Little Richard

Das grossartige Leben des Little Richard

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 24.05.2021
Stil: Rock'n'Roll
Autor: Mark Ribowsky
ISBN: 978-3-85445-707-7
Preis: 23,00 EUR

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Little Richard Homepage


Verlag: Hannibal Verlag


Redakteur(e):

Epi Schmidt


Ein echter Rock'n'Roll-Kracher beginnt mit einem prägnanten Lick oder Riff. Gespielt von einer Gitarre oder einem Piano. In seltenen Fällen auch mal von einem anderen Instrument, aber jedenfalls immer einprägsam und unverkennbar: Man weiß sofort, um was es geht. Das zieht sich von Johnny B. Good über Jailhouse Rock zu TEN YEARS AFTERS I'm Going Home und LED ZEPPELINs Whole Lotta Love bis zu DEEP PURPLEs Smoke On The Water. Ein Mann brauchte nichts anderes als seine Stimme um einen der größten Rock'n'Roll Hits in die Spur zu kicken: Little Richard. Sein “A-wop-bop-a-loo-bop-a-lop-bam-boom“ trat jedem Hörer so dermaßen in den Allerwertesten, dass dieser nicht anders konnte, als zu Tutti Frutti abzurocken.

In Mark Ribowskys Biografie über den Rock'n'Roll-Star dürfen wir das turbulente Leben des vor einem Jahr verstorbenen Ricardo Wayne Penniman Revue passieren lassen.

 

Und erfahren eine ganze Menge über dessen widersprüchliche Person. Ricardo war der eigentlich von seinen Eltern ausgewählte Name, aber die Krankenschwester verstand wohl nicht richtig und trug “Richard“ als ersten Vornamen ein. Der 5.12.1932 war es, im geschichtsträchtigen Macon, Georgia. Als Schwarzer zu diesen Zeiten in den USA, und besonders im Süden, was blieb da übrig? Religion oder Musik. Am besten beides. Blues, Jazz, R&B, Gospel allgegenwärtig, Chor in der Kirche selbstverständlich, da braucht es nicht viel mehr als Inspiration. Singe, wem Gesang gegeben. Wir erfahren hier, woher die sonstigen Einflüsse Richards kommen: Von Bandleadern wie Louis Jordan und Sängern wie Emmett Miller. Woher er sein “Whoooo“ abgekupfert hat, nämlich von Marion Williams, und wer den Text zu Tutti Frutti entschärfte, das ursprünglich mit “A-wop-bop-a-loo-mop-a-good-goddamn“ begann und noch ein paar nicht gesellschaftsfähige Worte enthielt.

 

Da Richards von Beginn an dabei war – er nannte sich, in seiner unbescheidenen Art, gern “the architect of rock'n'roll“ - verfolgen wir hier Aufstieg und Niedergang des Rock'n'Roll. Denn dieser hatte ja auch weniger erfolgreiche Zeiten, bzw. wandelte sich. Little Richards war, in der ein oder anderen Form, immer dabei. In den 50ern mit zahlreichen Hits (Lucille, Long Tall Sally, Good Golly Miss Molly,.....), in den 60ern, als Einfluss für unendlich viele Bands und auch selbst fleißig auf Tour, in den 70ern mit Ausflügen in die Country-Ecke und bei mittelprächtigen Rock'n'Roll-Revivals, in den 80ern in Hollywood-Streifen, wie “Zoff in Beverly Hills“ und immer gern bei Stars der neueren Generation als Gast. Jon Bon Jovi hatte ihn z.B. auf dem Soundtrack zu “Young Guns“ beim – zugegeben wenig inspirierten – You Really Got Me Now engagiert.

 

Und das alles nicht zuletzt, weil Richard die schlichtweg größte Klappe im Rock'n'Roll-Business hatte! Deswegen auch gern gesehener Talkgast bei Leuten wie David Letterman. Für Stimmung war immer gesorgt, wenn er die Bühne betrat. Sobald dieser Typ ein Mikrofon vor sich hatte, war es mit seiner Zurückhaltung sofort geschehen. So hat es auch nie lange funktioniert, wenn er sich wieder einmal seinem christlichen Glauben widmen wollte und sich auf ein Leben nur für Gott beschränken wollte. In seiner Kirche wurde eben auch gesungen und da dauerte es nie lange, bis der Schritt zu seinen alten Krachern getan war und Interessenten für eine neue Tournee gab es fast immer.

 

Nebenbei erfährt man hier aber auch, dass es für Farbige keineswegs einfach war, in jenen Tagen erfolgreich zu werden. In der Tat orientierten sich viele schwarze Musiker mit ihrem Stil daran, was beim weißen Publikum ankam, bzw. ankommen könnte. Chuck Berry ist wohl durchaus ein Beispiel dafür. Leuten wie Little Richard wurde der Weg wohl mehr von weichgespülten Coverversionen weißer Interpreten geebnet. Pat Boones Fassung von Tutti Frutti sei hier genannt.

Richard entging durch windige Geschäftspartner zwar viel Geld, ein turbulentes Leben hat er trotzdem geführt und sein Selbstbewusstsein hat darunter nicht gelitten. Bis zum Schluss blieb er der festen Überzeugung, dass es weder BEATLES noch ROLLING STONES (ach, eigentlich überhaupt den Rock'n'Roll) ohne ihn gegeben hätte. Nun, einiges von seiner Show hat ein Mick Jagger zweifellos abgekupfert. Auch das wird in diesem Buche deutlich.

Wenngleich man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte (die BEATLES spielten entgegen Richards Behauptung bereits vor ihm in Hamburg, und auch der Autor täuscht sich mal: Chuck Berry spielte eine Gibson- und keine Fender-Gitarre), erfährt man hier einiges aus der Geschichte des Rock'n'Rolls und ganz viel aus dem Leben dessen vielleicht buntesten Paradiesvogels.

 

 

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