John Mellencamp

Strictly A One-Eyed Jack

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 31.01.2022
Jahr: 2022
Stil: Roots Rock, Folk Rock
Spiellänge: 48:38
Produzent: John Mellencamp

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Plattenfirma: Universal Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Bruce Springsteen

Bob Dylan

Titel
01. I Always Lie To Strangers
02. Driving In The Rain
03. I Am A Man That Worries
04. Streets Of Galilee
05. Sweet Honey Brown
06. Did You Say Such A Thing
 
07. Gone So Soon
08. Wasted Days
09. Simply A One-Eyed Jack
10. Chasing Rainbows
11. Lie To Me
12. A Life Full Of Rain
Musiker Instrument
John Mellencamp Vocals, Acoustic Guitar
Andy York Acoustic and Electric Guitar, Autoharp, Banjo, Backing Vocals
Dane Clark Drums, Percussion
Joey Tartelli Trumpet
John Gunnell Bass
Merritt Lear Violin, Backing Vocals
Mike Wanchic Electric Guitar, Backing Vocals
Miriam Sturm Violin
Troye Kinnett Piano, Accordion, Organ, Harmonica
Bruce Springsteen Electric Guitar, Vocals

Um die Zeit, als sie ihre größten Erfolge feierten, was unbestreitbar um die 40 Jahre zurückliegt, hätte kein Mensch geglaubt, dass John Mellencamp und Bruce Springsteen mit 70 noch Alben aufnehmen würden. Erst recht nicht, dass sie dies gemeinsam tun würden.

Nun, ganz so ist es natürlich nicht, denn “Strictly A One-Eyed Jack“ ist ein eindeutiges Mellencamp-Album und der “Boss“ ist mehr eine – gleichwohl erfreuliche – Randerscheinung.

 

Der Stil von Mellencamp hat sich seit jenen frühen 80ern vom – gern auch angedichteten – Heartland-Rock zu einem mehr gemäßigten Folk- und Roots-Rock emtwickelt. Bei Springsteen werden, besonders live, eher noch die Ärmel hochgekrempelt, aber sie nähern sich in viellerlei Hinsicht einander an und so ist es kein Wunder, wenn sie miteinander in der Küche oder auf Veramda eim Schwätzchen halten. Würde dabei im Hintergrund I Always Lie To Strangers laufen, könnte man auch meinen, Bob Dylan hat sich in die Konversation eingeklinkt. Dessen letzte Scheiben klingen ganz ähnlich und Johns Stimme ist nicht so weit von Bobs entfernt.

 

Man lässt es geruhsam angehen, aber dabei entsteht schon eine bemerkenswerte Atmosphäre. In der man sich gerne zurückerinnert. In der gemütlichen Western-Nummer Driving In The Rain, denkt man zum einen an Alben wie “Lonesome Jubilee“, aber mir geht auch Kollege Tom Waits nicht aus dem Kopf. So wie ich bei I Am A Man That Worries ständig an Johns Version von Blind Willie Johnsons In My Time Of Dying denken muss. Ja, dass Mellencamp so ein guter Blues-Sänger würde, hätte man einst auch nicht gedacht. Und so ist sein Streets Of Galilee ganz nah an Dylans Blind Willie McTell dran. Viel Instrumentierung braucht`s da nicht, Stimme und Story vereinnahmen den Hörer auch so.

 

Sweet Honey Brown (man denkt natürlich unwillkürlich an Jackie Brown) wird anhand durch die präsentere E-Gitarre etwas rauer, aber das Tempo bleibt verhalten. Als in Did You Say Such A Thing dann der “Boss“ aus dem “Tunnel Of Love“ auftaucht, wird es etwas rockiger und Bruce steuert neben seinem unverkennbaren Gesang wohl auch die lärmende Solo-Gitarre bei. Da schürzt man anerkennend die Lippen. Beim anschließenden Gone So Soon (man erwartet es bei dem Titel fast) wird es dann sehr ruhig und John scheint fast ins Crooner-Genre zu wechseln. Wieder sehr Dylan-mäßig, ein bisschen auch wie Billy Joel und die Trompete streut noch etwas Big Town-Jazz darüber.

 

Mehr Mellencamp dann wieder in Wasted Days, der zweiten Kollaboration mit Springsteen, die bereits im September 2021 veröffentlicht worden war. Hier bekommt Bruce auch seine eigene Strophe, ansonsten sind die Mellencamp-typischen Akkordeon und Violinen federführend. Bis – dürfte wieder Bruce sein – die E-Gitarre sich im Solo kurz meldet. Etwas schwungvoller, aber ähnlich, folgt der Titelsong, bevor sich Chasing Rainbows als kleiner , folkiger, Ohrwurm im Gehörgang einnistet.

 

Zu Beginn des Albums hat John schon bekannt, dass er Fremde anlügt, deswegen hat er auch keine Probleme zu Lie To Me aufzufordern. Er wäre das ohnehin gewohnt und Kirchen und Prediger würden das ja ohnehin tun. Das kommt mit den raueren Gitarren von Wanchic und York, sowie den Violinen von Miriam Sturm und Merritt Lear richtig gut und erinnert erneut die Tage von “Lonesome Jubilee“ oder “Big Daddy“. Wenn jetzt noch Kenny Aronoff am Schlagzeug säße....

 

Beim melancholischen, nahezu dramatischen Life Full Of Rain ist Springsteens Beitrag kaum auszumachen, aber die Neil Young`sche Desert Rock-Gitarre wird wohl er sein. Hätte ruhig etwas mehr sein dürfen, passt aber so besser zu den anderen Songs. Die werden das Album nicht zum begehrtesten Mellencamp-Longplayer aller Zeiten machen, aber wem zum Beispiel die ruhigeren Titel auf Springsteens “Letter To You“ oder Dylans letzte Alben gefallen haben und Johns Arbeiten in der jüngeren Vergangenheit, der kann hier guten Gewissens zugreifen.

 

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