Fotos: Jörg Litges
Setlist
THE ANSWER

01. Vida (I Want You)
02. Under the Sky
03. Too Far Gone
04. Nowhere Freeway
05. Trouble
06. Waste Your Tears
07. Evil Man
Setlist Whitesnake
Setlist
WHITESNAKE

01. Bad Boys / Children Of The Night
02. Give Me All Your Love
03. Love Ain't No Stranger
04. The Deeper The Love
05. Steal Your Heart Away
06. Forevermore
07. Snakedance (Guitar Duel)
08. Can You Hear The Wind Blow
09. Rock Me Baby
10. Love Will Set You Free
11. The Badger (Drum Solo)
12. Is This Love
13. Fool For Your Loving
14. Here I Go Again
15. Still Of The Night
Encore
16. Soldier Of Fortune
17. Burn / Stormbringer
18. We Wish You Well
Whitesnake, The Answer,
Oberhausen, Turbinenhalle, 24.11.2011

Aus Oberhausen berichten Maurice Schreiber, Ralf Frank und Jörg Litges (Fotos).

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In den acht Jahren zwischen dem Split 1976 und der Reunion 1984 galten WHITESNAKE zu Recht als legitimer Nachfolger von DEEP PURPLE.
Natürlich pflegte Ritchie Blackmore mit RAINBOW den PURPLE Sound und auch die IAN GILLAN BAND berief sich trotz zum Teil schwer erträglicher Fusionlastigkeit auf das Erbe, aber WHITESNAKE hatte spätestens mit dem Beitritt der Gründungsmitglieder Jon Lord und Ian Paice das größere Pfund zum Wuchern.
Auch nach der PURPLE Reunion konnte sich die Band trotz häufig wechselnder Besetzung nicht nur behaupten, sondern sogar steigern, nicht zuletzt duch hochklassigen Zuwachs wie z. B. Steve Vai, Adrian Vandenberg, Rudy Sarzo (u. a. DIO, OZZY, QUIET RIOT), Tommy Aldridge (u. a. BLACK OAK ARKANSAS, Pat Travers, OZZY, Gary Moore, Ted Nugent, THIN LIZZY) oder Don Airey.
Obwohl die Karriere mittlerweile einige Tiefen durchmachen musste, hält sie bis heute an und konnte in den letzten Jahren durch diverse erfolgreiche Veröffentlichungen sowie eines erneut ausgezeichneten Line Ups wieder Fahrt aufnehmen. Zurzeit befindet sich die Band auf Welttournee um ihr aktuelles Album "Forevermore" zu promoten.

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Als Warm-Up sind die Irischen Retro Hoffnungsträger THE ANSWER mit von der Partie, die selbst auch ein neues Album im Gepäck haben.
Die Band wird seit ihren ersten Releases als die kommenden Superstars gehypt und Supports für AC/DC oder die STONES ließen sich auch als Sprungbrett gut an, doch so richtig will die Karriere nicht in Gang kommen. Das neue Album hat zumindest alle Voraussetzungen für eine Erfolgsgeschichte, ob der Gig dieser zuträglich ist, wage ich zu bezweifeln.

THE ANSWER schaffen es zu keinem Zeitpunkt, die WHITESNAKE Fans aufzupeitschen, die eigenen Fans, die nur wegen dem Quartett von der grünen Insel gekommen sind, sind deutlich in der Minderheit.
Bis auf einen völlig überdreht herumzappelnden Cornac Neeson, der eine hibbelige Mischung aus Joe Cocker, Körperklaus und Robert Plant Karikatur abliefert, ist die Bühne deutlich zu groß um Präsenz zu zeigen.
Die Songauswahl ist für meinen Geschmack auch nicht wirklich gelungen, die Highlights von "Revival" sind leider nicht dabei, dazu ist der Auftritt auch im Grunde zu kurz.
Für viele WHITESNAKE Fans hätte es wohl auch noch kürzer sein dürfen, THE ANSWER Fans werden vermutlich sowieso auf einer Headliner Tour ihrer Lieblinge durch kleinere Säle und Klubs besser bedient.

Ralf Frank, (Artikelliste), 27.11.2011


Nach einer eher durchwachsenen Darbietung auf der vergangenen Tour (Playback sei "Dank") wagt sich David Coverdale mit seiner Band WHITESNAKE wieder in deutsche Hallen, um das neue Album "Forevermore" auf der Bühne zu präsentieren.
Konnte die Platte doch recht überzeugen, so muss er heute beweisen, dass er es auch live noch bringt und die Fehler der Vergangenheit vergessen machen kann.
Im Vorprogramm gibt es dabei die jungen Durchstarter von THE ANSWER zu bestaunen, die in den letzten Jahren mit ihrem frischen Retro-Rock für Furore gesorgt haben, und die bereits als Support für AC/DC auf großen Bühnen ordentlich Erfahrung sammeln konnten.
Die Turbinenhalle füllt sich an diesem Donnerstagabend schon recht gut und das überwiegend ältere, teils ergraute Publikum wartet gespannt darauf, was die nächsten Stunden so bringen werden.

Mit THE ANSWER können offensichtlich recht wenige etwas anfangen, denn die Reaktion der Zuschauer fällt zunächst etwas verhalten aus. Doch im Laufe der Show lockert sich die Stimmung dann doch merklich auf, denn die jungen Iren zünden ein wahres Feuerwerk an klassischem Hardrock mit einem ordentlichen Schuss Blues, das sofort die Menge mitreißt.
Es wird ein Querschnitt der bisherigen drei Alben geboten, wobei mir persönlich die deutlich bluesigeren Nummern des Debuts am ehesten zusagen. Doch auch die Hits des sehr guten, neuen Werkes "Revival" kommen sehr gut rüber und können auch live voll überzeugen.
Einziger Kritikpunkt ist bestenfalls das etwas nervig-hektische Rumgehampel des Sängers Cormac Neeson, doch über dieses kleine Manko kann man auch schnell hinwegsehen. Ansonsten ein sehr ordentlicher Auftritt und einige werden sich den Namen THE ANSWER in der Zukunft sicherlich merken.

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Nach einer Umbaupause ist es dann soweit und eine der dienstältesten Hardrockbands aller Zeiten, WHITESNAKE, betritt die Bühne, um nochmal zu beweisen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
Und um es kurz zu machen: Die hohen Erwartungen werden leider an diesem Abend kaum erfüllt und die Show gerät eher zu einer handfesten Enttäuschung. Woran das liegt? Nun, wer die Band seit Jahrzehnten kennt und liebt, hat im Laufe der Zeit gewisse positive Eigenschaften kennengelernt, die WHITESNAKE eigentlich immer ausgemacht haben: seinen es die gefühlvolle, bluesgetränkte Stimme von David Coverdale, das bluesig-rockige Gitarrenspiel aus der Frühphase Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre oder der blitzsaubere Hairspray-Heavyrock von Alben wie "1987" oder "Slip Of The Tongue"; fast immer konnten sie überzeugen und Maßstäbe setzen. Doch von alledem ist live leider nicht mehr viel zu spüren.

Die Stimme des ehemaligen DEEP PURPLE-Sängers ist mittlerweile völlig dahin bzw. wird von (Teil-) Playback überspielt, die Band übertreibt es eindeutig mit ellenlangen Soli und dudelt alles in Grund und Boden und auch der Sound ist eher durchwachsen. Klar, Evergreens wie Bad Boys, Here I Go Again oder Ain't No Love In The Heart Of The City, unter die sich aber auch einige belanglosere neue Nummern mischen, werden immer noch von einem Großteil des Publikums wohlwollend aufgenommen, doch wirklicher Enthusiasmus will nicht so recht aufkommen, da wirkt das Ganze leider auch viel zu festgefahren und einstudiert.
Ja, viele liegen sich bei Is This Love auch in den Armen, doch der Rezensent zieht es klar vor, ins Foyer zu gehen und sich das eine oder andere Kaltgetränk reinzupfeifen. Tja, das nennt sich wohl Selbst-Demontage, und in dieser Verfassung geraten die gut 2 Stunden eher zur Qual.

Fazit: Leider haben WHITESNAKE heute absolut keinen guten Eindruck hinterlassen und die jungen THE ANSWER sind eindeutig die Gewinner des Abends. So muss frischer Rock klingen und das haben die irischen Rocker sehr gut drauf. Mal sehen, was die Zukunft für WHITESNAKE noch bringen wird und ob sie nochmal die Kurve kriegen können.
Nur eine musikalisch starke Band mit zweifelsohne guten Musikern reicht nun mal nicht aus, wenn die ganze Show gelingen soll. Zudem sind auch die Merchandise-Preise eher jenseits von Gut und Böse, was den Gesamteindruck nicht wirklich verbessert. Schade!

Maurice Schreiber, (Artikelliste), 04.12.2011


Während WHITESNAKE auf ihren Alben nach wie vor überzeugen können, war dies live in den letzten Jahren leider nicht der Fall und das liegt sicher nicht an Doug Aldrich (u. a. DIO - guit,voc), Reb Beach (u. a. WINGER - guit,voc), Michael Devin (u. a. LYNCH MOB - bass,voc), Brian Tichy (u. a. FOREIGNER - drums,voc) oder Brian Ruedy (u. a. KORN - keyb,voc), der extra für die Tour verpflichtet wurde, nein, das liegt schlicht und ergreifend an David Coverdale, dem die Stimme abhanden gekommen ist.
Die berühmte melodiöse Bluesröhre existiert leider nur noch im Studio, auf der Bühne überlässt er die meisten Gesangsparts der Band, dem Publikum und vor allem Brian Ruedy, der selbst als exzellenter Vokalist gilt, während Coverdale entrückt und posend die Lippen bewegt. Ein Teil kommt möglicherweise auch vom Band und nur das, was dann noch übrig bleibt, krakeelt Coverdale in kurzen Verszeilen ins Mikro. Selbst dafür muss ihm die Band durch ausgedehnte Soli noch allerlei Raum zur Rekonvaleszenz verschaffen.
Zugegeben, das hat es auch in den goldenen 80ern schon gegeben, Moody und Marsden, Lord und Paice haben es einmal in der Grugahalle so weit getrieben, dass außer den Soli nur etwa sieben Songs auf der Setlist standen, aber diese dann eben auch aus voller Brust intoniert.

Ich möchte den vielen begeisterten Fans nicht ihre Illusionen rauben, aber was ihr zu hören glaubt, ist über weite Strecken vermutlich leider nicht der legendäre Sänger sondern eine ausgefeilte Bühnenshow, die eben diesen Eindruck erwecken soll und wenn man so in die Menge schaut, auch durchaus erfolgreich damit ist.
Immerhin steht David Coverdale noch selbst auf der Bühne und schaut mit seinen sechzig Jahren dabei auch noch ausgesprochen gut aus, trotzdem kommt die Show einem Abgesang gleich und man stellt sich die Frage, ob die alten Helden nicht lieber ein wenig kürzer treten sollten.

Nebenbei: Ich bin eigentlich wie der Kollege Schreiber der Meinung Ain't No Love In The Heart Of The City im Set identifiziert zu haben, auf der Setlist taucht dieser aber nicht auf, ebenso wenig wie auf einschlägigen Websites, sollten wir uns tatsächlich derart getäuscht haben?
Sachdienliche Hinweise nehmen wir gerne in unserem Forum entgegen, thanx.

Ralf Frank, (Artikelliste), 05.12.2011