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Grammatikoff
Fotos: Horst Engels
Monotyp,
Duisburg, Grammatikoff, 14.09.2018

Große Spannung. Hohe Erwartungshaltung. Nervosität. Damit muss man umgehen können. Die vier Individualisten von MONOTYP können das. Das haben sie bei ihrem gestrigen EP-Release-Gig im Duisburger "Grammatikoff" bewiesen. Im Grunde genommen geriet das Konzert auf großer Bühne zu so etwas wie einem echten Premieren-Gig, denn der allererste MONOTYP-Gig Anfang Juli fand im Rahmen eines Benefiz-Sommerfestes statt, wo die volle Aufmerksamkeit eher dem Tagesthema "Wir gegen Krebs" zukam.

Nun also probten die Herren Skorwider, Bluni, Horlitz und Musleh der ersten großen Aufstand gegen die Macht des Stereotyps. Vielfalt und Variabilität haben sich die vier erfahrenen Musiker selbst auf die Fahnen geschrieben. Das zahlreich erschienene Publikum durfte sich also auf "stil- und genreübergreifende Songperlen" freuen.

"Okay, lasst mal kommen, Jungs", werden sich die meisten der Anwesenden gedacht haben. Denn im Vorfeld des Konzertes gab es im Grunde neben einigen kurzen Song-Snippets nur einen einzigen kompletten Track zu hören: Antworten, ein feiner, sehr ohrwurmverdächtiger Pop-Rocksong mit Niveau, der später natürlich auch im "Grammatikoff" seine Runden drehte. Hier fehlten letztlich nur die sich schwenkenden Arme des jauchzenden Publikums und der lauthals mitgegrölte Refrain: "Und wenn Du mich fragst, das Leben kennt die Antwort". Ein Newcomer hat es diesbezüglich natürlich schwer. Auch griffige Songs wollen zunächst zwei bis dreimal gehört werden, um dynamitgleich zu zünden. Das kann alles noch kommen. Das Leben kennt die Antwort.

Songs, die sich gut anfühlen und anhören, gab es in der Folge im knappen Dutzend. Abgesehen von den sechs tollen Nummern der Premieren-EP - die übrigens ruckzuck ausverkauft war - fielen zwei oder drei Nummern durchs strenge Raster der Kritik. Der Bogen in Richtung Mainstream und Klischeelastigkeit wurde hier ein wenig überspannt. Aber kein Grund zur Sorge, denn auch andere sogenannte Deutschrock-Bands wie KETTCAR, MADSEN und JUPITER JONES kochen nur mit Wasser. Längst nicht jeder Song kann und muss dem Fan die Schuhe ausziehen. Solange die Band das Publikum nicht anlügt oder damit prahlt, den Fan Schwerelos durchs Konzert zu hieven, werden unsere guten alten Helden parat stehen, um sämtlichen Stress zu vermeiden.

Wenn die angebotene Palette von rotzig und schnoddrig bis lieblich grinsend und stirnrunzelnd gedankenversunken reicht, Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit gut ausbalanciert daherkommen, die flink gebohrten Gitarrenbretter von Mikel Bluni dem Hörer um die Ohren fliegen, ein als schüchterner Typ gehandelter Drummer wie Olli Horlitz sich zu einem gewaltigen Drumsolo hinreißen lässt, Kaneshka Muslehs schicke Rheingold Bässe Rheinhausener Glamour verbreiten und Sänger Jens Skorwider trotz trockener Kehle Luftküsse verschleudern kann, dann kommt schließlich alles zu einem guten Ende. Woher ich das weiß?. Ich hab's auf der Heimfahrt im Rückspiegel gesehen.

Frank Ipach, (Artikelliste), 14.09.2018