Fotos: Epi Schmidt
The Blues Band,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 27.04.2017

Der Name THE BLUES BAND hat in der Blues Rock/R&B/Blues-Szene wahrhaftig schon seit Jahrzehnten einen äußerst schwergewichtigen, wenn nicht gar legendären Klang. Und das ohne Zweifel weit über die Grenzen des heimischen Vereinigten Königreichs hinaus.

Am letzten Donnerstag gab sich nun eben jenes wegweisende, bereits 1979 gegründete und seitdem lediglich einmal (zu Beginn der 1980er Jahre) am Schlagzeug umbesetzte, Quintett (seit letztem Monat gibt es übrigens ein vorzügliches neues "Live Album" von den Briten) ein leibhaftiges Stelldichein mit zahlreichen seiner Fans in Aschaffenburgs Vorzeige-Live-Club, dem Colos-Saal.

Photocredit: Epi Schmidt

Genau das passende Ambiente und der richtige Anlass also, um für das Hooked on Music von dort darüber zu berichten. Zumal die fünf Herren ja angeblich daran denken sollen, nach dieser Tournee keine Gastspiele außerhalb ihrer Heimat mehr anbieten zu wollen. Außerdem fungiert das Hooked on Music ja als einer von mehreren Präsentatoren dieser Tour. Noch zwei Gründe mehr für uns, diese vielleicht letzte Gelegenheit zu nutzen und THE BLUES BAND in unseren Breitengraden unter Konzertbedingungen zu bewundern.

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Relativ pünktlich um 20:00 Uhr betraten die Musiker die Bühne des Colos-Saal. Und dann ging es ohne viel Gewese gleich los. Trotz ihres inzwischen leicht fortgeschrittenen Alters, wirkten alle fünf Akteure frisch und topfit. Ihre Spielfreude war von Beginn an sprichwörtlich. So war es kein Wunder, dass der vielgerühmte Funke sofort auf das überwiegend bereits ein wenig angegraute Publikum übersprang. Ganz egal, ob Paul Jones (wahnsinnig wandlungsfähiger Gesang, Mundharmonika, Hintergrundgesang, Perkussion), Dave Kelly (Gesang, Rhythmusgitarre, Slidegitarre, Akustikgitarre, Hintergrundgesang), Tom McGuinness (Leitgitarre, Gesang, Hintergrundgesang, Hinterkopfgitarre), Gary Fletcher (Bass, Gesang, Hintergrundgesang, Akustikgitarre) oder Rob Townsend (Schlagzeug). Jeder der hier Genannten Virtuosen trug (s)einen entscheidenden Teil zum Gelingen des Gigs bei. Sei es im Zuge eines der beeindruckenden (jedoch niemals überzogenen) Soli oder im Zusammenwirken mit den anderen.

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Die Band machte sowohl in den Bereichen Blues Rock, R&B (inklusive Erinnerung an Chuck Berry), Blues, als auch bei ihren Ausflügen in Soul/Gospel (Hommage an Curtis Mayfield) und Funk stets einen bestens aufeinander eingespielten Eindruck. Sie agierte jederzeit abgeklärt, souverän und professionell, ohne dabei den eigenen Spaß an der Sache zu vergessen. Wer oder was sollte diese erfahrenen Cracks denn wohl auch noch aus der Ruhe bringen können.

Es ist wirklich kaum zu glauben, aber die circa zwei Stunden des Auftritts (Set 1 von 20:05 Uhr bis kurz vor 21:00 Uhr, ungefähr 25 Minuten Pause, Set 2 von 21:20 Uhr bis etwa 22:15 Uhr, Zugabe bis gegen 22:30 Uhr, Ende) gingen wie im Flug vorbei. Keinerlei Durchhänger, keine Längen. Einfach nur Weltklasse. Und das über die volle Distanz.

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THE BLUES BAND in Concert in Aschaffenburg. Das war mal wieder meisterliches Entertainment vom allerfeinsten, das keine Wünsche offen ließ. Natürlich wurden Bandstücke aus den unterschiedlichsten Karriereabschnitten geboten. "The Big Blues Band Live Album" diente unter anderem als Grundlage (zwecks Hauptbegründung dafür, warum die darauf zu hörenden Aufnahmen von 1991 erst jetzt herausgekommen sind, wurde angeführt, dass die Band bis vor kurzem tatsächlich keinerlei Ahnung von deren Existenz hatte). Obendrein intonierten Jones, Kelly, McGuiness und Fletcher Material von ihren Soloalben.

Photocredit: Epi Schmidt

Paul Jones machte nach Kräften scherzhafte Werbung für diese Scheiben indem er sie herumzeigte (ausgenommen die CDs von McGuiness, die wohl aufgrund des Brexit [wie er selber spitzbübisch vermutete] nicht nach Deutschland importiert werden konnten). Aber auch auf bandeigene Tonträger wurde hingewiesen. Der im Saal befindliche Merchandisingstand fand in diesem Zusammenhang ebenfalls wiederholt Erwähnung. Selbst die Pausen zwischen den Songs gerieten zu höchst vergnüglichen Momenten. Schließlich wurden die Ansagen immer wieder zu (dann und wann längeren) mit typisch britischem Humor, Witz, (Selbst)Ironie und Charme gewürzten Geschichten.

Nach Beendigung dieses grandiosen Schauspiels waren keine enttäuschten Besucher zu erblicken. Alle waren glücklich oder zumindest sehr zufrieden. So muss das sein. Dave Kelly gab im Verlauf des Konzertes übrigens Entwarnung für die (darüber selbstredend höchst erfreuten) anwesenden und alle anderen außerbritischen Fans, indem er mitteilte, dass THE BLUES BAND auch künftig außerhalb der Britischen Inseln touren wird. Alles demnach zum Glück bloß Gerüchte, von denen offenbar niemand weis, woher die stammen. Freuen wir uns also jetzt schon auf die nächste magische Blues-Rock-Nacht.

Photocredit: Epi Schmidt

Vielen Dank auf diesem Weg abschließend noch an Birgit Bräckle von Brooke-Lynn Promotion für die freundliche Aufnahme in die Gästeliste und an Epi Schmidt für die Fotos.

Michael Koenig, (Artikelliste), 27.04.2017