Graham Nash

Wild Tales - Ein Rock'n'Roll-Leben

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 09.05.2014
Jahr: 2014
Stil: Folk, Country Rock
Verlag: Edel

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Graham Nash
Wild Tales - Ein Rock'n'Roll-Leben, Edel, 2014
von: Graham Nash
ISBN: 978-3-8419-0250-4
Umfang: 374 Seiten
Preis: 22,95 € zzgl. Versandkosten

Dass Graham Nashs Autobiografie den Titel “Wild Tales“ trägt, mag zunächst überraschen, denn “wilde Geschichten“ kennt man im Zusammenhang mit dieser englischen Nachtigall eigentlich nur, wenn einer seiner Weggefährten zu und über die Stränge geschlagen hat. David Crosby? Sicherlich! Stephen Stills? Aber hallo! Neil Young? Zeitlebens wurde Nash kein rechter Busenfreund mit dem Kanadier.
Graham Nash kennt man da eher als ausgleichendes Element, als Friedenstifter, der sich um die Umwelt kümmert und so, wie er auf dem Buch-Cover leicht ungläubig schaut, der Beobachter der Szenerie um ihn herum war und ist. Und so kann man eben auch “Ein Rock’n’Roll-Leben“ führen: Im Auge des Hurrikans stehen, ohne dessen Auslöser zu sein.
Das Buch-Cover verdeutlicht aber auch, welch guter Beobachter Nash ist und somit auch ein guter Zuhörer, denn genau das hat es ausgemacht, wenn er seine Elfenstimme hinzufügte. Zu den Stimmen der EVERLY BROTHERS aus dem Radio, die seinen musikalischen Werdegang so geprägt haben (und denen er das im Herbst seiner Karriere zurückzahlen konnte, als er mit ihnen zusammen auf der Bühne dreistimmig sang), wenn er mit seinem Freund Allen Clarke einen in England noch wenig verbreiteten Harmoniegesang kreierte, der zu ihrer gemeinsamen Band THE HOLLIES führte, und dem Gesang von Crosby und Stills die Harmonien hinzufügte, die aus ihnen die legendären CROSBY, STILLS & NASH werden ließen. Zeitweilig unter Hinzunahme eines gewissen Neil Young.

Nash stammt aus einfachsten, ja schier ärmlichen, Verhältnissen in Nordengland und vielleicht ist es diese “Einfachheit“, die ihn geprägt hat. Es spielen in seinem Heranwachsen noch andere Einflüsse eine Rolle, die zum Beispiel zu einem lebenslangen Misstrauen und stellenweise Auflehnen gegen Obrigkeiten führten, aber die meist zurückhaltende und geradlinige Art schlagen sich auch in seiner Erzählweise nieder. Dadurch liest sich seine Autobiografie ganz wunderbar. Als befände man sich auf ruhig dahinschlingernden Kreuzfahrt, reist man mit Graham Nash durch die Zeit.
Nicht dass es da nicht auch mal Sturmböen geben würde, aber allein vom Lesen her hab ich selten so entspannte und gleichzeitig interessante Bücher gelesen.
Ich meine, die Geschichte mit Crosby und Stills ist bekannt, als Nash sie beim ersten Treffen bat, den Song You Don’t Have To Cry dreimal hintereinander zu singen, bevor er ihnen seine dritte Harmonie hinzufügte und so für einen nicht mehr auszulöschenden Klang sorgte, der ihrer gemeinsame Karriere manifestierte.
Dass er zuvor mit den HOLLIES bereits englische und internationale Rockgeschichte geschrieben hatte, wird Manchem vielleicht erst mit diesem Buch klar.
Auch welche enge Bande Graham mit Joni Mitchell und Mama Cass knüpfte wissen unter Umständen nur Kenner der Westcoast-Szene. Dass sich Seelen wie Nash und Jackson Browne sympathisch waren, nun, das kann man sich an drei Fingern abzählen.

Drei Typen sind es vielmehr, die die Hauptprotagonisten dieses Buches sind: CSN, sind ihre Initialen, die jeder Musikfreund sofort identifiziert. Nash ist zwar häufig der ausgleichende und wieder zusammenführende Freund, aber er hält hier nicht damit hinterm Berg, dass auch er einen jahrelangen Drogenmissbrauch betrieben hat und dass er ein ganz schöner Schwerenöter war, hätte man ihm auch nicht so ohne weiteres zugetraut. Ja, die stillen Wasser sind tief…
Trotzdem sind es Stephen Stills und besonders David Crosby, die hier für den meisten Wirbel sorgen und oft genug Gesetz und /oder Grab von der Schippe gesprungen sind. Ob die immer so mit den recht offenen Erzählungen ihres Bandkumpels glücklich sind? Wer weiß, aber zu verdanken haben ihm wohl vor allem Crosby Einiges und ohne Nash wären wohl die bis in die heutige Zeit andauernde Reise von CSN längst beendet worden.
So wurden neben den Tiefen eben auch musikalische Höhen von himmlischen Ausmaßen erreicht, für die man als Musikfreund einfach dankbar sein muss. Vielleicht erzählt Graham Nash ja nicht alles und manchmal überlässt er den Leser auch bewusst dessen Phantasie. Tatsächlich bekommt man jedoch eine tolle Geschichte präsentiert, erfährt Vieles über Songs, ihre Entstehung und Bedeutung und wird nach dieser Lektüre die Musik von Graham Nash – ob Solo oder mit einer seiner Bands – mit anderen Ohren hören.
Von Blackpool nach London. Vom Laurel Canyon über Ohio und Chicago nach Marrakesh, nach Florida und um die ganze Welt. Seine Wahlheimat hat er am Ende in Hawaii gefunden. Einen passenderen Ort könnte man sich in Verbindung mit diesem Musiker kaum vorstellen. Wie wild die Geschichten auch immer waren, die ihn dahin begleiteten.

Epi Schmidt, 08.05.2014

 

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