Todd

Niagara Gain

Berlin, Rosi′s, 20.01.2005

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 20.01.2005

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen

Peter Tenzler


Berlin, Rosi's, 20.01.2005

Niagara Gain Das schräg-gemütliche Rosi's lud mal wieder zu einem Konzert mit gleich zwei spannenden Bands, die man der Fraktion "Gepflegtes Ohrensausen garantiert" zuordnen kann.
Den Anfang machten die b.e.a.p.-Allstars NIAGARA GAIN, die diese Bezeichnung deshalb verdienen, da sie sich aus Mitgliedern gleich mehrerer Bands dieser Plattform (siehe www.beap.de) rekrutieren.

Niagara Gain Da sind zum einen von ROTOR Milan an den Drums, Marco am Bass und Tim an der Gitarre und am Synthesizer, dazu Timo von DRIVE BY SHOOTING am Frequenzgenerator und die beiden TRANSPORTER-Gitarristen Boris und Rico. Das ganze dreht sich langsam aber stetig um Noise, Drone und das weiße Rauschen, wie es sich zum Beispiel auch Bands wie SUNNO))) oder KHANATE zum Ziel gesetzt haben.

Niagara Gain Das sind keine Songs, sondern eher Endlosschleifen, ineinander verzahnte musikalische Momentaufnahmen, immer wenn die Flamme zu versickern droht, wird sie aus irgendeiner Ecke wieder neu entzündet.
Das wirkt teilweise sehr spontan, wie in einer großen Noise-Session und dabei teilweise charmant ungefeilt. Jedenfalls ist ein Auftritt von NIAGARA GAIN immer eine spannende Sache, weil man nie so richtig weiß, wohin die Reise geht. Und auch heute abend gibt es wieder diese aufregenden Momente und Sounds, die die Faszination dieser lauten, unbezähmbaren Musik ausmachen.

Todd Nach etwas mehr als einer Stunde räumten die Local Heroes das Feld, um den von der Presse geradezu als Heilsbringer gefeierten britischen Noise-Erneuerern von TODD das Feld zu überlassen. Wobei das mit der Herkunft etwas differenziert zu sehen ist, stammt der Kopf der Band, Craig Clouse, doch ursprünglich aus Texas.

Clouse ist ja auch kein Unbekannter, war er doch schon mit HAMMERHEAD und NEGATIVE STEP zu Gange. Zusammen mit Fifi Cernosek, dem Verrückten an den Keyboards, dem Saitenwizard John Webb und dem lebenden Kraftwerk Francis Axe Handle an den Drums, einem halbnackten Bassisten und brüllender Verstärkung, sogar aus dem Publikum, zelebriert der Wahl-Londoner seinen nihilistischen, kranken Brutalo-Sound ("Fuck Rock'n'Roll"), irgendwo zwischen Schlachthofstoner, Turbodüsenthrash und schlichtweg apokalyptischem Krach.

Todd War Noise seit den Achtziger Jahren mit JESUS LIZARD, UNSANE oder NIRVANAs "Bleach" regelrecht verschüttet, so sind TODD auf dem besten Wege, die alten Geister wieder zu beschwören, dies aber mit der Desillusion des 21. Jahrhunderts.
So atemberaubend das Ganze auch war, nach etwa 40 Minuten war ziemlich abrupt Schluss. Irgendwie konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Band angesichts des zwar zahlreichen aber eher geplättet-sprachlosen Publikums keinen rechten Bock mehr hatte. Andererseits vielleicht auch ganz gut so: die Ohren klingelten auch so ganz ordentlich.

Ein interessanter, ziemlich extremer Abend, leider etwas kurz in Sachen Nettospielzeit.

Ralf Stierlen, 25.01.2005

Bilder: Peter Tenzler, 20.01.2005

 

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