Fotos: Gudi Bodenstein
The Band Of Heathens,
Dortmund, Musiktheater Piano, 21.05.2017

"Im Grunde sind wir froh, dass wir mal rauskommen aus unserem Land. Die USA sind im Moment ein wenig hin- und hergerissen, wenn nicht gar gespalten." Wen THE BAND OF HEATHENS Sänger Gordy Quist hier meint, weiß man natürlich ohne den Namen der Person zu nennen, die die Nation seit Ende Januar spaltet. Ironischerweise eröffnen die HEATHENS dann ihren Sonntagabend-Gig auch mit dem etwas älteren Song Miss My Life vom "Sunday Morning Record"-Album.

Das heimelige Musiktheater Piano in Dortmund stellt sich im Gegensatz zu ihrer Heimat Amerika natürlich als absolute Wohlfühloase dar. Einträchtig und bestens gelaunt feiern die gut Einhundert BoH-Fans ihre Lieblings-Band, die ihrerseits, wie gewohnt, nicht sonderlich offensiv die absolute Publikumsnähe suchen. Die BAND OF HEATHENS pflegt ihren zurückhaltenden persönlichen Stil. Eine Publikumsanmache im Sinne von Mitklatsch- oder Mitgröl-Arien liegt ihnen fern. Wenn überhaupt, geschieht dies automatisch, organisch, einfach so, weil die Musik keinen andere Reaktion zulässt. Zauberworte wie Groove, Melodieseligkeit und Rückbesinnung auf traditionelle musikalische Werte wie ausgereiftes Songwriting, fantastische Lead-Vocals von Mr.Quist und Ed Jurdi, bestechend perfekter Satzgesang, taffes und dichtes Miteinander. Zeitlos. Ganz so wie die unverkennbaren Vorbilder der Jungs: THE BAND.

Mit einem halben Dutzend Alben im Gepäck ist es natürlich gar nicht so einfach eine feine, ausgewogene und das Publikum zufriedenstellende Setlist hinzubekommen. Was wird gespielt, welche Nummer lassen wir weg? Die BAND OF HEATHENS verfügt inzwischen über so viele hochkarätige Songs, dass sie durchaus ein Drei-Stunden-Konzert ohne Durchhänger spielen könnten. Die spielfreudigen Texaner beschränken sich im Musiktheater Piano jedoch auf knapp 20 Nummern, wobei der Fokus selbstredend auf ihrem aktuellen Knaller-Album "Duende" liegt. Der 60s Pop-Ohrwurm All I'm Asking darf da natürlich genauso wenig fehlen, wie das in STONES'scher Manier rockende Trouble Came Early, mit dem die HEATHENS das Publikum in die Pause verabschieden. Zigaretten, Bier, Wasser, Merchandise. Auffällig, aber inzwischen auch schon fast wieder Alltag: die Leute kaufen wieder Vinyl. Nebenbei bemerkt: im Publikum trifft man kaum jemand unter 45.

Nach der relativ kurzen Pause startet das texanische Quintett furios in die zweite Runde, bringt Neutöner wie Daddy Longlegs, Last Minute Man, Deep Is Love und die verschmitzt grinsende Country-Perle Green Grass Of California. Großartige Lieder. Zum krönenden Abschluss zelebrieren die Jungs ihren Klassiker Medicine Man, mit breit angelegtem Jam-Teil, ekstatischen Gitarrensoli und einem Füllhorn an Spaß. Frenetischer Jubel. Eine spärliche Zugabe, dann schlägt's 22 Uhr, die Lichter gehen an, Heimreise und der eine oder andere denkt womöglich, wie schön es doch ist in Deutschland zu leben.

Frank Ipach, (Artikelliste), 21.05.2017