Fotos: Peter Schepers
Tommy Castro, Eamonn McCormick,
Dortmund, Blue Notez Club, 25.11.2017

Samstagabend in Dortmund. Tonnenweise Emotionen liegen über der Stadt. Während sich Zehntausende über das unheilschwangere 4:4 gegen den Erzrivalen Schalke wundern und ärgen, freuen sich wenige Kilometer weiter im ansehnlich gefüllten "Blue Notez Club" die Leute auf einen amerikanischen Act, der wahrlich nicht alle Tage in Deutschland auftaucht. Der aus Südkalifornien stammende Tommy Castro, kein großer Star im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern eher ein hart malochender Vertreter des Blues - besser gesagt Rhythm & Blues - der in Deutschland nur den Kennern geläufig ist.
Gibt es also eine größere Freude für Blues und Soul Fans, als sich an einem Samstagabend von einem großen seiner Zunft mit frischer und energiegeladener, souverän und lustvoll gespielter Live-Musik den Tag zu versüßen? Wohl kaum!

Bevor der 62-jährige Gewinner des "B.B. King Entertainer Of The Year Award" mit seinen Painkillers (welch geiler Name) die Bühne betrat, musste sich das Publikum zunächst durch die ungewöhnlich blasse Performance des irischen Bluesrock-Gitarristen Eamonn McCormick schlängeln. Der Insulaner versuchte zunächst allein mit seiner massiv angezerrten Gibson SG und seinem vergleichsweise mittelmäßigen Gesang, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Auch die spätere Hinzunahme seines Gadget, das McCormick mittels Bass und Drums aus der Konserve ein wenig Unterstützung leistete, konnte nicht über gewisse Schwächen des Auftritts hinweg helfen. Auch wenn offenbar ein Großteil des Publikums Gefallen an Eamonns Bluesrock-Klischees fand.

Mit Castro und seinen Painkillers ging dann die sprichwörtliche südkalifornische Sonne auf. Ein wirklich gut groovendes Quartett auf hohem Niveau, prima Sound und einer Setlist, die sich gewaschen hatte. Der pfiffige Castro hatte sich, angesichts der Tatsache in Deutschland nicht allzu bekannt zu sein, eine Setlist zurecht gelegt, die kreuz und quer durch seine über zwanzigjährige Plattenkarriere streifte. Die Stärke der Painkillers offenbarte sich in jedem einzeln Song: soulinspirierter Blues oder wahlweise Rhythm & Blues getränkter Soul mit Boogie und Rock'n'Roll Streiflichtern. Vorgetragen mit instrumentaler Kompetenz und grandioser Raspelstimme.

Tommy erinnert vokaltechnisch sehr an den verehrten Delbert McClinton und spielt seine Klampfe im Geiste solcher Veteranen wie B.B. King, Jimmie Vaughan und Robert Cray. Die Rhythmus Section stand vorzüglich im Groove, wobei der elastisch und sehr soulorientiert spielende Bassmann Randy McDonald ein wenig mehr Eindruck hinterließ als Schlagzeuger Bowen Brown. Tastenmann Michael Emerson bekam, wie sollte es anders sein, reichlich Solospots zugewiesen, die er mit furiosen Orgel- bzw. fingerflinken Pianosoli hervorragend ausgestaltete. Da brandete dann zurecht auch Szenenapplaus auf.

Da war es letztlich fast egal, ob Castro nun alte oder neue Songs spielte. Ob nun Nasty Habits, Can't Keep A Good Man Down, Make It Back To Memphis, Ride oder brandneues Material wie Enough Is Enough oder My Old Neighbourhood, alles ging direkt in Herz und Bauch. Man dachte tatsächlich es spiele der männliche Gegenentwurf zu Bonnie Raitt.
Und als schließlich zur Zugabe (Them Changes von Buddy Miles) der zuvor nicht so überzeugende Opening Act McCormick auf die Bühne eilte, um sich mit Castro ein paar gepfefferte Gitarrenduelle zu liefern, hatte die liebe Seele Ruh'. Mit guter Band läuft doch alles wie von selbst. Da konnte man sogar das niederschmetternde 4:4 kurz vergessen.

Frank Ipach, (Artikelliste), 25.11.2017