Francis Rossi & Hannah Rickard

We Talk Too Much


CD-Review

Reviewdatum: 15.04.2019
Jahr: 2019
Stil: Pop, Country
Spiellänge: 40:39
Produzent: Francis Rossi

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Plattenfirma: ear music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Status Quo

Titel
01. I‘ll Take You Home
02. I‘ve Tried Letting It Go
03. Oughta Know By Now
04. But I Just Said Goodbye
05. Waiting For Jesus
06. I‘m Only Happy
 
07. Rearrange
08. I Talk Too Much
09. Heartbreaker
10. Good Times Bad Times
11. Sinking In Blue
12. Maybe Tomorrow
Musiker Instrument
Francis Rossi Vocals, Guitars, Various Additional Instruments
Hannah Rickard Vocals, Acoustic Guitar, Fiddle, Violin
Leon Cave Drums
Gary Twigg Bass
Clark Coslett-Hughes Bass
Richard Cottle Rhodes, Wurly, Keys, Hammond, Piano
Paul Hirsch Hammon, Piano
Joe Harvey-Whyte Slide, Pedal-Steel
Henry Senior (Junior) Pedal Steel
Amy Smith Additional Vocals

Ja, was denn nun? “I Talk Too Much“? “We Talk Too Much“? Auf jeden Fall scheint der mittlerweile alleinige Kapitän des reichlich ramponierten STATUS QUO-Schlachtschifffes Redebedarf zu haben.

Zum Verständnis: Seine eben im Hannibal-Verlag erschienene Autobiografie trägt den Namen “Ich rede zu viel“ (ja, das hat man artig und penibel ins Deutsche übersetzt), während sein neues Soloalbum den Titel “We Talk Too Much“ heißt. Ob er damit sich und die Dame, welche auf dem Cover die Geige an sich presst, meint, oder vielleicht das englische Unterhaus oder am Ende gar “ uns alle“? Nu, wir werden es vielleicht herausfinden. Oder auch nicht.

Bei besagter Dame handelt es sich um Hannah Rickard, die an den Aufnahmen zu den “Aquostic-Alben“ von STATUS QUO beteiligt war. Offensichtlich wurde da eine Art “Seelenverwandtschaft“ entdeckt und das gemeinsame Projekt in die Wege geleitet.

Eine gewisse Leidenschaft für Country-Musik schleppte Rossi wohl zeitlebens mit sich und wenn man in diesem Zusammenhang diverse QUO-Songs anhört, hört man da auch eine deutliche Verwandtschaft. Nun, Rock‘n‘Roll und Country sind nicht zufällig verwandt. Gerade in den späten 80er und in den 90er Jahren setzte sich dieser Einschlag deutlicher bei den Songs, besonders von Rossi, deutlicher durch, was oft auch zu schwächeren Alben führte. Hört man sich Songs wie I‘ll Take You Home oder Oughta Know By Now  an, kann man sich die in ähnlicher Form auch auf “Thirsty Work“ oder “Perfect Remedy“ vorstellen. Im Konzert und mit der entsprechenden Kante von Rick Parfitt hätten die wahrscheinlich auch für eine gewisse Gaudi gesorgt, aber, seien wir ehrlich, mit der Musik, die den Weltruhm von STATUS QUO verursacht hat,  hat das nicht viel zu tun.

Rossi und Rickard blicken auf dem Cover in unterschiedliche Richtungen, als wüssten sie nicht so recht, wohin es gehen soll. Oder ist es eher der Blick zurück? Klar, die Stimme ist einem natürlich bestens vertraut, sodass immer ein bisschen QUO durchschimmert. I‘ve Tried Letting You Go klingt aber eher nach George Harrison oder Jeff Lynne, auf jeden Fall süßlich genug, dass es fast Zahnschmerzen verursacht.

Da kann man sehen, was so eine (oder zwei) Akustikplatte anrichten kann. Und weiter zurückblickend kann man sagen, Songs wie But I Just Said Goodbye waren auch auf “Ain‘t Complaining“ schon zu finden. Glatt gebügelt, mit Streichern verwässert… Dass Lancaster und Coghlan damit nichts anzufangen wussten, kann man nachvollziehen.

Also, sorry, aber wenn Francis Rossi angeblich so ein Country und Americana-Fan ist, dann hätte er das konsequenter angehen müssen und nicht so eine wachsweiche Produktion machen müssen. Mir ist das alles zu glatt.

Dann lieber Hannah Rickard den Lead-Gesang überlassen, wie in dem Country-Pop-Stück Waiting For Jesus,  dann ist das immerhin stimmig.

Die Songs gehen alles gut ins Ohr – für Melodien hatte Rossi schon immer ein Händchen - , purzeln allerdings auch genauso schnell wieder hinaus. Das wachsweiche Rearrange flutscht ebenso durch, wie der Versuch, bei I Talk Too Much wie ELO zu klingen. Da half bei letzterem auch Mithilfe vom alten QUO-Spezi Bob Young nichts.

Man kann sich gut vorstellen, dass John Fogerty aus Heartbreaker einen guten Albumtrack gemacht hätte, aber bei diesem hätte es sich wohl nach einer Country-Band angehört, nicht wie eine Schreibmaschine.

Good Times Bad Times stimmt fast etwas wehmütig, klingt es doch fast wie ein Resümee. “The good times we had are all gone, the years roll on by, thought they‘d never end, where did it start to go wrong...“. (Nun ich hätte da schon eine Vermutung..)

Bis zum Schluss ändert sich nichts. Mal getragener, mal up-beat, immer mit viel Fidel-Gekratze und locker-flockigen Melodien. Kann beim Autofahren gut nebenher plätschern, aber wenn man am Ziel ist…, hat man wahrscheinlich den Straßennamen vergessen.

 

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