Magic, Sony BMG, 2007
Bruce Springsteen Lead & Backing Vocals, Guitars, Pump Organ, Harmonica, Synth Keyboard, Glockenspiel, Percussion
Roy Bittan Piano, Organ
Clarence Clemons Sax, Backing Vocals
Danny Federici Organ, Keyboards
Nils Lofgren Guitars, Backing Vocals
Patti Scialfa Backing Vocals
Garry Tallent Bass
Stevie Van Zandt Guitars, Mandolin, Backing Vocals
Max Weinberg Drums
Gäste:
Soozie Tyrell Backing Vocals
u.v.m.
Produziert von: Brendan O'Brien Länge: 47 Min 53 Sek Medium: CD
1. Radio Nowhere7. I'll Work For Your Love
2. You'll Be Comin' Down8. Magic
3. Livin' In The Future9. Last To Die
4. Your Own Worst Enemy10. Long Walk Home
5. Gypsy River11. Devil's Arcade
6. Girls In Their Summer Clothes

Kriegt der Mann jetzt irgendwie die Torschlusspanik? Fast beängstigend, mit welcher Geschwindigkeit Alben vom "Boss" erscheinen. Mal alte, mal neue Live-Aufnahmen, dazu die Wiederaufbereitung vorgeschichtlicher Arbeiter- und Protestsongs, "The Seeger Sessions", Konzerte und Tourneen sowieso, und am dritten Soloalbum der Gattin war er natürlich auch noch beteiligt.
Und, nach "The Rising" (2002) vereinigt er sich erneut mit der E STREET BAND. Wenn das nicht "Magic" ist?
Damit hätt' ich jetzt nicht gerechnet, denn aktuell lief Springsteens Karriere doch ganz prächtig, also warum die Typen, kurz vor dem Vorruhestand, nochmals reanimieren? Weil ein "with the E Street Band" sich immer gut auf dem Cover macht? So gnadenlos berauschend war deren 'Comeback' auf "The Rising" auch wieder nicht, obwohl man das Album ruhig wieder mal hervorziehen darf. Da sind schon ein paar gute Songs drauf.

Unverhofft rockig, straight und mit einem modernen, fast aggressiven, Sound schaltet sich das Radio Nowhere. Als wollte er die Zeilen "I just want to hear some rhythm, I want a thousand guitar, I want pounding drums" doppelt unterstreichen. Und doch geht mir der Song etwas zu gleichförmig dahin, und wenn am Schluss noch eine Schippe draufgeschmissen wird, wird schnell ausgeblendet. Schade.
Gemächlicher schunkelt es sich zu You'll Be Comin' Down. Der Refrain geht einem schnell ins Ohr, sodass man beim Autofahren - bzw. wenn man wieder im Stau steht - gern und locker mitsingt. Allerdings auch hier kein sonderlicher Höhepunkt. Der folgt aber umgehend, denn wenn Livin' In The Future direkt mit der Tröte von "The Big Man" Clarence Clemons einsetzt, sitzt man mitten zwischen Tenth Avenue Freeze-Out und, sagen wir, Glory Days. Allein für diesen Song - auf den ich seit bestimmt 25 Jahren warte - lohnt sich dieses Album!

Textlich geht's natürlich selten lustig zu, aber Bruce kann das mit seiner immer noch "magischen" Stimme und tollen Melodien gut kaschieren. Hört, oder liest, man genauer hin, erscheint er mir heutzutage nicht mehr als der "Storyteller", sondern mehr wie ein Malern der verschiedene Perspektiven und Farben zusammensetzt. Den meisten wird's ziemlich egal sein.
Ein paar Streicher bratschen sich BEATLES-mäßig in You're Own Worst Enemy hinein und dann leiert man sich so durch. Aber schön ist es doch, in diesem fast hymnischen Song mitzuschwelgen, weil's halt auch richtig gut klingt.
Die heulende Mundharmonika in Livin' In The Future hat man doch aus "The River" gesampelt, oder? Dazu kreiert Bruce eine, sehr passende, 'On the road'-Atmosphäre, die gut Fahrt aufnimmt und - auch durch die heulenden Gitarren - ganz schön an Neil Young erinnert.
Hinter dem Titel Girls In Their Summer Clothes hätte ich eigentlich was fetzigeres vermutet, aber gut, Herr Springsteen ist ja auch nicht mehr der Springinsfeld und lehnt sich Feierabends lieber auf der Veranda zurück, lässt die Christmas-Schellen rasseln und blickt den Mädchen (sehnsüchtig?) hinterher.
Das klimpernde Piano, welches das Intro zu I'll Work For Your Love spielt, verweist leicht auf Thunder Road. Zu solch einem Jahrhundertsong wächst sich die Nummer natürlich nicht aus und überspektakulär wird's auch nicht. Es macht aber auch in diesem Midtempo Spaß, Bruces Panikorchester harmonieren zu hören und Suzie Tyrells Violine ergänzt das auch noch sehr gut.
Im folkigen Titelsong klingt der Sänger recht nachdenklich, wozu die sparsame Instrumentierung passt, zu der Mandoline und Violine leicht griechische (scheint mir) und irische Akzente hinzufügen.
Nicht gleich weiterskippen, nach dem schmierigen Keyboard-Anfang von Last To Die, denn die Gitarren von Lofgren, Van Zandt und Springsteen kloppen sich recht derb in den Vordergrund. Sie tauchen dann zwar immer wieder mal unter und verschwinden stellenweise ganz, aber wenn sie zu hören sind, klingen sie geil. Die häufigen Wechsel im Song sorgen für Dynamik, vergeuden aber auch etwas die Anfangspower.
In Long Walk Home wechselt Bruce endlich vom Beobachter zum Akteur und - ach ja - schon ist Clarence Clemons wieder mit von der Partie. An sich ist das kein Über-Song, klingt jedoch mit all seinen Elementen (nicht zuletzt der 'Desert-Rock-Gitarre') und der 'Highway-Stimmung' ganz ansprechend. Hätte fast der passende Schluss für dieses Album sein können. Mit Devil's Arcade schiebt der Boss aber noch einen besinnlicheren Song hinterher, der sich aus einer akustisch-folkigen Grundstimmung immer wieder zu einer kleinen Hymne aufbläht. Während sich die Band davon schleicht, trommelt Max Weinberg am Schluss noch etwas verlassen vor sich hin. Ja, und dann? Klampft uns Bruce Springsteen plötzlich einen, unerwähnten, Akustiksong hinterher, der wie ein Überbleibsel aus den "Seeger Sessions" wirkt. Nur ein bisschen Klavier und Mundharmonika und der perfekt Schluss für dieses Album ist doch noch gefunden.

Neue Fans werden mit "Magic" nicht gewonnen werden und Kritikpunkte finden sich genug. Am Ende kommt aber doch das zweitbeste Studioalbum seit "Born In The U.S.A." heraus. Angeblich steht in Kürze sogar ein weiteres Album an. Die Songs dafür wären aber, laut Bruce, für diese Band nicht unbedingt geeignet. Oder umgedreht. Man darf gespannt sein.

Epi Schmidt, 07.10.2007

 

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