Dream Theater

A Dramatic Turn Of Events

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 10.09.2011
Jahr: 2011
Stil: Progressive Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Dream Theater
A Dramatic Turn Of Events, Roadrunner Records, 2011
James LaBrieGesang
John PetrucciGitarre
John MyungBass
Jordan RudessKeyboards
Mike ManginiSchlagzeug
Produziert von: John Petrucci Länge: 77 Min 01 Sek Medium: CD
01. On The Backs Of Angels06. Outcry
02. Build Me Up, Break Me Down07. Far From Heaven
03. Lost Not Forgotten08. Breaking All Illusions
04. This Is The Life09. Beneath The Surface
05. Bridges In The Sky

„Mike Portnoy verlässt DREAM THEATER“ – diese Schlagzeile schlug am 8. September 2010 ein wie eine Bombe und löste kontroverse Diskussionen in Prog-Foren aus. Dabei ging es um Fragen nach dem „Warum?“ und aber auch vor allen Dingen „Wie wird es weitergehen?“. Denn für viele Anhänger der New Yorker Prog-Götter erschien es undenkbar, dass die Band ohne ihr mediales Aushängeschild und selbstinszenierten Leader einfach weitermachen konnte. Aber sie konnte und es schien fast so, als ob einige Band-Mitglieder über die Entscheidung Portnoys nicht nur traurig waren. Schließlich haftete dem etwas egomanischen Schlagzeuger auch der Ruf eines Diktators an, der letztlich immer gerne das Sagen in der Band hatte und alle Entscheidungen denn auch der Öffentlichkeit mitteilte, wodurch er eine gewisse Deutungshoheit über alles DREAM THEATER-Spezifische erhielt.

Nach einigen Monaten und einer recht öffentlichkeitswirksamen Suche nach einem Ersatz, lüfteten John Petrucci, James LaBrie, Jordan Rudess und John Myung am 29. April 2011 das Geheimnis, wer den vakanten Sessel hinter dem Drum-Kit einnehmen würde. Den Zuschlag erhielt Mike Mangini, der unter anderem schon für so unterschiedliche Musiker und Bands wie Steve Vai, EXTREME und ANNIHILATOR spielte und zuletzt als Dozent am Berklee College Of Music in Boston tätig war. Damit war klar, die polyrhytmisch-diffizilen Patterns von Portnoy würden keine Probleme darstellen für den Neuen, schließlich hat der bereits zwei Fach-Bücher über genau dieses Thema verfasst.

Treffender und programmatischer hätte der Albumtitel wohl kaum ausfallen können: “A Dramatic Turn Of Events“. Ein Drama war es gewesen, was sich seit dem für viele Fans überraschenden Abschied von DT-Mit-Gründer und –Sprachrohr Mike Portnoy abgespielt hatte. Eine kleine mediale Schlammschlacht inklusive. Nun war die Musikwelt gespannt: wie würden DREAM THEATER klingen? Schließlich hatten bisher Portnoy und Petrucci für die Musik, Gesangsmelodien und sogar die Texte gesorgt. Wer würde also in die Bresche springen?

“A Dramatic Turn Of Events“ ist denn auch eher ein echtes Gemeinschaftswerk, bei dem sich auch die „anderen“ drei Musiker mehr einbringen durften als in der Vergangenheit. Mike Mangini trug nichts zum Songwriting bei, weil die Stücke bei seinem Einstand bereits weitestgehend fertig gestellt waren. So zeigen sich die Veränderungen eher in den Kleinigkeiten. So wird stellenweise mit Loops und Samples gearbeitet und Rudess darf seine Leidenschaft für das große, klassische Klavier ausleben (in der Vergangenheit war er zu häufig für Honky-Tonk-Einlagen missbraucht worden). Daneben nehmen die Tasten nun einen deutlich hörbareren Platz im Band-Sound ein.

Zudem setzt sich der Trend fort, dass James LaBrie im gemäßigten Stimmbereich singt. Die Zeiten, in denen er neuen Höhenrekorden nachjagte sind wohl endgültig vorbei. Und das dürfte sich bei der Dauer seiner Karriere als Sänger deutlich positiv bemerkbar machen. Schließlich hatte der Kanadier schon in der Vergangenheit immer wieder mit leidigen Stimmproblemen zu kämpfen, die nicht unerheblich mit der Strapazierung seiner Stimmbänder einhergegangen sein dürften.

Aber es nicht alles Gold, was hier so technisch versiert glänzt. Viele der Elemente kommen einem DREAM THEATER-Fan natürlich seltsam-wohlig vertraut vor. Die Stücke folgen meist einem bekannten Aufbau und die Riffs sowie die rhythmischen Spielereien sind natürlich nicht gleich aber irgendwie doch ähnlich zu früheren Glanz-Taten. Und auch das ständige doppeln der Gitaren-Läufe durch das Keyboard ist streckenweise zu vorhersehbar. Damit muss man sich auseinander setzen, man kann es aber natürlich auch als Charakteristika und Band-typische Identifikations-Merkmale verbuchen. Auf jeden Fall ist vom Anfang bis zu Ende der CD klar: das hier sind DREAM THEATER. Allerdings klingt die Musik dabei weniger düster als auf dem Vorgänger “Black Clouds And Silver Linings“ oder gar “Train Of Thought“.

Rein klangtechnisch orientieren sich Petrucci und Co. hier eher an dem helleren Sound von “Octavarium“. Der Klang der Scheibe drückt dabei offensichtlich auch die neue Euphorie und die positive Stimmung innerhalb der Band aus. Die Musiker dürfen sich mehr ausleben als in der Vergangenheit und das dürfte das kreative Schaffen von Rudess, LaBrie und Myung beflügelt haben.

Daher ist es ein wenig enttäuschend, dass sich die Band doch nicht wirklich traut, wieder progressive - sprich neue - Wege zu beschreiten, sondern an ihren Gewohnheiten und alten Gepflogenheiten festhält. Nun wäre die Chance gewesen, wieder wirklich neue Ansätze zu suchen und ihre Musik weiterzuentwickeln.

Aber das sind die einzigen Kritikpunkte, die man an “A Dramatic Turn Of Events“ finden kann. Denn sowohl kompositorisch als auch instrumentell gesehen bieten hier DREAM THEATER wieder feinste Prog-Metal-Kost. Und der Verzicht auf die gegrowlten Vocals im Hintergrund (früher der Part von Mike Portnoy) macht sich sogar sehr positiv bemerkbar

Im Prinzip machen es DREAM THEATER nämlich natürlich genau richtig. Sie verändern sich nicht rapide und riskieren damit, ihre Fans vor den Kopf zu stoßen. Kleinere Wandlungen sind ja vorhanden, aber es ist zu jeder Zeit natürlich unverkennbar, dass hier die Prog-Metal-Götter aus New York die Keule schwingen. John Petrucci zeigt, dass er einer der schnellsten und besten Gitarristen des Planeten ist und zaubert wieder einige unglaubliche Soli und Licks aus dem Hut. Das Gleiche gilt auch für Rudess und wenn man genau hinhört kann man auch wieder John Myung und seine genialen Bass-Linien hören.

Ach ja und der Neue? Mike Mangini macht seine Sache denn auch wie nicht anders zu erwarten hervorragend. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger spielt Mangini aber um einiges variabler, denn wo Portnoy sein Naturell als Metal-Drummer nie verleugnen kann und einfach alles wegballert, da ist Mangini um einiges feinfühliger und kann sich in den entsprechenden Momenten einfach besser zurückhalten. Zudem ist fraglich, ob Portnoy dem Einsatz von Samples und Loops zugestimmt hätte.

Vielleicht dürfte es aber der schwerste Schlag für Portnoy sein, dass DT auch nach seinem Abschied genau so stark – und vielleicht sogar etwas besser oder vielmehr befreiter - weitermachen wie vorher. Denn das stellt natürlich seinen früheren Beitrag ein wenig in Frage. War er so wichtig, wie er sich gerne gesehen hat, oder hat er sich dadurch, dass er sich immer in den Vordergrund gedrängt hat etwa, mehr Lorbeeren eingeheimst als ihm eigentlich zustanden? Die endgültige Antwort darauf ist nach “A Dramatic Turn Of Events“ vorerst vertagt und DREAM THEATER-Fans können ganz beruhigt sein, die Band ist genau so stark wie zuvor und vielleicht nun sogar etwas geschlossener. Eine dramatische Abkehr von ihrem Sound gibt es hier nicht. Die einen werden sagen zum Glück aber es wird auch diejenigen geben, die das bedauern.

Marc Langels, 09.09.2011

 

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