Janis Joplin

Pearl

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 30.07.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Janis Joplin
Pearl, Sony BMG Music Entertainment/Legacy, 2005 (1971)
Janis Joplin Vocals
Brad Campbell Bass
Clark Pierson Drums
Ken Pearson Organ
John Till Guitar
Richard Bell Piano
Produziert von: Paul A. Rothchild / Legacy Edition: Bob Irwin Länge: 135 Min 24 Sek Medium: Do-CD
CD 1 - Pearl:
1. Move Over9. Trust Me
2. Cry Baby10. Get It While You Can
3. A Woman Left Lonely11. Happy Birthday, John (Happy Trails)
4. Half Moon12. Me And Bobby McGee (demo version)
5. Buried Alive In The Blues13. Move Over (alternate version)
6. My Baby14. Cry Baby (alternate version)
7. Me And Bobby McGee15. My Baby (alternate version)
8. Mercedes Benz16. Pearl
CD 2 - Live From The Festival Express Tour, Canada:
1. Tell Mama8. Try (Just A Little Bit Harder
2. Half Moon9. Kozmic Blues
3. Move Over10. Piece Of My Heart
4. Maybe11. Cry Baby
5. Summertime12. Get It While You Can
6. Little Girl Blue13. Ball And Chain
7. That's Rock'n'Roll

35 Jahre ist das jetzt schon her, seit Janis Pearl an einer Überdosis Heroin starb (4. Oktober 1970) und ebenso lange, seit sie dieses Album aufnahm, dessen Veröffentlichung sie nicht mehr erlebte. Eine tragischere Geschichte könnte sich kein Drehbuchautor ausdenken: Da liefert diese Frau ihr Meisterwerk, ja einen Meilenstein der Musikgeschichte, und bekommt den Ruhm den sie damit erntet gar nicht mehr mit.
Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Janis Joplin die größte weiße Blues-Sängerin war und bis heute ist. Es gibt da sicherlich noch eine Reihe die auch absolut hochkarätig sind, aber wer hat sich einfach hingestellt und ohne Begleitung eine Vocal-Nummer aufgenommen die bis heute, und in alle Ewigkeit, ein grandioser Song und Klassiker ist? Janis mit Mercedes Benz.
Nachdem man diesen Titel oft genug von zweifelhaften Amateuren ertragen muss, wird einem beim Zuhören auf diesem Album wieder mal klar, welche Gänsehaut Janis' Stimme verursacht. Hört Euch das mal auf dem Kopfhörer an - ein Wahnsinn!
(Wer sich dieses Lied mal instrumentiert anhören will, dem sei die CD von COL. PARKER, dem Projekt um Gilby Clarke und Slim Jim Phantom, empfohlen)

Nicht weniger eindringlich kommt ihre Stimme gleich zu Beginn, bei Move Over. Die noch mal neu abgemischte CD lässt die Qualitäten von ihr und ihrer damals neu zusammengestellten FULL TILT BOOGIE BAND aufs Beste erblühen. Von Move Over gibt's ja auch eine Version von CINDERELLA und ich mag die Band ja wirklich sehr, aber gegen das Original hat auch ein Tom Keifer keine Chance.
Offensichtlich hatte Janis Joplin mit den vier Kanadiern und dem amerikanischen Drummer genau die kongeniale Band gefunden, die sie zu einem Höhenflug nach dem anderen gleiten lies.
Später bewies Eric Clapton, u.a. mit "461 Ocean Boulevard", dass man keine Supergroup formen muss, um hervorragende Alben einzuspielen. Ein beseelter Spielführer und eine inspirierte Mannschaft bringen meistens mehr zu Wege.
Die Intensität, die in einer Soul-Nummer wie Cry Baby steckt, wird auch von vielen schwarzen Sängerinnen selten erreicht. Eine Steigerung türmt sich auf die andere und man meint förmlich die Sängerinnen vibrierend vor sich zu sehen.
Bei dem einfühlsamen A Woman Left Lonely trägt das schwach hörbare Bandrauschen dazu bei, dass man sich wie mit Studio wähnt. Der Song wird zu Unrecht oft vergessen, wenn eine "Best Of" von Mrs. Joplin erscheint, denn der Titel hat Qualitäten, die sich durchaus mit Hymnen wie A Whiter Shade Of Pale messen können.
Die Tanzfreudigen werden mit dem funkigen Half Moon auf ihre Kosten kommen, bei dem es geradezu Funken sprüht und man unwillkürlich mitzuckt.

Noch mehr wird bei Buried Alive In The Blues gegroovt. Ist es der Geist von Janis Joplin gewesen, der die Band zu diesem abgedreht-abdriftenden Instrumental anspornte? Einen Tag bevor sie die Vocals zu diesem Song aufnehmen sollte, starb die Sängerin.
Mit My Baby folgt ein weiterer, unnachahmlicher Geniestreich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand erdreisten könnte, diesen Titel nachzusingen. Man kann im nachhinein immer viel interpretieren: Ahnte Janis ihren nahen Tod? War sie deshalb so gut?
Wohl kaum, allein die Bilder auf dem Cover zeigen eine lebensfreudige Person. Vielmehr hat halt bei diesem Album alles gepasst: Sängerin in Hochform, Band, Songs und auch der Produzent Paul A. Rothchild, mit dem sich Janis bestens verstand.
Über Me And Bobby McGee muss man eigentlich keine Worte mehr verlieren. Hat man den Song im Radio und an Lagerfeuern nicht schon tausende Male gehört? Und doch - hört man sich das Original aufmerksam (auch hier wieder Lob an den Klang der CD!) an, überwältigt einen diese Stimme. Um Bilder in die Köpfe seiner Zuhörer zu malen, bedarf es nicht bloß der passenden Worte. Man benötigt das Gefühl und eine Stimme, die dieses ausdrücken kann. Das hatte wohl niemand in größerem Maße als Janis Joplin.

Sobald ein Titel beginnt, rührt er einen fast schon zu Tränen, so sehr packen einen Nummern wie Trust Me und Get It While You Can. Die Power, gerade des letzteren, strengt einen beim Zuhören schon fast körperlich an.
Ja, es sind nicht nur die bekannten Lieder, die so genial sind. Dieses Album hat mehr Potenzial als die "Greatest Hits"-Scheiben der meisten anderen.
Natürlich gibt's hier auch ein paar Bonus-Tracks aus den Sessions zu diesem Album. Die Hardrocker unter uns werden sich an VAN HALENs Version von Happy Trails erinnern (vom Album "Diver Down" 1982). Janis bringt mit ihrer Band dieses Geburtstagslied in einem eher lockeren, New Orleans-mäßigen Gewand.
Interessant, der Demo Version von Bobby McGee, nur mit akustischer Gitarre, zuzuhören. Erneut wird deutlich: Diese Frau konnte allein mit ihrer Stimme faszinieren.
Auch die "alternate versions" sind mehr als nur Beiwerk. Move Over mit "eingeklatschtem" Intro, Cry Baby mit einer sich in gläserzerspringende Höhen schraubenden Janis und My Baby in einer weiteren eindringlichen Version und etwas mehr Gitarrenanteil.
Bei Pearl handelt es sich um eine Instrumentalnummer, die zwar wunderschön zwischen Piano und Orgel pendelt, aber doch eine gewisse Traurigkeit transportiert. Wie sagt man? Bittersüß.

Die zweite CD bringt die Band live in Kanada zwischen dem 28. Juni und 4. Juli 1970. In diesen Tagen war Janis mit ihrer Band in einem Zug namens "Festival Express" unterwegs, in dem u.a. auch THE BAND, GRATEFUL DEAD, Buddy Guy und etliche andere Bands und Musiker 5 Tage unterwegs zu ein paar Konzerten waren. Schon gut möglich, dass diese Gemeinschaft die Band zusätzlich inspirierte und dazu brachte, stellenweise richtige Feuerwerke abzubrennen.
Sechs dieser Songs waren bisher noch unveröffentlicht und alleine diese Titel würden schon die Anschaffung dieser Doppel-CD rechtfertigen.
Maybe von ähnlicher Klasse wie My Baby - göttlich! Eine dermaßen elektrische und elektrisierende Fassung von Summertime kannte ich zumindest noch nicht. Man hört, welch guten Griff Janis mit diesen Musikern getan hatte.
Rock'n'Rollern wie mir gefällt natürlich ein Jerry Lee Lewis Piano-Rock'n'Roll wie That's Rock'n'Roll, in dem alle zu ihrem Solo kommen. Hätte nur noch Janis' Gesang gefehlt. Na ja, die brauchte wohl auch mal 'ne Pause. Dafür kniet sie sich in die restlichen Titel wieder richtig gut rein. Man fragt sich, woher diese kleine Person diese Power hernahm. Leidenschaft für die Musik? Muss wohl. Anders kann man sonst wohl nicht so über sich hinauswachsen. Im männlichen Lager war Steve Marriott ein ähnlich positiv Verrückter.

Wie gewohnt kommt die "Legacy Edition" im mehrfach aufklappbaren Digi-Pack, im Plastikschuber und mit informativen, schön bebildertem Booklet und hervorragenden Sound.
"Pearl" ist eines der Pflichtalben, die in jede CD-Sammlung gehören und in dieser Form erst recht. Da fällt mir nur ein Wort dazu ein: Beeindruckend.
Was würde ich geben, für das Glück, diese Frau mal auf der Bühne erlebt zu haben...
"I'd trade all my tomorrows for a single yesterday.".

Epi Schmidt, 30.07.2005

 

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