John Fogerty

Mein Leben - Meine Musik

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 27.09.2021
Stil: Swamp Rock, Blues, Country
Autor: John Fogerty
Seitenzahl: 448
ISBN: 978-3-85445-499-1
Preis: 29,99 EUR

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Verlag: Hannibal Verlag


Redakteur(e):

Epi Schmidt


Im Original heißt dieses Buch “Fortunate Son – My Life, My Music“. Es fehlt also eigentlich nur ein kleines Detail zum deutschen Titel und doch steckt darin die Quintessenz seiner Lebensgeschichte. Diese hätte durchaus auch mit “A Simple Man“ betitelt werden können, denn – wie er selbst sagt: “Ich bin kein schriller Typ“.

Das Buch wurde zuerst 2015 veröffentlicht, deswegen darf es nicht verwundern, wenn er im Vorwort “unlängst“ bei einer Veranstaltung auftragt, bei der Präsident letztlich zu Fortunate Son tanzte.

 

John Fogerty ist und war ein einfacher Kerl. “Einfach“ war er durchaus nicht immer. Dass es überhaupt zu diesem Buch gekommen ist, dafür gebührt Julie, der Liebe seines Lebens, Dank. Johns Hauptantrieb dürfte aber letztlich gewesen sein “endlich ein paar Dinge geradezurücken“.

Geboren 1945, wuchs er im kalifornischen El Cerrito auf und darauf ist er auch stolz. Gleichzeitig dürfte die eher ländliche Kleinstadt ihren Anteil daran haben, dass er ein “Simple Man“ wurde. Bis er 40 Jahre alt war, lebte John in diesem Ort. Die einfachen Dinge sind es, die für ihn zählen. Ob er später mit seinen Kindern stundenlang Kindersendungen anschauen wird, oder ob sich ihm das Etikett einer Limonade aus seinen eigenen Kindertagen so einprägt, dass später der Song Green River draus wird. Lange bevor er nach Mississippi oder gar Louisiana kam, schrieb er Proud Mary und Born On The Bayou.

 

Da sich John schon immer für Musik und ihre Texte, sowie deren Verfasser, interessierte, weiß er so viel über seine Einflüsse und Lieblingssongs zu erzählen. Ob Big Rock Candy Mountain, Shine On, Harvest Moon (er vergisst nicht die Version von Oliver Hardy aus “In der Fremdenlegion“ zu erwähnen), My Baby Left Me, usw. Ein ganzes Kapitel heißt “Meine Einflüsse“. Wenn man sich alle erwähnten Lieder anhören möchte, braucht man viel Zeit.

Viel Zeit nimmt natürlich seine Geschichte mit CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL ein, obwohl die Band gerade eine handvoll Jahre existierte. Aber so, wie ihn der Alkoholismus seiner Eltern beeinflusste (den er von ihnen “erbte“) beeinflusste die Zeit mit CCR große Teile seines Lebens. Und das weniger wegen der großartigen Musik, die er praktisch allein schrieb, sondern viel mehr wegen leichtfertig unterzeichneter Knebel-Verträge und Verrat durch seine ehemaligen Bandkollegen. Zumindest aus John Fogertys Sicht.

 

Dass er ein Hitzkopf und ein Pedant ist, bzw. war, machte es ihm und seinen Mitmenschen oft nicht leicht. Wäre alles anders gekommen, hätte er seinen Bandkollegen ein Mindestmaß an eigener Kreativität zugestanden? Schwer zu sagen, denn diese kamen nach CCR musikalisch auf kaum einen grünen Zweig. Schade jedenfalls, dass nichts aus der Idee wurde, mit CCR Joni Mitchells Both Sides Now zu covern. Wie aus WILD & GREEN später die BLUE VELVETS wurden, dann die GOLLIWOGS und letztlich die Band, die der Inbegriff des Swamp-Rock werden sollte, das erfahren wir genau. Die großen Exzesse sucht man allerdings vergeblich. Dafür waren CCR unter Johns Fuchtel nicht die Band, auch wenn mit dem Erfolg seine Mitstreiter dann und wann über die Stränge schlugen.

 

Für John zählten zeitlebens Worte wie Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Er hält sich auch sklavisch an Verkehrsregeln. Zum Ärgernis seiner Kinder. Auch Perfektion ist für ihn wichtig.Weshalb er teilweise Stu Cook die Bassläufe vorschrieb, die Schlagzeugspuren von Doug Clifford nachträglich am Schneidetisch korrigierte und es nicht ertragen konnte, wenn sein Bruder Tom es nicht schaffte, den Rhythmus von Down On The Corner auf der Gitarre zu halten. Dass es keine Outtakes von CCR gibt, dafür sorgte John persönlich, denn er löschte – um dem vorzubeugen – alle alternativen Versionen.

 

Natürlich nehmen die Streitigkeiten mit Saul Zaentz, dem Inhaber ihrer Plattenfirma UND derjenige, der sich die Rechte an den Songs von CCR sicherte, viel Platz ein. Praktisch bis zu dessen Tod tauchen immer wieder “Probleme“ mit oder durch ihn auf. Dass die Geschichte hier letztlich gut ausgeht, ist ohne Zweifel der Verdienst von Julie Kramer. Wie bedeutsam sie für sein weiteres Leben wurde, lässt sich allein schon daran sehen, dass sie in diesem Buch ganz oft selbst zu Wort kommt. Ungeschminkt darf sie ihre eigene Geschichte und ihre eigene Sicht der Dinge erzählen. Das wirft dann auch mal ein anderes Licht auf manche Entwicklung aber auch darauf, dass John auch ein sehr gefühlvoller und harmoniebedürftiger Mensch ist.

 

Aber keine Sorge: In erster Linie geht es um Musik. Welcher Gitarrist hat das Lick in Bad Moon Rising beeinflusst? Singt John ab und an wirklich “there's a bathroom on the right“? Bezieht sich “I watched the tower grow“ auf den Turmbau zu Babel? (Antwort: Ja) Wie kam der Anfang von Born On The Bayou zustande? Oder das Coverfoto von “Bayou Country“?

Manche Dinge hätte man wohl nicht vermutet. So, dass John Sorrow von BAD RELIGION für eine der besten Nummern aller Zeiten hält. Dass er weder THE GRATEFUL DEAD noch MÖTLEY CRÜE sonderlich schätzt. Ebenso wenig seinen eigenen Song Walking In A Hurricane (vom Album “Blue Moon Swamp“). Für welches Album 30 Schlagzeuger getestet wurden. Dass er seit über 40 Jahren regelmäßig läuft. Sein Soundcheck zweieinhalb Stunden in Anspruch nimmt. Und welche Personen von ihm einst ein Päckchen mit einer leeren Öldose erhielten.

 

Und natürlich finden auch der absurde “Plagiatsfall“ um The Old Man Down The Road und die Streitigkeiten um Vanz Kant Danz ihren Platz. Übrigens wer eines der 250.000 ersten Exemplare des Album “Centerfield“ in seinem Besitz hat, auf dem noch Zanz Kant Danz steht, sollte dieses gut hüten...

Wer sich ein bisschen näher für CCR und/oder John Fogerty interessiert, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. So viele Geschichten, Erkenntnisse, Musik, von ihm oder von ihm verehrten.

Und das alles, weil Stephen Foster der Autor zweier Songs auf einer Platte war, die der vier- oder fünfjährige John von seiner Mutter geschenkt bekam? Findet es heraus.

 

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