Chris Smither

One More Night

( English translation by Google Translation by Google )

DVD-Review

Reviewdatum: 08.12.2008
Jahr: 2008

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Chris Smither Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


One More Night, Signature Sounds Recordings, 2008
Chris SmitherVocals, Guitar
Produziert von: Kathy Wittman Länge: ca. 78 Min 00 Sek Medium: DVD
01.Train Home10. Small Revelations
02. Origin Of Species11. Love You Like A Man
03. The Devil's Real12. Interview II
04. Link Of Chain13. Father's Day
05. Happier Blue14. No Love Today
06. Interview I15. Diplomacy
07. Drive You Home Again16. Caveman
08. Leave The Light On17. Statesboro Blues
09. Sittin' On Top Of The World
Bonus Tracks:
Somerville Theatre (with full Band);
01. Hold On I03. Seems So Real
02. John Hardy
Dining Room Session:
01. I Feel The Same03. Every Mother's Son
02. Homunculus

Habe ich bei meinem letzten Review über Chris Smither noch geschrieben, man könnte seine Musik mit geschlossenen Augen (don't try this driving in your car!) am besten genießen, bringt der Kerl doch jetzt glatt eine DVD heraus und straft mich lügen!
Denn tatsächlich muss man das gehört und gesehen haben! Was Chris da in Szene setzt. Zunächst einmal ist das ja alles ziemlich unspektakulär: Eine Art Scheune, dem nachmittäglichen Soundcheck darf man auch beiwohnen, alles spärlich beleuchtet, Smither spielt solo und hockt auf einer Bank. Allerdings was und wie er spielt, ist schlichtweg genial. Mit Fingerpicks an Daumen und Zeige-, Mittel-, Ringfinger bewaffnet, spielt er einen ganz hervorragenden, ausgereiften Folk- und Blues-Stil. Oft genug klingt es wie zwei Gitarren, wenn er mit dem Daumen den Rhythmus zupft und mit den Fingern übers Griffbrett für kleine Licks und sogar Soli gleitet. Das ist nicht überzogen oder mutiert zum rein technischen Gefuddel, aber dennoch so toll, dass man die Augen kaum von Fingern und Gitarre abwenden mag.Hat, für mich, auch öfter was Ragtime-mäßiges.
Smither selbst sieht das nicht so dramatisch. Obwohl schon mittendrin, in den 60ern, sind seine Haare so voll wie ungegraut und auch sein Gesicht sieht noch recht frisch aus. Eine Gewisse Ähnlichkeit zu Silvester Stallone, zu Zeiten von "Rocky I", muss ich ihm anlasten. Also: wenig Kinn und kaum Übergang von Hals zum Kopf, ein leicht verbogener Mund, und schräg zur Stirnmitte laufende Hundeaugen. Na ja, wenn man in dem Alter noch so fit ist, kann man damit leben. Zahlt sich vielleicht doch aus, wenn man keine Drogen nimmt. Keith Richards sieht vergleichsweise - obwohl ähnlichen Alters - wie Chris Smithers Vater aus.
Wie auch immer: Das Publikum ist natürlich ähnlich gut gereift und meldet sich nur zwischen den Songs mal. Außer seiner tollen Zupftechnik, ist Smither noch ein ständiger Unruhegeist mit seinen Füßen. Mit den trippelt er permanent auf einem untergeschobenen Holzbrett, von Ferse auf Ballen und Fußspitze und zurück und erzeugt so einen zusätzlich unterstützenden Rhythmus. Das ist oft der reinste Stepptanz, den er da aufführt.
Sein Gitarrespiel hat er so in Fleisch und Blut, dass er praktisch nie einen Blick dafür verschwenden muss, wo sich seine Finger gerade zu Akkorden oder Läufen auf dem Griffbrett befinden.

Die Songs sind überwiegend seine Eigenen, aber auch bei Coverversionen, wie Sittin' On Top Of The World oder Statesboro Blues klingt das weit mehr nach seinem Stil, denn nach den Originalvorlagen. Mir gefallen sowieso seine eigenen Nummern hier besser. Etwa, wenn er, das mal für Bonnie Raitt geschrieben Love You Like A Man vom Stapel lässt. Wie da urplötzlich die Fingerchen in Fahrt geraten und zu einem treibenden Rhythmus dahingleiten, ist schon echt beeindruckend.
Wenn man so will, dann ist das einzige Manko von Smither sein Gesang, der sich seinen Weg doch oftmals hart erkämpfen muss, bis er sich zwischen den kaum geöffneten Lippen hindurchgequetscht hat. Bringt dafür etwas mehr Blues-Feeling mit ein.
Dabei versteht man ihn in zwei, kurzen, eingeschobenen, Interviews eigentlich ganz gut. Untertitel gibt's nicht. Da kriegt man ein bisschen was über seine Geschichte, wie er mit neuen Jahren auf einer Ukelele die ersten musikalischen Schritte machte, und sein Leben und Werdegang mit. Zum Glück, offenbart er da auch, dass er das Gitarrenspiel zeitweise recht obsessiv betrieben hat. Als Gitarrist bekommt man da nämlich schon leicht die Krise und fragt sich, wie man das hinkriegen kann. Mit 'ner Stunde am Tag rumdudeln jedenfalls nicht.
Richtig ins Schwärmen gerät er, wenn von der Zeit als die alten Bluesmusiker, wie Son House, getroffen hat und mit ihnen musizieren und von ihnen lernen konnte.
Bei drei Songs erlebt man Smither auf der Bühne mit kompletter Band, aber, ehrlich gesagt, macht das keinen großen Unterschied. Die stehen eher etwas verloren rum und fügen hier und da mal ein paar Töne oder Stimmen hinzu.
Da ist es doch viel schöner, wenn man sich, für weitere drei Nummern, zu Chris in die Küche setzen kann und er einem da noch etwas vorspielt.
Erfahrungsgemäß laufen Musik-DVDs in den heimischen Räumen nicht so häufig, aber "One More Night" kann man sowohl nebenbei, als auch fasziniert vor dem Bildschirm sitzend, genießen. Entspannt oder begeistert - ja nach persönlicher Stimmung. Ich, jedenfalls, werde mir baldmöglichst noch eine oder zwei Scheiben von dem Mann besorgen.

Epi Schmidt, 08.12.2008

 

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