Journey

Captured, Frontiers, Raised On Radio & Trial By Fire

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 06.05.2007
Jahr: 2007

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Captured, Frontiers, Raised On Radio & Trial By Fire, Sony BMG, 2007 (CBS Records, 1981, 1983, 1986 & 1996)
Neal Schon Guitars, Vocals
Ross Valory Bass, Vocals
Steve Smith Drums
Steve Perry Vocals
Gregg Roley Organ, Piano, Vocals ("Captured")
Jonathan Caine Keyboards, Guitar, Vocals ("Frontiers", "Raised On Radio" & "Trial By Fire")
Produziert von: Kevin Elson ("Captured"); Mike Stone & Kevin Elson ("Frontiers"); Steve Perry ("Raised On Radio"); Kevin Shirley ("Trial By Fire") Länge: 70 Min 06 Sek;
59 Min 16 Sek;
54 Min 44 Sek;
75 Min 10 Sek
Medium: CD
"Captured", CBS Records, 1981:
1. Majestic10. Anytime
2. Where Were You11. Do You Recall
3. Just The Same Way12. Walks Like A Lady
4. Line Of Fire13. La Do Da
5. Lights14. Lovin', Touchin', Squeezin'
6. Stay Awhile15. Wheel In The Sky
7. Too Late16. Any Way You Want It
8. Dixie Highway17. The Party's Over (Hopelessly In Love)
9. Feeling That Way
"Frontiers", CBS Records, 1983:
1. Separate Ways (Worlds Apart9. Frontiers
2. Send Her My Love10. Rubicon
3. Chain ReactionBonus Tracks:
4. After The Fall11. Only The Young
5. Faithfully12. Ask The Lonely
6. Edge Of The Blade13. Liverty
7. Troubled Child14. Only Solutions
8. Back Talk
"Raised On Radio", CBS Records, 1986:
1. Girl Can't Help It8. I'll Be Alright Without You
2. Positive Touch9. It Could Have Been You
3. Suzanne10. The Eyes Of A Woman
4. Be Good To Yourself11. Why Can't This Night Go On Forever
5. Once You Love SomebodyBonus Tracks:
6. Happy To Give12. Girl Can't Help It (Live Video Mix)
7. Raised On Radio13. I'll Be Alright Without You (Live Video Mix)
"Trial By Fire", CBS Records, 1996:
1. Message Of Love10. When I Think Of You
2. One More11. Easy To Fall
3. When You Love A Woman12. Can't Tame The Lion
4. If He Should Break Your Heart13. It's Just The Rain
5. Forever In Blue14. Trial By Fire
6. Castles Burning15. Baby I'm A Leavin' You
7. Don't Be Down On Me BabyBonus Track:
8. Still She Cries16. I Can't See It In Your Eyes
9. Colors Of The Spirit

Das war schon eine tolle Band. Damals, als Gregg Rolie noch dabei war und ein blutjunger Neal Schon Gitarre spielte. Um hinter Carlos Santana die zweite Geige (Gitarre) zu spielen war Neal zu talentiert und auch Gregg wollte sich lieber in einer eigenen Band verwirklichen. Musikalisch entfernte man sich mit JOURNEY vorerst nicht so weit und frönte dem Jazz-Rock, der auch Carlos Anfang der 70er infizierte.
Die Geschichte kennen wir, wie nach dem dritten Album der Sänger Steve Perry zur Band stieß und ihr zum nie erwarteten Höhenflug verhalf. 'It's the singer, not the song', wussten die STONES schon in den 60ern [und von SURVIVOR gibt es sogar einen gleichnamigen Song; Red.], und wie gut Jeff Scott Soto heute auch sein mag und wie passabel sein Vorgänger am Mikro, Steve Augeri, ihre Grenzen wurden ihnen oft genug aufgezeigt, wenn sie sich live an die Songs wagen mussten, die Perry so einzigartig gesungen hat.
Diese legendären ersten Alben, "Infinity" usw., sind ja bereits als remasterte CDs erschienen und kürzlich folgte die zweite Staffel. Angeführt vom legendären Live-Doppelalbum "Captured", das man, was den Pop-Rock Sektor angeht, in den Top Ten ansiedeln muss. Wer sich hier von Leistung und Stimmung nicht mitreißen lässt, der ist gefesselt und geknebelt. Aber auch mehr dem Hard Rock zugetane Menschen ließen sich damals von dieser Live-Scheibe mitreißen. Man war noch nicht so in Sparten festgelegt. Der Hinweis "This album is dedicated to the memory of Bon Scott, a friend from the highway" unterstreicht dies. Das nervige Umdrehen und Wechseln der Scheiben, gerade bei einem Live-Album, entfällt dank der Tatsache, dass die komplette Doppel-LP auf einen Silberling passt.
Wie gehabt geht's mit dem Opener des "Evolution" Albums, Majestic, los und gleich darauf fetzt Where Were You richtig. Ich weiß nicht, ob da was getürkt wurde, aber die Stimmung im Publikum ist grandios und die Band feuert so geil aus allen Rohren, dass einem erste Schauer beschert werden. Instrumental gehörte diese Besetzung sicher zum Feinsten, was die Rockmusik je zu bieten hatte.
Schon in den 70ern waren JOURNEY für perfektes Spiel bekannt und wie sie das dann gesanglich mit Steve Perry noch erweiterten, demonstriert Just The Same Way einzigartig. Neal Schon kanalisiert das umgehend in ein längeres Gitarrensolo, und bei Line Of Fire führt das zum ersten Duell mit Organist Gregg Rolie. Die Ausblendung danach hätte man sich ruhig sparen können, aber vielleicht braucht eine Mega-Ballade wie Lights auch so eine kurze Spannungspause. Ich bin kein Balladenfreund, jedoch die Nummer ist einfach absolut stark. Vom Gesang bis zu Schons Gitarrensoli.
Das Hören dieses Albums macht heute genauso viel Spaß wie vor einem Vierteljahrhundert, was wohl für die Qualität spricht. Das bezieht sich auf - den remasterten - Sound, Songs und natürlich die Musiker. Die spielen einfach so genial auf den Punkt, dass man nur Spaß hat. Und der Lärm aus dem Publikum lässt einen Teil haben an diesem Liveerlebnis. "This is your album" verkündet denn auch Steve Perry.
Die Keyboard-Sounds in Dixie Highway verkünden schon die 80er, halten sich aber noch in Grenzen und bei einem Könner wie Gregg Rolie stören sie nur gering. Zumal dieser galoppierende Song einen sowieso gnadenlos mitschleift - und wenn dann Neal Schon zum Solo ansetzt, geht's nur noch ab!
Groß bejubelt, natürlich, Feeling That Way, vom Erfolgsalbum "Infinity". Es ist verrückt, aber, selbst wenn die Songs balladesker werden, es ist immer noch soviel Drive darin, dass permanent Hochspannung herrscht. Dadurch dass man damals immer ein paar Mal die Scheiben drehen und wechseln musste und man sich dann leicht auf die Smash-Hits reduzierte, sind manchem einige Songs womöglich nicht mehr so in Erinnerung, aber sie bekommen alle ihr Recht. Ist es nicht klasse, wenn sich Schon und Rolie gegenseitig die Bälle zuspielen und anstacheln und dazwischen Perrys Stimme brilliert? Steve Perry: "We got two of the best blues-players in the whole world here tonight!" - in Walks Like A Lady (hör ich jemand "Dude" sagen?)?
Oder wenn Bassist Ross Valory in seinem Solo in La Do Da mal kurz die Kollegen von KANSAS (Carry On Wayward Son) zitiert? An Aynsley Dunbar dachte keiner mehr, als Steve "Machinegun" Smith zum Drumsolo ansetzte. Müsst ihr euch mal über Kopfhörer geben!
Auch wenn die Grundlage ein stupider Blues-Boogie ist, machen diese Jungs einen Hit daraus: Lovin', Touchin', Squeezin'. Die Partykracher Wheel In The Sky (Perry schwingt sich hier zu stimmlichen Höhen auf, von denen man ihn eigentlich nicht mehr zurück erwartet!) und setzen diesem herausragenden Album nur noch die Krone auf.

"We were now writing for singers instead of solos", sagte Gregg Rolie anschließend und verlies die Band. Mit dem Ex-BABYS Jonathan Cain konnte man aber schnell mit Ersatz aufwarten und der brachte sich auch kompositorisch schnell mit ein. Das 83er Album "Frontiers" eröffnen seine Keyboard-Wände eindrücklich. Dem Sound der Zeit wurde hier natürlich Tribut gezollt und irgendwie erinnert mich da auch manches an FOREIGNER (und noch einige andere: ASIA, STYX, REO SPEEDWAGON...). Viele Bands klangen damals halt recht ähnlich. Wenn allerdings nötig, dann konnte ein Steve Perry auch einen eher seichten Titel wie Send Her My Love mit seiner Stimme über jedwede Barriere hieven.
Vom Potenzial her war z.B. Chain Reaction schon ein fein treibender Rocksong und das würde heute wohl auch anders klingen, aber, ja nun, wie gesagt: Die 80er Sounds halt.
After The Fall klingt stark nach Rod Stewart in jenen Jahren. Aber wer hätte nicht zu Baby Jane zumindest mitgewippt? Den albernen Anzug blenden wir jetzt mal aus...
Herausragend auf diesem Album ist sicher die Piano-Ballade Faithfully, bei der Perry wieder mal ebenso beeindruckt wie begeistert. Kein Lights, aber auf den Plätzen.
Dass Edge Of The Blade am Schluss ausgeblendet wird, ärgert etwas, den Neal Schon hat sich da schon in einen wahren Solo-Rausch gespielt, der verdeutlicht, warum er zu den angesagtesten Gitarristen jener Tage gehörte, bei dem etliche Nachwuchs-Axemen Schlange standen.
Auch in Back Talk darf Neal ordentlich hinlangen - da dürften auch VAN HALEN-Fans mit glücklich werden, während Perry den Text zu diesem Song, im "Urwald-Rhythmus, als Sprechgesang liefert.
Ansonsten reichlich flächendeckende Keyboards, wenngleich auf hohem Niveau. So auch im Titelsong, der mich auch etwas an KANSAS erinnert. Manchmal muss man halt genau hinhören, um Keyboard- von Gitarrensounds unterscheiden zu können. Na, ja....
Als Bonus gibt's vier Songs aus jenen Tagen, die ursprünglich auf diversen Soundtracks veröffentlicht wurden bzw. auf dem Boxset "Time 3" (Liberty). Für Autofahrten und/oder Filme hatte sich die Musik von JOURNEY nahezu immer bestens geeignet und so lassen einen auch Only The Young, Ask The Lonely und Ask The Lonely problemlos dahingleiten und träumen, ohne zu tiefgreifend zu werden. Das allerdings mit hoher Qualität.

1984 brachte Steve Perry sein Soloalbum "Street Talk" mit der Hit-Single Oh Sherrie heraus. Das Gitarrensolo bei diesem Song spielte übrigens Waddy Wachtel, den wir u.a. von Linda Ronstadt, Warren Zevon und als Mitglied von Keith Richards' X-PENSIVE WINOS schätzen.

Zum 86er JOURNEY-Album "Raised On Radio" fanden sich dann nur noch Perry, Schon und Cain im Studio ein, die sich die nötigen zusätzlichen Musiker anmieteten. Die Produktion übernahm Steve Perry. Nun ja, sein Soloalbum hatte er ja auch erfolgreich selbst produziert.
Es bleibt natürlich beim bewährten Pop-Rock Stil, aber eben auch bei den bewährten Qualitäten: Dem perfekt gesetzten mehrstimmigen Gesang - dem Perry immer noch ein Quäntchen hinzufügen kann -, den ausgefeilten Riffs und Soli von Neal Schon und den Breitwand-Klängen von Caine. Trotz aller Süße unnachahmlich.
Für Positive Touch kehrte Steve Smith auf den Drum-Stuhl zurück. Könnte im Prinzip auch von TOTO (oder von Phil Collins) sein, so glatt und 100%ig klingt es. Gefällt mir aber gut, weil es doch ungeheuer anmacht und Power hat und das Sax von Dan Hull am Schluss noch mal ein Extra liefert.
Nachdem Sherrie so gut lief, hat man es mit einem weiteren Frauennamen versucht: Suzanne. Das blubbernde "DMX Programming" spiegelt wieder mal die Zeichen der Zeit wider und lediglich Schons Solo würzt etwas. Gut gemachte Popmusik bleibt es aber trotzdem. Be Good To Yourself - wäre das schön, wenn das die Frankie Miller-Nummer wäre - geht mit reichlich Schmackes und himmlischen Chören zur Sache. Geht so in Richtung Rick Springfield und rockt ganz passabel.
Mehr funky wird's dann bei Once You Love Somebody, welches mit reichlich Hall und sonstigen Effekten verziert ist. Für Steves Stimme eine gute Plattform um zu brillieren. Ähnlich, wenn auch als Ballade gekleidet, ergeht es Happy To Give. Hier wird mehr einem Hymnen-Charakter gefrönt, der mich an die späten QUEEN erinnert.
Dan Hull erneut ist es, der die bluesy Harp zum Beginn von Raised On Radio liefert. Daraufhin steigt Neal Schon unvermutet brachial in den Song ein und es rockt besser als auf manchem VAN HALEN Album. Etwas stören tun nur die Keyboards und die zwei Pieptöne, die mir über Kopfhörer auffallen. Hat da beim Mischen das Handy geklingelt? [1986? Red.]
I'll Be Alright Without You - wieder was zum Träumen und Dahinschmelzen und natürlich ein Hit. Etwas zu schmalzig wird es mir mit der Zeit doch. Allerdings kann wohl niemand das Wort 'fascination' so in die Länge dehnen und dabei noch so gut klingen wie Steve Perry.
Als Bonus gibt's hier zwei Live-Songs (was immer ein "Live Video Mix" sein mag). Girl Can't Help It und I'll Be Alright Without You zeigen, dass die Band live es immer noch richtig gut drauf hatte und da auch kerniger als auf den Studioaufnahmen klang. In den Album-Credits vergaß man übrigens nicht, die Platte u.a. dem verstorbenen Phil Lynott zu widmen.

Bald danach war es mit JOURNEY aber vorbei und die Band löste sich auf. Wohl zur rechten Zeit, denn härtere bzw. grungigere Zeiten sollten bald kommen.
Nichtsdestotrotz, kaum waren diese "atmosphärischen Störungen" vorbei, fanden sich Mitte der 90er die Herren Perry, Schon, Caine, Valory, Cain und Smith wieder zusammen und veröffentlichten mit "Trial By Fire" ein Comebackalbum. Und als wären nicht 10 Jahre seit dem letzten Album vergangen, ist das alte Flair gleich wieder da. Diesmal ist allerdings wieder ein offensiverer und rockigerer Gitarrensound angesagt, so dass Neal Schon in Message Of Love deutlich über Cains gewohnten Keyboardteppich fegt.
Auch im folgenden One More sind die Gitarren-Einwürfe vom feinsten und noch deutlicher erscheint mir die Nähe zu VAN HALEN. Die Keyboards erinnern dagegen mehr an RAINBOW in den späten 80ern. Ja nun, der Steve Perry ist und war auch ein Romantiker und solche Balladen wie When You Love A Woman gingen ihm leicht über die Lippen und ebenso leicht ins Ohr seiner Zuhörer. Dazu inszeniert die Band das geschmackvoll und schon ist ein weiterer Hit gezimmert. Wer kann da schon widerstehen?
Gesanglich haben die Jahre dazwischen Steves Stimme nichts anhaben können und so rettet er auch schwächere Songs wie If He Should Break Your Heart. In Castles Burning geht es für JOURNEY-Verhältnisse recht düster-derb los, und auch wenn der Refrain mehr mainstreamig klingt, ist der Song doch verhältnismäßig - und erfreulich - heavy. Keine Sorge, die Schmachtfetzen fehlen nicht! Mit Don't Be Down On Me Baby wird gleich einer hinterher geschoben. Hat aber Klasse!
Wie schön das klingen kann, wenn Neal Schon das Hauptthema spielt und Jonathan Cain die Zutaten liefert, zeigt das Intro von Still She Cries. Zeitgemäß klang der Song 1996 nicht mehr, aber die Band ist da schon ihr eigener Zeitmesser.
Etwas Richtung Weltmusik tendierte man wohl mit Colors Of The Spirit. Bis die ersten Akkorde aufleuchten, dann ist man beim altbewährten Sound und Stil. "We are many, we are one" versucht etwas halbherzig ein 'Eine Welt' Feeling entstehen zu lassen.
Das hymnische Easy To Fall lässt ebenso schwelgen wie It's Just The Rain - etwas viel wird's einem doch manchmal. Da freut man sich, wenn zwischenzeitlich, wie bei You Can't Tame The Lion, doch etwas mehr Gas gegeben wird, wenn es beim Titelsong etwas ausgefeilter wird, oder beim abschließenden Baby I'm A Leaving You einfach mal ein Reggae eingebracht wird.
Als Bonus ist hier I Can't See It In Your Eyes angefügt und da geht es, was Geschwindigkeit und Power anbelangt, unverhofft fetzig zu. Schön, so verabschiedet zu werden. Insgesamt ist das Album mit über 75 Minuten vielleicht etwas zu lang (-atmig) geraten.
Leider verletzte sich Steve Perry vor dem Start der damaligen Tournee und fällt mehrere Monate aus. Die Band kann und will nicht warten und mit Steve Augeri wurde ein Ersatz verpflichtet. Aber das ist eine andere Geschichte.
Dass die Band immer noch angesagt ist, haben diverse ausverkaufte Konzerte ihrer erst kürzlich absolvierten Tour gezeigt. Auch wenn viele wohl wegen dieser und anderer alter Scheiben und Songs dort gewesen sind.

Diese Reissues kommen in schönem Digi-Pack mit reich bebilderten Booklets. Lediglich ein paar Informationen zum jeweiligen Album hätte man noch einfügen können. Ansonsten machen die Teile schon überwiegend Spaß.

Epi Schmidt, 06.05.2007

 

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