Carolyn Wonderland

Tempting Fate

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 16.12.2021
Jahr: 2021
Stil: Blues
Spiellänge: 43:16
Produzent: Dave Alvin

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Plattenfirma: Alligator Records


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Dave Alvin

Marcia Ball

Shelley King

Bob Dylan

John Mayall

The Grateful Dead

Titel
01. Fragile Peace And Certain War
02. Texas Girl And Her Boots
03. Broken Hearted Blues
04. Fortunare Few
05. Crack In The Wall
 
06. The Laws Must Change
07. Honey Bee
08. On My Feet Again
09. It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry
10. Loser
Musiker Instrument
Carolyn Wonderland Vocals, Lead Guitar, Lap Steel, Whistling
Bobby Perkins Bass
Kevin Lance Drums, Background Vocals
with:
Dave Alvin Rhythm Guitar, Second Lead Guitar on 'Loser'
Red Young Organ, Piano
Marcia Ball Piano on 'Texas Girl And Her Boots'
Cindy Cashdollar Lap Steel
Shelley King Background Vocals
Jan Flemming Accordion
Jimmy Dale Gilmour Vocals on 'It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry'

Die Geschichte geht so: In einem Backstage-Bereich in Austin treffen sich 2003 zwei alte Freunde und einer davon, mit Namen Bob Dylan, sagt zu seinem Kumpel “Have you heard Carolyn Wonderland? She's something else!“. Es sollte dann auch nicht lange dauern, bis Ray Benson – der andere, der beiden Freunde (den wir unter anderem als Sänger von ASLEEP AT THE WHEEL kennen) – vier Alben des Texas-Blues-Mädels produzierte. Darunter das hervorragende, bei Ruf Records erschienene Miss Understood.

 

Eine weitere Geschichte (alle online nachzulesen oder im Booklet der neuen CD zu finden) geht so: Die energiegeladene, adoleszente Carolyn war zwar von Wes Montgomery angetan, aber mangels Fähigkeiten tendierte sie Richtung AC/DC und anderer Hard Rocker und bei der Imitation von Pete Townshends Windmühlen-Schlägen zerkratzte sie die gehütete alte Martin-Gitarre ihrer Mutter. Diese lies daraufhin alle Gitarren-Plektren im Haus verschwinden und fortan spielte Carolyn einfach ohne Plektrum und hat es seither auch nicht mehr vermisst. Seltsam? Aber so steht es geschrieben.

 

Vermisst hab ich die Lady schon ein bisschen und tatsächlich sind es zehn Jahre, seit mich  Peace Meal erfreute. Die Aufnahmen zu ihrem aktuellen Album fanden im Frühjahr 2020 statt und Regie führte kein Geringerer als Texas-Blues-Legende Dave Alvin. Wonderland und ihre Band waren von der Zusammenarbeit natürlich mehr als angetan, aber auch Dave Alvin freute sich sehr darauf. Auch ihm waren die Qualitäten von Caroyln nicht verborgen geblieben. Klare Sache, dass er zum Teil auch zur Gitarre griff, aber die Einleitung übernimmt Carolyn ganz allein und demonstriert beim flotten Slide-Blues Fragile Peace And Certain War schon mal, wie gut man ohne Plektrum zurecht kommt und gerade im Blues so noch flexibler ist. Da gibt’s gleich richtig Feuer in der Nummer!

 

Und wer sorgt für den schmissigen Boogie-Woogie in Texas Girl And Her Boots? Die Louisiana-Boogie-Queen Marcia Ball schaut hier vorbei und auch wenn sie in den Credits nur am Piano aufgeführt ist (wie immer herrlich), meine ich sie im Hintergrund mitsingen zu hören. Sorgt jedenfalls für eine aufsteigende Stimmungskurve. Natürlich braucht's einen ordentlichen Broken Hearted Blues und den schrieb die Dame mit Red Young, der nicht nur in Texas als Ausnahme-Tastenspezialist gilt. Gegen die Gitarre von Carolyn kann er zwar nicht dagegenhalten, aber was er da im Hintergrund zaubert hat schon Klasse. Und das zeigt er auch am Piano im folgenden Fortunate Few. Hier sind wir beim klassischen 12-Takter-Blues und mitten in einem inspirierenden Abend, bei dem die Musik so wohltuend ins Ohr geht, wie der Whiskey die Kehle hinabgleitet.

 

Hatte ich das Gitarrenspiel von Miss Wonderland erwähnt? Das hat unter Dave Alvins Produktion einen – fast schon erwartungsgemäß – direkten, knackigen, leicht dreckigen Sound, der richtig gut kommt. Dadurch wird auch die, von Cindy Cashdollars süßlicher Lap Steel verzierte, Ballade Crack In The Wall absolut angenehm. Perfekt für das Ausspannen nach einem harten Tag auf der Prärie. Falls es jemand entgangen sein sollte, Caroyln Wonderland ist seit 2018 die erste Gitarristin in John Mayalls Band. The Laws Must Change hat sie auch auf dessen “Nobody Told Me“ Album eingespielt und es für ihr eigenes Album hier übernommen. Hat jetzt nicht den Über-Drive, aber groovt toll und hat einen leicht funky Ansatz.

 

Vom Texas-Kollegen Billy Joe Shaver kommt Honey Bee und hier sind wir nahe der Grenze zu Mexiko und mittendrin in der nächsten BBQ-Fete. Jan Flemming steuert das stilgerechte Akkordeon bei und Carolyn lässt ein paar muntere Licks aus ihren Fingern perlen. Hat ein bisschen was von Jambalya. Red Youngs Piano in der cool swingenden Bar-Nummer On My Feet Again.. was soll ich sagen? Grandios. Selbst für eine Texas-Legende, wie Jimmy Dale Gilmore ist hier nur als Gesangspartner Platz, aber Dylans (so schließt sich der Kreis..) It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry verleiht er die passende Würze und den Rest übernimmt einmal mehr, Carolyns hervorragendes Slide-Spiel.

 

Kann man da noch einen drauf setzen? Ich denke eher nicht, aber man kann es ja versuchen. Denn auch THE GRATEFUL DEAD hatten dann und wann den Blues (wenn der Nachschub ausblieb...). Da klangen sie dann mitunter fast wie THE BAND, aber Jerry Garcias Loser wird in Carolyns Händen eher flirrenden Wüsten-Blues. Da kann sich auch Dave Alvin nicht mehr zurückhalten und übernimmt hier die “second lead-guitar“. Entsprechend gehaltvoll wird die über siebenminütige Nummer und setzt den passenden Schlusspunkt hinter dieses Album, das erneut überzeugt und die Klasse von Carolyn Wonderland einmal mehr unterstreicht. Also, Jerry hätt's garantiert gefallen!

 

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