Blackberry Smoke

Live At The Georgia Theatre

( English translation by Google Translation by Google )

DVD-Review

Reviewdatum: 26.02.2012
Jahr: 2011
Stil: Southern Rock

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


Blackberry Smoke
Live At The Georgia Theatre, Southern Ground Artists, 2011
Charlie StarrVocals, Guitars
Paul JacksonGuitars, Backing Vocals
Richard TurnerBass, Backing Vocals
Brandon StillPiano, Organ
Brit TurnerDrums
Guests:
Jimmy HallVocals, Saxophone, Blues Harp
Zac BrownVocals
Clay CookGuitar & Pedal Steel
Produziert von: Trey Wilson & Zac Brown Länge: 105 Min 27 Sek Medium: CD
01. Intro09. Country Side Of Life (feat. Jimmy Hall)
02. Like I Am10. Restless (feat. Zac Brown & Clay Cook)
03. Good One Comming On11. The Whippoorwill
04. Up In Smoke12. Yesterday's Wine (feat. Clay Cook)
05. Ain't Much Left Of Me13. Son Of The Bourbon
06. Everybody Knows She's Mine14. Man Of Constant Sorrow (Trad.)
07. Sleeping Dogs15. Shake Your Magnolia
08. Freedom Song16. Deep Elem Blues (Trad.)

BLACKBERRY SMOKE! Eine Band aus Dixie, die wie keine andere so pur, so greifbar den Süden der USA repräsentiert. Dabei ließen sich die Jungens nach ihrem rauen, doch sehr gutem Debüt "Bad Luck Ain't No Crime" und dem etwas merkwürdigen Country Ausflug "New Honky Tonk Bootlegs" gar nicht so richtig festlegen. Letztere CD ist aber nach dem fantastischen "Little Piece Of Dixie" vergeben und vergessen und die Vorfreude auf ihr neues Album umso größer. Doch die fünf liebenswürdigen Zausel aus Alabama, Florida, Georgia und South Carolina sind nicht nur fleißig am Songschreiben, sondern geben auch regelmäßig Konzerte. Und so versüßt uns zwischenzeitlich BLACKBERRY SMOKEs aufregende DVD "Live At The Georgia Theatre" vom 5. August 2011 die Wartezeit.
Natürlich ziert der stolze dreibeinige Hahn das sonst von allem überflüssigen Kram befreite Booklet und die Set-List auf der Rückseite lässt das Herz schon vor Beginn der Aufzeichnung in die Höhe hüpfen. Womit an dieser Stelle aufgeräumt werden muss, ist die Legende, dass Georgia Theatre befände sich in Atlanta/GA. Die Hauptstadt Georgia's hat einige berühmte Bühnen, man denke nur an das legendäre Fox Theatre. Das GEORGIA THEATRE befindet sich jedoch schon seit seiner Gründung als Konzerthalle (1978) in Athens/GA. Richtig, exakt dort wo die TRUCKERS schon seit Jahren (im wahrsten Sinne des Wortes) zu Hause sind.

Nach so viel Besserwisserei aber nix wie rein mit der Blackberry Scheibe. Ein kurzes Intro zeigt uns die Location, freundliches Publikum und führt uns in eine vermeintlich durchgehende, zweistündige Show. Aber siehe da, kaum ist der kernige Opener Like I Am vom Stapel gelassen, erzählen diese echten Originale aus Dixie (was für klasse Bärte...) mal kürzere, mal längere Geschichten aus ihrem Leben; werden lose und ungezwungen alte Fotos und Filmschnipsel eingespielt. Dabei erfährt man durchweg Interessantes über diese ungemein mit ihrer Heimat verwurzelten Musiker. Die Sorge, der Konzertmitschnitt könnte darunter leiden, ist, verspreche ich, unbegründet. Alle Songs des Konzertes werden komplett wiedergegeben und sind nicht ein einziges mal nachteilig geschnitten. Die Breaks kommen fließend und werden keineswegs als störend empfunden. Zudem kommen doch einige Infos 'rüber, die man sonst wohl nie erfahren hätte. Zum Beispiel der recht ausführliche Clip aus den Echo Mountain Studios. Eine ehemalige, 1912 erbaute Kirche in Asheville/North Carolina, in der BLACKBERRY SMOKE schon einige Songs aufgenommen haben. Ebenso bedeutsam, die durchaus harte Erkenntnis, wie sehr "On the road" eine Familie, im Besonderen den Papa eines kleinen Mädchens belasten kann.
Doch zurück ins Konzert. Spätestens der Country Rock Reißer Good One Comming On offenbart, wie wichtig es war Keyboarder Brandon Still als festes Bandmitglied an Bord zu holen. Er bereichert den Live Sound der Band ungemein und sein witzig-eigensinniger Spleen, zwei moderne Keyboards in ein Hammond B3 ähnliches Holzgestell zu packen (frontseitig mit genau dem Wandteppich getarnt, der einst die gute Stube von meiner lange verstorbenen Tante Hedel zierte) macht ihn nur noch sympathischer. Es fehlen eigentlich nur noch die Reh- und Hirschgeweihe, die Tante Hedel, als Försterswitwe, seinerzeit dazu drapierte...

Spätestens mit dem kernigen Up In Smoke verwandelt sich das ausverkaufte Georgia Theatre in einen brodelnden Hexenkessel. Die folgenden Nummern Ain't Much Left Of Me und Everybody Knows She's Mine schüren das Feuer weiter und im Anschluss daran ist es schlichtweg fantastisch, wie BLACKBERRY SMOKE im neu eingespielten, bärenstarken, doch ungemein gefühlvollen Sleeping Dogs auf höchstem Niveau dahin jammen. Zwischendrin bauen sie ABBs Midnight Rider, THE METERS' Cissy Strut und DEADs I Know You Rider ein und beginnen regelrecht zu fliegen. Diese Nummer, auf zwölf, fünfzehn Minuten gedehnt, könnte ein Live Monument nach Art GOV'T MULEs werden. Die Tracklist des Booklets listet den Song fälschlicher Weise auf Platz 13 - im DVD-Menü wird sie jedoch richtig angezeigt.
Mit dem Freedom Song, eine wirklich wunderbare Hymne, geht das Konzert überaus gepflegt weiter. Die beiden Gitarristen, Frontmann Charlie Starr und Paul Jackson, zelebrieren die Nummer geradezu liturgisch, duellieren sich mit herrlichen Double Twin Läufen, werfen sich ihre Soli Ping Pong Bällen gleich zu und spielen sich darüber in höhere Sphären. Doch keine Sorge, die beiden, wie Felsen in der Brandung stehenden, "Rhythmus-Brüder" Brit und Richard Turner holen ihre Gitarristen wieder herunter, denn sie untermauern (nicht nur) diesen Song mit einem immer präsenten, kräftigen Groove.
An dieser Stelle muss dann doch mal erwähnt werden, dass die Kameraführung schlichtweg perfekt ist. Sie wechselt unaufgeregt zwischen den Portraits der einzelnen Musiker, den Instrumenten und der gesamten Bühne; stößt aber auch immer wieder tief ins (teilweise sehr hübsche) Publikum. Bedenkt aber bitte, liebe Leser, dass BLACKBERRY SMOKE keine Band ist, die mit hunderttausenden Bucks um sich werfen kann. Eine üppig-aufwändige DVD-Ausstattung und endloses (bei vielen Acts ohnehin sterbenslangweiliges) Bonusmaterial sucht man auf "Live At The Georgia Theatre" also vergebens. Aber das ist meiner Ansicht nach zu vernachlässigen. Gerade diese Liveaufnahme zeigt einmal mehr auf, worauf es bei Konzertfilmen ankommt, wie spannungsgeladen eine Handvoll Kameras lebendigste Stimmungen einfangen können und wie bedeutsam ein hervorragender Schnitt ist. Besser, finde ich, kann man es wirklich nicht machen!
Zudem treffen wir nach dem Freedom Song auf den längst untergegangen geglaubten Kapitän einer angeschossenen, offensichtlich jedoch unsinkbaren Fregatte. Jimmy Hall von WET WILLIE! Im Schatten seines Hutes würzt er den BLACKBERRY SMOKE Gig mit WET WILLIEs Country Side Of Life. Ein Song, den er mit unnachahmlicher Stimme und ein paar obligaten Saxophon-Tupfern interpretiert.

Eine Southern Rock Nummer vor dem Herrn ist mit Restless angesagt. Nach einem witzigen Intro wascheln uns Charlie Starr & Band, verstärkt durch Zac Brown (Voc.) und Clay Cook an der dritten Klampfe (beide ZAC BROWN BAND) einen Kracher erster Kajüte um die Ohren. Die drei Les Paul Gitarren lassen sich nur noch mit "Wand" umschreiben. Ein Triple Lead Gewitter in Orkanstärke! Unmöglich kann diese Live Version von Restless spontan entstanden sein. Wenn doch, dann fress' ich einen Viertelpfünder ölige Putzwolle...
Im Anschluss steht das neue The Whippoorwill ins Haus. Hier lernt man Charlie Starr auf eine völlig andere Art und Weise kennen. Autobiografisch erzählt der Mann eine eher dunkle Episode seines Lebens. Vom ersten Tune hingegen, fühlt man sich in PINK FLOYDs "Wish You Where Here" Album hinein versetzt. Wie dieser Fuchs aus Alabama zwischen Gilmour'schen Akustikperlen und jammenden Southern Rock Sequenzen pendelt ist überaus hörens- und achtenswert. Man kann also, da bin ich mir sicher, mit großer Vorfreude BLACKBERRY SMOKEs neuem Album entgegen sehen.
Als nächstes wird Willie Nelson's Yesterday's Wine auf die Hörner genommen. Clay Cook übernimmt den Part an der Pedal Steel und zeigt einmal mehr sein Können. Auch wenn BLACKBERRY SMOKE hier dicht am Original bleiben, verkommt die Nummer nicht zu einer rührseligen Volksmusik-Soap sondern bleibt ein greifbarer Country Song mit locker sitzender Hose und frisch gebügeltem Western Shirt.
Der Country Part des Auftritts findet mit dem frechen Son Of The Bourbon (von der "New Honky Tonk Bootlegs) eine ungemein bereichernde Fortsetzung. So ganz nebenbei wird SONNY THROCKMORTONs The Way I Am in die Nummer eingefädelt, ein Stück weit getragen, um dann ganz unauffällig wieder daraus zu verschwinden. Man kann ja dieser Country (Rock) Attitüde BLACKBERRY SMOKEs gegenüberstehen wie man will. Hier, auf dieser DVD, kommt sie absolut echt und glaubwürdig herüber!
Da passt dann auch das Intro (des nächsten Songs) Dueling Banjos. Hier wird dieser Yankee Doodle-Verschnitt allerdings mit den zwei Paula's von Starr und Jackson angespielt, die aber schon bald in Man Of Constant Sorrow überleiten. Diesem Traditional drücken BLACKBERRY SMOKE mit aller Kraft das breite Siegel Orville Gibson's auf. Griffig, mit rasender Härte und einer Spielfreude die ihresgleichen sucht wird ...Constant Sorrow interpretiert; bleibt sofort im Gedächtnis hängen! Wer übrigens mehr über diesen jahrhunderte alten Song wissen möchte, darf gerne in meinem Review über BILL LEVERTYs "Deep South" nachschlagen.
Mit Shake Your Magnolia wird langsam das Ende des Konzerts eingeläutet. Der Song, einer der plakativsten des "Little Piece..." Albums, wird mit der urtümlichen Gewalt eines krachenden Bier-Rülpsers von der Bühne gestoßen und fährt wie Blitz und Donner in des Publikums Mark und Bein. Glaubt mir eins, Leute, da schütteln einige Ladys die Magnolien, dass es eine wahre Freude ist!
Bleibt, als grandioser Abschluss, eine wunderbar subtile Version des Deep Elem Blues. Nochmal eines jener uralten Traditionals aus Dixie's tiefsten Kellern, die es so sehr wert sind, gerade an das bleiche Tageslicht des gegenwärtigen Music Bizz geholt zu werden. Eine Nummer, die noch nicht oft die gepressten Oberflächen von CDs oder LPs erreichte. BLACKBERRY SMOKE, Jimmy Hall (erstklassige Harp) und Clay Cook zelebrieren daraus einen sehr in die Tiefe gehenden Song, der, im Vergleich zu den wenigen, bisher dargebotenen Spielarten zuletzt einen hundsgemeinen Drive entfaltet. In jedem Fall ein Konzertausstieg vom allerfeinsten!

Was ich ein wenig bedauere, ist, dass BLACKBERRY SMOKE keines ihrer perfekten LITTLE FEAT Cover oder aber auch ihre fantastisch intonierte Version von TOLCHERs Sunrise In Texas auf die DVD brachten (bitte, liebe Leser, bemüht hier unbedingt youtube)! Ich gebe ja zu, dass dies Mäkeln auf oberstem Niveau ist, doch wer sich etwas intensiver mit Charlie Starr und seinen Jungens, vor allem aber auch mit "Live At The Georgia Theatre" beschäftigt, wird nach kurzer Zeit bemerken, was für eine begnadete Band hier agiert und wie viel Leidenschaft sie gerade auch in Cover Songs legt. Gerade so, als wollten sie diese Nummern zu den ihren machen.

Ganz ehrlich: Selten hab' ich mich so wohl gefühlt wie mit diesen Originalen von BLACKBERRY SMOKE. Südstaatler durch und durch. Offen gesagt, ich wüsste neben REBEL PRIDE oder den DRIVE-BY TRUCKERS keine anderen Bands, die sich so sehr nach Dixie anhören, fühlen, riechen und von mir aus auch schmecken. Die musikalische Essenz des gesamten Südens! Ein größeres Kompliment kann ich BLACKBERRY SMOKE nicht machen. Schafft bitte noch ein paar solch genialer Perlen wie "Little Piece Of Dixie", schiebt ruhig alle drei Jahre eine DVD hinterher und kommt verdammt nochmal auf einen Gig nach Oberbayern! Es wird euch gefallen!
10 von 10 Rebel Flags / Code: Free / FSK: 0

Christian "Grisu" Gerecht, 24.02.2012

 

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