Bruce Springsteen

London Calling - Live In Hyde Park

( English translation by Google Translation by Google )

DVD-Review

Reviewdatum: 11.07.2010
Jahr: 2010
Stil: Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Bruce Springsteen
London Calling - Live In Hyde Park, Sony Music, 2010
Bruce SpringsteenGuitar, Lead Vocals
Roy BittanKeyboards
Clarence ClemonsSaxophone, Percussion, Vocals
Nils LofgrenGuitar, Vocals
Garry TallenyBass Guitar
Stevie Van ZandtGuitar, Vocals
Max WeinbergDrums
Additional Musicians:
Soozie TyrellViolin, Vocals
Charlie GiordanoAccordion, Piano, Organ, Vocals
Curtis King Jr. & Cindy MizelleVocals, Percussion
Special Guest:
Brian Fallon
Produziert von: Thom Zimny Länge: 180 Min 00 Sek Medium: DVD
Disc 1:
01. London Calling11. Good Lovin'
02. Badlands12. Bobby Jean
03. Night13. Trapped
04. She's The One14. No Surrender
05. Outlaw Pete15. Waiting On A Sunny Day
06. Out In The Street16. Promised Land
07. Working On A Dream17. Racing In The Street
08. Seeds18. Radio Nowhere
09. 5.9919. Lonesome Day
10. Youngstown
Disc 2:
01. The Rising06. American Land
02. Born To Run07. Glory Days
03. Rosalita (Come Out Tonight)08. Dancing In The Dark
04. Hard Times (Come Again No More)09. Credits (Raise Your Hands)
05. Jungleland
Bonus:
The River (Glastonbury 2009)Wrecking Ball (Giants Stadium 2009)

Wenn mich in meiner, doch schon ein paar Jahrzehnte währenden, "Konzertkarriere" etwas wurmt, dann ist es, dass ich mit schöner Regelmäßigkeit verpasst habe, Bruce Springsteen live zu erleben. Zwar habe ich mittlerweile einige DVDs vom "Boss" zu Hause stehen, aber man weiß ja, dass "Konserven" immer nur ein schwacher Abklatsch sind und im Falle von Herrn Springsteen schon gar nicht mit der Atmosphäre seiner Shows zu vergleichen.
Und das hier war natürlich wieder eines, welches an mir vorbei ging, wenn auch der Londoner Hyde Park etwas weiter weg ist, als Offenbach zum Beispiel. Mit Sicherheit unvergesslich für alle die dabei waren, ist es dem trauernden Rest jetzt immerhin auf DVD (natürlich auch BlueRay) zugänglich: Bruce Springsteen & The E Street Band "London Calling - Live In Hyde Park"!
Der Titel ist Programm, denn genau mit diesem Song, London Calling, von THE CLASH eröffnet Springsteen diese Show und erntet damit natürlich gleich reichlich Zuspruch. In diesem hellen Tageslicht sieht man den Protagonisten das Alter schon recht deutlich an und bei manchen muss man sich schon vergegenwärtigen, wer das ist (Mensch, klar, das ist ja Max Weinberg!). Auch Bruce's Stimme hat deutlich an Rauheit zugelegt, ebenso wie die von Stevie Van Zandt. Das Gitarrensolo von Bruce kommt aber schneidend und authentisch. Sehr authentisch ist es auch, wenn nahezu die gesamte Band die Zeile "I live by the river" mitsingt.
Die erste Gänsehautwelle rollt über einen mit den Eröffnungsakkorden von Badlands und die Show beginnt so richtig. Fortan wird man von einer Welle mitgetragen, die einen erst Stunden später wieder entlässt. Am Ende des Songs ist für Springsteen selbst der tobende Hyde Park noch zu leise und er schürt das Feuer mit einem mehrfachen "Is there anybody alive in London?". Nils Lofgren ist der ewige Derwisch und könnte mittlerweile Keith Richards unbemerkt bei den STONES ersetzen. Was, optisch gesehen, durchaus zu deren Vorteil gereichen würde. Aber "Keith, don't go!"
She's The One mit seinem Bo-Diddley-Beat wird willkommen geheißen und treibt die Spannung weiter voran. Am Ende des Liedes schrammt Springsteen seine Gitarre am Mikroständer entland, reißt sie sich von der Schulter und wirft sie nach hinten, wo - natürlich - schon der Assistent bereitsteht und sie zu fangen.
Mit Outlaw Pete ändert sich Stil und Sound der Musik, aber ich muss sagen, so auf der Bühne gefallen mit etliche der neueren Songs besser als ich sie in Erinnerung habe. An Klassiker wie Out In The Street kommen sie aber nicht heran. Die Anfeuerung hat genützt, denn das "oh oh-oh-oh oh" im Refrain schallt lautstark aus der Menge zur Bühne und wie zum Dank such der "Boss" den Kontakt zu den Fans und schreitet zur vordersten Reihe.
Die Rückkehr auf die Bühne gestaltet sich etwas schwieriger und Bruce ruft anschließen ins Mikro: "I need a fucking elevator!" und verweist auf sein Alter.

Da kommt Working On A Dream doch deutlich "altersgemäßer" und lässt den Sänger etwas verschnaufen, währen das Publikum freudig die Arme im Takt schwenkt.
Es folgt die erste längere Ansage, oder sollt man sagen "Predigt"? Denn wie ein Gospelprediger schreitet Bruce auf und ab und stachelt die Zuhörer immer mehr an, bis zur kollektiven Euphorie.
Alte Zeiten werden mit Seeds zurückgebracht, wenn auch die Struktur des Songs etwas simpel ist. Wie sagt Obama: "Ich bin der Präsident, aber er ist der Boss!" und als solcher übernimmt er auch das schrille Solo in diesem Song.
Richtig geil rockt es dann mit Johnny 99. Nils Lofgren steuert eine effektive Lap Steel bei und nach und nach kommt nahezu jeder zu seinem Solo in diesem Song.
Youngstown kommt hier ungeheuer wuchtig und erneut ist es Nils Lofgren, der mit seinem unnachahmlichen Sound das Solo übernimmt. Dann ist wieder Publikumskontakt angesagt und zu Klängen, die sowohl La Bamba als auch Twist And Shout ergeben könnten - letztlich aber der Soulklassiker Good Lovin' sind, sammelt Bruce begeistert Schilder und bemalte Kartons mit Songwünschen aus dem Publikum ein und schleppt einen ganzen Schwung davon auf die Bühne. Das erste Schild wird auch gleich aufgestellt: Bobby Jean! Spätestens bei den Worten "just to say I miss you, Baby" schüttelt einen der nächste Schauer.
Einer der geilsten Momente ist für mich, der Übergang vom Saxophon-Intermezzo zum Mundharmonika-Solo in Promised Land. An Dynamik kaum zu überbieten.
Das Hymnische Racing In The Street gewinnt noch an Qualität durch Soozie Tyrells Violine.

Auf der zweiten Scheibe eröffnet The Rising überraschend druckvoll den Reigen und mit Lofgrens Slide undTyrells Violine kommt der Song fast an alte Klassiker heran.Born To Run verfehlt seine Wirkung natürlich nie. Bruce sucht wieder die Nähe zum Publikum, um bald darauf pumpend auf dem Rücken zu liegen. Mit Hilfe von Little Steven schafft er es aber doch wieder auf die Beine und gemeinsam und mit einem donnernden "one, two, three" treiben sie den Song erneut an und irgendwie - liegt's am Alter? - bekommt "Born To Run" hier eine neue Dimension.
So langsam rückt auch "The Big Man" Clarence Clemons etwas mehr in den Mittelpunkt des Geschehens und besonders Bruce und Van Zandt albern ausgiebig herum. Die Erkenntnis von Springsteen ist "too late to stop now" mündet in ein feuriges Rosalita.
Die erste Zugabe ist American Land, das Original von 1955, wie Springsteen verkündet. Der Anfang, nur mit Gitarre und einem gemeinschaftlichen Gospelchor - eine Wand! - sorgt für weitere prickelnde Schauer. Ebenso wie die perlenden Pianotöne, mit den Roy Bittan Jungleland einleitet. Die in tausenden von Fußballspielen erprobte britische Zuschauermenge schleudert bereitwillig die Stelle "down in Jungleland" Richtung Bühne.
Die Party wird auf die Spitze getrieben mit American Land. Plötzlich sind wir mitten in den "Seeger Sessions" und mit Mandoline, Akkordeon, Violine und jeder Menge Spaß geht es nochmals richtig ab, bei dieser Folknummer und der Boss führt seine gesamte Mannschaft - soweit es denen möglich - in die vorderste Front und auf Hautkontakt zu den Fans. Spätestens beim folgenden Glory Days dürften Tränen der Ergriffenheit über die Wangen gerollt sein.
Zum abschließenden Dancing In The Dark schwenken Bruce und Steve gemeinsam das vorher im Publikum befindliche "Greetings from Hyde Park" Banner. Der perfekte Abschluss für ein begeisterndes Konzert. Toll gefilmt und mit Klasse-Sound.
Da hätt's den Bonus von zwei weiteren Songs gar nicht mehr gebraucht, aber nimmt man natürlich auch gerne mit.
Jetzt kann ich mich ein weiteres Mal ärgern, weil ich den "Boss" noch nicht live gesehen habe, aber hätte ich diese DVD verpasst, dann sicher noch mehr.

Epi Schmidt, 06.07.2010

 

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