmidt


Das Amphitheater in Hanau entwickelt sich so langsam zu einem meiner bevorzugten Veranstaltungsorte. Wenn man rechtzeitig kommt, kriegt man einen Parkplatz gleich in der Nähe und so wird der entspannte Konzertabend bestens eingeleitet. Hat natürlich auch seine Vorteile, wenn das Halbrund nicht komplett ausverkauft ist, wie bei BAP eine gute Woche zuvor.

Gut gefüllt war es, zumindest optisch, aber letztlich doch und spannend wurde es absolut. Die Spannung steigt, als gegen 19 Uhr die wohl ausgesuchte  Musik (60‘s Soul, R&B, Ramones…)  aus der Anlage lauter wird und das Backdrop hinter der Bühne hochgezogen wird. Und am Bühneneingang wird es auch geschäftig und schon schreiten die ersten Musiker auf die Bühne. Und es hört fast nicht auf! 14 Musiker versammeln sich ‘on Stage‘ zu denen unter großem Jubel letztlich noch der Boss dieser Band stößt: Little Steven, auch bekannt als Stevie Van Zandt. Seines Zeichens Ostküsten-Rock‘n‘Roll-Urgestein, Gitarrist von Bruce Springsteen und Kumpel von Southside Johnny.

Und obwohl eindeutig hochkarätige Musiker auf der Bühne sind, spürt man die Präsenz von Little Steven zusätzlich. Bereits zu diesem Zeitpunkt. Die Show ist sofort in vollem Gange und startet, wie schon das aktuelle Album, mit Communion. Bläser-getrieben und optisch von den drei Backgroundsängerinnen gepusht kommt da ordentlich Dampf von der Bühne und reißt das Publikum mit.

Aber auch Stevie weiß sich in Szene zu setzen und liefert in dem älteren Camouflage Of Righteousness ein grell-schneidendes Gitarrensolo. Es wird nicht lange gefackelt und der Party Mambo macht genau das: Er treibt die Party auf eine neue Ebene. Die 5-köpfige Bläserfraktion kommt nach vorne an den Bühnenrand und liefert auch choreographisch eine erstklassige Show. Da stimmt jeder Ton und jede Bewegung.

Love Again, der Ohrwurm vom aktuellen Album lädt zum Mitschwelgen ein und bringt uns den Geschmack des Sommers. Und der Sommer und die damit verbundenen Gefühle spielen eine große Rolle in der Musik von Little Steven und speziell in der aktuellen Show. Und der Sänger ist ohne Unterlass damit beschäftigt, alle Anwesenden, ob vor oder auf der Bühne, mit dieser Magie zu infizieren. Auch wenn er selbst grad nicht singt oder Solo spielt, versprüht er sein “Voodoo“ auf und von der Bühne herab.

Und wenn er nur erzählt und erläutert, schlägt er einen genauso in seinen Bann. Es geht darum den Sommer zu feiern und mit ihm die Gefühle von Jugend und Unschuld und einer Zeit, die nicht so problembeladen war. Da braucht‘s auch etwas Education und natürlich erzählt er von den Ursprüngen des 60‘s Soul und seiner eigenen Vergangenheit. Er erinnert an THE YOUNGBLOODS und mit On Sir Francis Drake präsentiert er gleicht einen Song der einstigen Band. Gern teilt er aus seinem Erfahrungsschatz mit und so lernen wir, wie wichtig L.A. ist, denn “ohne L.A. keine BEACH BOYS und ohne BEACH BOYS keinen Sommer“. So einfach ist das.

Mit I Visit The Blues folgt trotzdem kurz darauf eine blues-rockige Nummer, bevor es mit Gravity funky wird und gleich darauf wieder kubanisch-südamerikanisch in Los Desaparicidos. Die drei Girls auf der Bühne sorgen mit ihren Gesang und Tanz für das perfekte Flair dazu.


Alte Kumpel werden nicht vergessen und so absolviert Little Steven ein kleines Tribut an SOUTHSIDE JOHNNY AND THE ASBURY JUKES. Little Girl So Fine, Trapped Again und Love On The Wrong Side Of Town reihen sich hintereinander und man sieht und hört deutlich, wie eng Van Zandt mit dieser Musik verbunden ist.

Einen Moment des Stillstandes gibt es bei diesem Konzert nicht. Ein sprühendes Feuerwerk von Rhythmen und Klängen folgt dem nächsten. Die Girl-Groups der 60er sind das nächste Thema des Zeremonienmeisters und neben ihren Namen werden auch die nicht vergessen, die damals praktisch alle Songs für diese so wichtigen neuen Bands geschrieben haben. Bei Suddenly You wird uns eine kleine Verschnaufpause gegönnt, bevor unter Sirnen und Lichtern der nächste “Soundtrack“ ertönt und Vortex im Disco-Gewand über die Bühne stürmt. Gegen diese Sound kann und will sich niemand wehren und praktisch alle Besucher tanzen in irgendeiner Form zu dieser Musik.

Politisch immer noch engagiert, wenn auch nicht mehr so lautstark wie früher, hält Steven mit seiner Meinung und seiner Botschaft nicht hinterm Berg und geht auch auf aktuelles Geschehen ein (“Fuck Brexit!“).  Da passt Jackson Brownes Reggae I Am A Patriot natürlich perfekt dahinter und wird auch von vielen mitgesungen.

Wir nähern uns so langsam dem Finale, aber vorher liefern sich Anthony Almonte und Rich Mercurio noch eine Percussion-Drum-Battle, der sich einfach gewaschen hat und ich so noch nicht erlebt habe. Allein, was Almonte aus seinem Perkussions-Arsenal zaubert, ist reinste Magie. 

Mit Love Me Forever (der Aufforderung hätte es nach dieser Show gar nicht bedarft) beschließt der reguläre Set, aber längst ist klar, das der Hunger hier nicht gestillt ist. Erneut für Band wie Publikum geltend.

Zunächst ruhiger und Little Steven an der Akustikgitarre wird der Titelsong von “Summer Of Sorcery“, praktisch das Motto dieses Abends, gespielt. Da wippt man gern mit, aber dem folgenden  Soul Power Twist schäumt die Stimmung dann vollends über. Da gibt es für keinen mehr ein Halten und mit diversen Stop-and-Go‘s wird die Party immer weiter befeuert. Un-über-biet-bar!!!

Eigentlich kann und darf da nix mehr danach kommen, aber der Jubel ist so groß und die Band so in Fahrt, dass mit Sun City an Stevies Anti-Apartheids-Projekt aus den 80ern erinnert wird und wir letztlich mit Out Of The Darkness  in die inzwischen eingetretene Dunkelheit entlassen werden. Eine Band, ausnahmslos aus erstklassigen Musikern und Sängerinnen hat dem Amphitheater einen denkwürdigen Abend beschert, den keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird. Eine Rock‘n‘Soul und R&B-Show allererster Güte. Ob das in dieser Form noch einmal wiederkehrt, wage ich trotz Little Stevens Ankündigung, “we will be back“, zu bezweifeln. Umso mehr muss für diesen Auftritt eine dicke Kerbe ins Konzerterlebnis-Holz geschnitzt werden. Die “Jünger des Souls“ haben erneut Zuwachs erhalten.

(Fotos: Epi Schmidt)

 

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