Blackberry Smoke

Little Piece Of Dixie

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 24.08.2009
Jahr: 2009
Stil: Southern Rock

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


Blackberry Smoke
Little Piece Of Dixie, Big Karma Records, 2009
Charlie StarrVocals, Guitar, Pedal Steel & Banjo
Paul JacksonGuitar, Vocals
Richard TurnerBass, Vocals
Brit TurnerDrums
Produziert von: Dann Huff & Justin Niebank Länge: 43 Min 36 Sek Medium: CD
01. Good One Coming On07. I'd Be Lyin'
02. Like I Am08. Prayer For The Little Man
03. Bottom Of This09. Restless
04. Up In Smoke10. Shake Your Magnolia
05. Sanctified Woman11. Freedom Song
06. Who Invented The Wheel

Der Schreck über BLACKBERRY SMOKEs Country CDs bzw. EPs "New Honky Tonk Bootlegs" und "Memphis Special Bluegrass" saß beim Rezensenten nicht ganz so tief, wie bei der beinharten Southern Rock Fraktion, die sich zwischenzeitlich etwas angesäuert von den "Brombeeren" abwandte. Es ist zwar nicht so, dass sich der Schreiber innerhalb der Country- und Bluegrass-Szene wohl fühlt, aber nach dem sehr starken Southern Rock Debüt "Bad Luck Ain't No Crime", durfte BLACKBERRY SMOKEs Ausflug ins Country-Lager (mit der Gelassenheit eines Alt-Rockers betrachtet, war dies aber vorhersehbar) nur von kurzer Dauer sein. Sprich: Es war abzusehen, dass sich die Band auch wieder auf ihre wahren Werte besinnen würde. Letztlich darf man jedoch gespannt sein, für welchen Weg sich die "Brombeeren" entscheiden. Dauerhaft auf zwei Hochzeiten zu tanzen, wird vermutlich nicht zu machen sein...
Was der Schreiber an BLACKBERRY SMOKEs erstem Album schon schätzte - das musikalische "Abdecken" (hört sich jetzt blöd an, aber ihr wisst ja, was gemeint ist...) des gesamten Southern Rock Spektrums - setzt sich auf "Little Piece Of Dixie" nahtlos und vor allem vorbildlich fort! Der auf "Bad Luck.." bisweilen noch etwas (zu) rohe und kantige Sound wurde mit leichten Feilenstrichen nur insoweit gebrochen, als dass sich das Trommelfell keine Schiefer mehr einzieht und nun regelrecht geschmeichelt wird. Eine wesentliche Steigerung geht auf "Little Piece Of Dixie" jedoch mit der glasklaren Produktion einher: Das Album ist absolut brillant aufgenommen!

Bevor ich "Little Piece Of Dixie" in seine Einzelheiten zerlege ;-), lasst mich erst noch ein paar Sätze zum herrlich zweideutigen Cover loswerden. Diese Artwork ist eine relativ einfache (und doch wirkungsvolle) Foto-Collage, die wie ein Gemälde von Hieronymus Bosch anmutet. Nein, nicht der Blick durch die Windschutzscheibe des alten, zerdengelten Pick-up's auf Feldweg und "The sweetness of the grass in Tennessee" ist gemeint, sondern das herrlich verquere Sinnbild des Südens auf dem Innersleeve des Digipacks. Da stehen und sitzen die Bandmitglieder unter eher großformatiger, zum Trocknen aufgehängter, rot gefärbter(!) Unterwäsche; dazwischen und daneben fürchterlich zerknitterte Bluthunde, ein "For Sale"-Schild und ein ziemlich herunter gekommener Chevrolet Pick-up, der einen, zudem von allerlei Geziefer und Getier besetzt, eher traurigen Eindruck hinterlässt. Da ist der große Schneck' auf dem rechten Kotflügel und ein Leguan auf dem Linken; da erklimmt eine riesige Spinne die runde Motorhaube, die eigentlich schon von einem halbwüchsigen, aber wohl milde gestimmten Geißbock besetzt wird, während sich ein dreibeiniger Hahn das Dach des Autos erobert hat. Über die Fracht des Pick-up's herrscht Uneinigkeit. Dass könnte von der riesigen (und alt gewordenen) Brust aus Woody Allen's "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten", über ein gewaltig vergrößertes Bullen-Ei, bis hin zu einem Elefantenarsch so ziemlich alles sein...
Viel interessanter dürften da die, auf Halb(telegrafen)mast hängende Rebel Flag, der darüber schwebende Zeppelin, blöd herumstehende Mack- oder Peterbilt-Trucks sowie der in Schrott trapierte Ochsen-Skull und das mit der Gemarkung von Georgia (plus Sternchen für Atlanta) tätowierte Hängebauchschwein sein. Ihr seht schon, liebe Leser, hier kann man reichlich mit den Augen spazieren und eine ganze Menge hinein interpretieren, ohne dass einem dabei schnell langweilig wird. Ich mache wirklich nur selten ein Aufhebens um CD-Cover und Innersleeves; dieses war es wert, ausführlicher besprochen zu werden!
(Ein kleines Booklet mit Texten und weiteren Fotos wäre natürlich auch schön gewesen, aber man kann ja nicht alles haben...)

Aber kommen wir endlich zu dem, weshalb eine CD im Eigentlichen besprochen wird. Der Musik! Hier haben sich BLACKBERRY SMOKE wieder auf ihre eigentlichen Tugenden besonnen, Musik geschaffen, die alle Wurzeln und Spielarten des Southern Rocks berücksichtigt und ein wirklich breit gefächertes Southern-Scheibchen abgeliefert. Schon der eröffnende Countryrocker Good One Coming On ist ein Take, wie man es nicht besser machen kann. Sofort und ohne Umschweife fühlt man sich auf irgendeine schön gelegene Veranda in Dixie versetzt. Es nieselt zwar still vor sich hin, aber das macht nichts, denn es ist angenehm warm, dass Bier ist kalt und die Schaukelstühle, die Grandaddy vor 40 Jahren so reparierte, dass nichts mehr wackeln konnte, schwingen, inklusive Hörer, leicht hin und her...
Like I Am bricht in typischer LYNYRD SKYNYRD Manier aus den Boxen. Krachende Gitarren, erdiger Groove, passende Vocals... auf der Veranda bleiben wir...! Kaum gedacht, bollern uns BLACKBERRY SMOKE den herrlichen Rootsrocker Bottom Of This um die Ohren. Was macht da schon das bisschen Regen?! Der Song hat eine sensationell-einfache, dafür umso einprägsamere Hookline, die sofort zum Mitsingen einlädt. Tun wir auch, denn es ist egal; hört uns ja eh keiner da draußen...!
Mit Up In Smoke ziehen BLACKBERRY SMOKE den Groove ein wenig an und beleuchten recht ausdrucksstark die wichtigen Dinge südlichen Landlebens. Egal ob der Freighttrain rumpelt, der Redneck Backbeat die Erde beben lässt oder ein Hillybilly Hoedown auf die Bretter gelegt wird: Es geht "Up In Smoke"! Eine feine Nummer, übrigens!
Die Sanctified Woman ist für Teile des Bibelgürtels wohl immer noch wichtig. Einen Song darüber durften wir schon lange nicht mehr hören. Hier brettern uns die "Brombeeren" eine so ordentlich drauf los preschende Nummer um die Ohren, dass wir vor Staunen vergessen die Schaukelstühle anzustubsen. Die wunderschöne Halbballade Who Invented The Wheel stürzt die Veranda-Schaukler sogar in eine mittlere Sinnkrise. Wer hat das Rad erfunden? Wer die Musik? Wer das Bier, den Whiskey, den Schaukelstuhl? Und wer holt die nächste Lage aus dem Kühlschrank...?!
Zwar beginnt es nun etwas stärker zu regnen, aber noch tropft kein Wasser durch die undichte Stelle im Veranda-Dach. I'd Be Lyin' wird dazu angestimmt und geht wieder schwer in Richtung 70er Jahre Lyn Skyn. Ein erstklassiger Song, den BLACKBERRY SMOKE herrlich schleppend, mit krachenden Gitarren, feinen Soli und zum Ende hin mit einem kreativen Break interpretieren. Bärenstark wird es mit dem Countryrocker Prayer For The Little Man! An der Nummer ist jedes Tune ein Genuss, ja keines mehr und keines weniger hätte sie erhalten dürfen. Ihre sympathische Eingängigkeit lässt sie vielleicht auch für viele US-Radiostationen interessant werden. Ein Erfolg, den ich den "Brombeeren" von Herzen gönnen würde!

Weit weg von unserer Veranda grummelt es vernehmlich, färbt sich der Himmel ein ganzes Stück weit dunkelgrau. Für Sekunden setzt der Regen aus, um danach nur noch stärker herab zu prasseln. Passend dazu bollern uns BLACKBERRY SMOKE ihr fantastisches Restless um die Ohren. Herrgottsakrament, was ist das für eine klasse Nummer! Durch das Loch im Veranda-Dach beginnt es langsam aber stetig zu tropfen. Scheiß der Hund drauf! Auch auf das Gewitter! Wir holen uns noch ein paar Bierchen und feiern weiter einen herrlich faulen Samstagnachmittag mit herausragender Mucke und irgendwie dazu passenden Wetter! Shake Your Magnolia animiert uns sogar noch mehr einen abzufeiern. Der Song ist mit allen Attributen einer guten Southern Rock Nummer versehen; vielleicht sollten wir anstelle des Biers doch eher Herrn Daniels aus dem Eisfach holen. Den guten Single Barrel. Schließlich ist heut' ein besonderer Tag!
Langsam schmelzen die Eiswürfel im Whiskey, die Seele baumelt zufrieden vor sich hin und ganz unvermittelt lässt der Regen nach. Das ferne Gewitter verzieht sich langsam in Richtung Alabama, brabbelt nur noch beleidigt und ganz weit weg vor sich hin. BLACKBERRY SMOKE haben ihren Rausschmeißer angestimmt. Freedom Song nennt sich diese Hymne unprätentiös und ich behaupte jetzt mal frank, frei(ghttrain-mäßig) und laut, dass wir in 2009, dem Jahr des vermutlich letzten LYNYRD SKYNYRD Outputs, keine bessere Southern Rock Nummer mehr hören werden. Am Freedom Song gibt es nix, aber rein gar nix zu verbessern. Gut, er hätte in einer richtig langen Gitarrenschlacht enden können; aber tut das ein "Freedom Song"?! Nein, tut er nicht! Er bleibt mit Abstand das längste Take des Albums, hält sich aber mit 5:24 Minuten fürnehm zurück. Dass er nicht an sensationellen Double Leads spart, dass sein knorriger Groove genau dem, des einstmals in Jacksonville's Westside erschaffenen entspricht, dass er schon heute in die Annalen der Southern Rock Hall of Fame eingeht, sprich, dass er einfach eine wahre Ohrenweide ist, soll und muss den potentiellen Hörer und Käufer dieser CD nur umso mehr anspornen! Diese Nummer allein wäre den Erwerb der Scheibe wert!
Jählings, wenn auch schon etwas müde, bricht eine orange Sonne durch die Wolkendecke. Kaum breiten sich ihre Strahlen zaghaft aus, beginnt es herrlich nach rein gewaschenem Land, nach Heimat (und ein bisschen auch nach Single Barrel) zu duften. Ein nass-warmer und ungemein gehaltvoller Spätnachmittag neigt sich dem Abend entgegen. Zeit, "Little Piece Of Dixie" nochmal laufen zu lassen, die leeren Whiskeygläser beiseite zu stellen und ca. vier Kilo Spare Ribs mit "Bone suckin' Sauce" zu marinieren. Morgen wird’s sonnig und warm. Was ist da schöner, als ein kleines Mini-BBQ...?!

Des Rezensenten Fazit fällt diesmal schlicht und einfach aus: Hätten wir beim HoM Punkte oder Sternchen, meinetwegen auch Rebel Flags zu vergeben und würde die Höchstpunktzahl bei, sagen wir mal, 15 Einheiten liegen, dann bekäme "Little Piece Of Dixie", ohne Wenn und Aber 14 Pünktchen/Rebel Flags/Sternchen. Dieses Album ist essentiell, ist der Süden wie er leibt und lebt, ist ein wirkliches (wie mit dem Spaten ausgestochenes) Stück Dixie! Seit HOGJAWs Debüt im letzten Jahr, war kein Southern Rock Album mehr so nachdrücklich zu gewichten. Deshalb sei ein jeder, der sich Southern Rock auf die Fahnen schreibt, dringenst eingeladen, sich sein eigenes "Little Piece Of Dixie" zu holen. Just For Kicks hat einige davon!
Aber das Stück mit der Veranda und den Schaukelstühlen geb' ich nicht mehr her...!

Christian "Grisu" Gerecht, 22.08.2009

 

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