Fotos: Marc Langels
Skid Row, Double Crush Syndrome, Dirty Thrills,
Saarbrücken, Garage, 07.05.2018

Wenn an einem Abend Bandanas und glitzernde Cowboy-Hüte zur Garderobe gehören und mehr MÖTLEY CRÜE- als SLAYER-T-Shirts anwesend sind, dann kann das nur eines bedeuten: ein Vertreter - wenn auch nur sehr peripher - des Glam Metal ist in der Stadt und gibt sich heute in der Saarbrücker Garage die wohlverdiente Ehre. Dieses Mal sind es SKID ROW, die mit ihrem Debüt 1989 aus dem Stand zu einem weltweiten Millionenseller wurden und diesen Erfolg mit ihrem deutlich härteren Zweitwerk, "Slave To The Grind", bestätigen konnten. Damit ging es bis auf Platz 1 der heimischen Billboard-Charts. Danach kam ein schleichender Abstieg mit einem sich wandelnden Musikgeschmack, internen Streitigkeiten, Besetzungswechseln am Mikrofon und Schlagzeug und eher durchwachsenen Veröffentlichungen. Aber mittlerweile hat die Band sich wieder gefangen und will das nun ihren Fans präsentieren - auch in Europa.

Der Opener kommt an diesem Abend aus London, nennt sich DIRTY THRILLS und muss schon um 19:40 Uhr auf die Bühne. Knappe 30 Minuten Spielzeit stehen ihnen zur Verfügung, die die jungen Briten weidlich dazu nutzen, um Werbung in eigener Sache zu machen. Rein optisch erinnern die Musiker - insbesondere der Bassist Aaron Plows und auch Sänger Louis James - an die Größen der 1960er Jahre, wie etwa die DOORS oder PROCOL HARUM. Musikalisch bieten sie dagegen eher einen sehr energiegeladenen Retro-Rock der Marke LED ZEPPELIN oder RIVAL SONS, den sie gerne mit der Wucht von Stoner Rock-Bands wie etwa den QUEENS OF THE STONE AGE vortragen.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Dementsprechend energiegeladen ist auch der Vortrag an diesem Abend. Insbesondere Sänger James scheint es ein Gräuel zu sein, wenn er auf der Bühne stillstehen müsste. Stattdessen windet und hüpft er im Takt der Musik, dass es für die Fotografen eine echte Aufgabe ist, ein scharfes Bild von ihm einzufangen. Und auch Gitarrist Jack Fawdry vertieft sich so sehr in sein Spiel, dass ihn die Kraft der Musik rtegelmäßig einfach mitreißt. Eine Erfahrung, die zahlreichen der noch recht spärlich vorhandenen Zuschauer sicherlich ähnlich ergehen dürfte. Denn die DIRTY THRILLS wissen an diesem Abend zu begeistern und bekommen daher auch ordentlich Applaus. Von dem Quartett wird man in Zukunft sicherlich noch einiges zu hören bekommen.

Hier gibt es weitere Impressionen der DIRTY THRILLS.

Dann kommt der Auftritt des wohl am meisten von sich selbst überzeugten Musikers Deutschlands wenn nicht gar weltweit: Andy Brings ist wieder in der Garage und hat erneut – wie schon im vergangenen Jahr als Support von ANTHRAX – seine Band DOUBLE CRUSH SYNDROME mitgebracht. Und wie damals gibt er erst einmal den Selbstdarsteller und Provokateur, denn schließlich ist der Witz, die Landeshauptstadt in „Saarficken“ umzubenennen seit dem ersten Mal nicht zwingender oder gar lustiger geworden.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Nun gut, haken wir es als kindischen Gag ab und konzentrieren uns auf die Musik. Diese hat sich logischerweise auch nicht groß verändert. Mit ihrer Mischung aus punkigem Rock und leicht Glam-affinen Makeup passen DCS aber deutlich besser zum heutigen Headliner SKID ROW als zu den New Yorker Thrashern und haben einen recht deutlich vernehmbaren Fan-Club dabei. Daher werden Stücke wie insbesondere Die For Rock ‘n‘ Roll an diesem Abend deutlich lauter abgefeiert als damals und Brings scheint tatsächlich auch etwas nahbarer als beim ersten Mal. Er unternimmt auch wieder seinen - offenbar obligatorischen - Ausflug ins Publikum.

Schön wäre es, wenn sich das überbordende Selbstbewusstsein des Frontmannes auch in den entsprechenden Songs niederschlagen würde. Denn da bleibt bis auf das bereits erwähnte Die For Rock ‘n‘ Roll und vielleicht noch On Top Of Mt. What kaum etwas wirklich hängen. Das kann am etwas verwaschenen Sound hängen, aber ich wage das zu bezweifeln. Die Lieder sind allesamt recht ähnlich gestrickt und auch der Gesang mag mich nicht zu überzeugen. Somit bleibt unter dem Strich für DOUBLE CRUSH SYNDROME: sie machen ihre Sache mit 101 Prozent EInsatz und Leidenschaft und rocken entsprechend heftig, haben aber - zumindest aus meiner Sicht - nicht die nötigen Songs, um auch damit zu begeistern. Da fehlt mir neben dem Feuer häufig noch der letzte Funke. Und dann nützt auch die leidenschaftlichste Show auch nur sehr begrenzt.

Hier gibt es weitere Impressionen von DOUBLE CRUSH SYNDROME.

Doch nun ist es endlich an der Zeit für den Headliner. Und als der um 21:30 Uhr die Bühne betritt ist die erste Reaktion: Ohrenschützer raus und tief in die Ohren, denn der Sound ist brutal laut. Dass die Band dann auch gleich mit einem ihrer härtesten Stücke, nämlich Slave To The Grind, extrem druckvoll in den Set startet, verstärkt den akustischen Eindruck natürlich noch zusätzlich. Was dann in den nächsten knapp 100 Minuten folgt ist ein Best-Of-Programm der Marke: Woraus Fan-Träume gemacht sind. Die Songs stammen nahezu allesamt aus der Frühphase der Band. Alleine acht Lieder vom Debüt werden an diesem Abend präsentiert. Dazu dann noch fünf weitere vom Zweitwerk, "Slave To The Grind", das RAMONES-Cover Psycho Therapy und auch die einzig etwas neuere Nummer We Are The Damned sorgen für glänzende Augen bei den Fans.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Die Band hat offenbar großen Spaß - und das liegt wohl auch an dem noch recht neuen Frontmann ZP Theart (früher bei DRAGONFORCE), der mit seiner unverkrampften, sympathischen Art bei den Fans zu punkten weiß. Rein optisch erinnert er ein wenig an einen anderen Veteranen der Hair Metal-Szene, nämlich Stephen Pearcy von RATT. Zudem singt Theart das Material deutlich originalgetreuer als sein Vorgänger Johnny Solinger, der doch eine ganz andere Stimmlage und ein deutlich begrenzteres Volumen sowie einen beschränkteren Stimm-Umfang hatte. In manchen Momenten trifft Theart sogar sowohl von der Intonation und der Höhe exakt den Original-Ton von Ur-Frontmann Sebastian Bach , auch wenn bestimmt nicht gerade wenige in der Halle immer noch von einer Reunion im Original-Line-Up träumen.

Und so vergeht der Abend wie im Flug. Ein Highlight jagd das nächste, auch wenn Drummer Rob Hammersmith bei Quicksand Jesus ein wenig zu kräftig hinlangt. Und statt des ausufernden Gitarren-Duells von Sabo und Scotti Hill in Monkey Business hätte ich mir persönlich noch das eine oder andere Lied von "Slave To The Grind" wie The Threat, Riot Act oder In A Darkened Room gewünscht, schließlich hat jedes Lied ein Solo, in dem sich die jeweiligen Instrumentalisten 'beweisen' können. Und wenn man schon einen Sänger dabei hat, der das Material entsprechend präsentieren kann, dann sollte man die Chance nutzen.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Trotz dieser wirklich kleinen Schönheits-Mängel hinterlassen SKID ROW an diesem Abend einen sehr guten Eindruck. Die Stimmung unter den Musikern scheint endlich wieder so richtig zu stimmen und auch die Performance passt wieder. Denn so nett Solinger auch war, so wenig passten seine Qualitäten zu der Band. Da haben sie in Theart wirklich einen guten Griff getan, der auch Hoffnungen für die Zukunft erlaubt. Nun wäre es wirklich langsam mal wieder an der Zeit, eine neue Scheibe einzuspielen. Denn mit neuem - und hoffentlich wieder starkem - Material würden SKID ROW sicherlich mehr als die geschätzt rund 350 Zuschauer an diesem Abend anziehen. Und verdient hätte es die Bandauf jeden Fall. Wenn eine Band so auftritt, dann kannn sich auch ohne Scham jeder dazu bekennen, Hair Metal auch nach all den Jahren immer noch zu lieben.

Hier gibt es weitere Impressionen von SKID ROW.

An dieser Stelle noch ein herzlicher Dank an Stephan Junkes und das Garage-Team für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, (Artikelliste), 07.05.2018